Bernd Förster schließt in Arnstadt Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilkunde

Arnstadt.  Mit 75 Jahren übergibt ein Arnstädter Mediziner seine Patienten an seine Nachfolgerin. Einmal muss Schluss sein, sagt sich Bernd Förster.

Bernd Förster (3. von links) geht mit 75 Jahren in den Ruhestand. Hier mit den Schwestern Kirsten, Liane, Berufskollege Bernd Kirmse und Schwester Susanne.

Bernd Förster (3. von links) geht mit 75 Jahren in den Ruhestand. Hier mit den Schwestern Kirsten, Liane, Berufskollege Bernd Kirmse und Schwester Susanne.

Foto: Hans-Peter Stadermann

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Heute, am Mittwoch, ist sein letzter Tag in einem erfolgreichen wie abwechslungsvollen Berufsleben als Arzt. Bernd Förster geht mit 75 Jahren in den mehr als verdienten Ruhestand.

Echt jetzt, 75?! – Der Mann sieht wesentlich jünger aus, wurde auch zuletzt immer noch von seinen Patienten gefragt, warum er denn schon aufhöre. Seit 1992 leitete er die Arztpraxis in der Dr.-Robert-Koch-Straße als Allgemeinmediziner und die Praxis für Naturheilverfahren. Jetzt ist aber die Zeit des Abschieds gekommen und der Doktor zitiert dazu gern Schiller: „Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer trauriger als erfreulich.“

Fast 2000 Patienten hat er im Quartal mit seinen Mitarbeitern betreut, zu denen gehören die medizinischen Fachangestellten Kirsten und Susanne und gehörte Schwester Liane, die seit September in den Ilm-Kreis-Kliniken als Krankenschwester auf der Entbindungsstation arbeitet. Dazu gesellte sich als Heilpraktiker Bernd Kirmse. Sie waren eine berufliche Familie, sind gemeinsam auf Kreuzfahrt gewesen. Das Team werde er schmerzlich vermissen.

Ohne Nachfolge tritt er nicht ab

Doch zum Glück müssen seine Patienten nicht auf ärztlichen Fachverstand verzichten. Ohne Nachfolge wollte er nicht abtreten, das hatte er ihnen versprochen und das hat er gehalten. An seiner Stelle wird Editha Orman als Internistin und Hausärztin mit seinem bisherigen Team am 1. Februar in der zweiten Etage des Medizinischen Versorgungszentrums im Marienstift Arnstadt ihre Praxis eröffnen. Mitte Februar soll es dann dort einen Tag der offenen Tür geben. Orman beschäftigt sich aber noch nicht mit Naturheilverfahren wie ihr Vorgänger, der sich der Behandlung erkrankter Darmflora verschrieben hatte, der Akupunktur und der Anwendung pflanzlicher Heilmittel.

Ausbildung als Krankenpfleger

Die beruflichen Stationen von Bernd Förster sind weit verzweigt. Er begann 1966 mit einer Ausbildung als Krankenpfleger in den Kreiskrankenanstalten Arnstadt. Danach studierte er Humanmedizin in Leipzig, das Studium der klinischen Semester erfolgte an der Medizinischen Akademie Erfurt, und 1974 wurde er Diplommediziner. Dem schloss sich eine Facharztausbildung in Chirurgie an, stationär und ambulant war er in dieser Funktion in den Kreiskrankenanstalten Arnstadt tätig. Von 1979 bis 1983 war er Bereichsarzt beim Medizinischen Dienst des Verkehrswesens der DDR und betreute die Arbeiter und Angestellten von Bus, Bahn und Taxi-Unternehmen als Arbeitsmediziner. Danach leitete er das Ambulatorium des VEB Chemieanlagenbau Erfurt-Rudisleben als Betriebsarzt, war aber auch Hausarzt für andere Patienten.

Über Ungarn in den Westen

Und danach, es war August 1989, war er weg. Geflüchtet über die Grenze in Ungarn in den Westen, vor Augen eine eigene Praxis, die er gründen wollte. Dazu bildete er sich in Naturheilverfahren im Badischen weiter. Kam danach wieder zurück nach Arnstadt und gründete seine Praxis für Naturheilverfahren in Arnstadt. Zum Praxisspektrum gehörten Neuraltherapie, Hochtontherapie, Lasertherapie, Pflanzenheilkunde, Homöopathie, Darmsanierungen, alternative Krebstherapie, Kosmetische Behandlungen (Faltenunterspritzung) und weitere Diagnose- und Therapieverfahren.

Nach fast 28 Jahren in dieser Praxis will er höchstens nochmal seiner Nachfolgerin aushelfen, wenn Not am Mann oder der Frau ist. Aber ansonsten seinen Ruhestand genießen. Das in Kinderjahren erlernte Klavierspiel soll wiederbelebt werden, die Barockmusik von Bach und Telemann gefällt ihm. Das Wandern auch. Natürlich hat er zum Abschied noch ein paar Gesundheitstipps mit auf den Weg zu geben, denn „Vorsorgen ist besser als Heilen!“ Sehr viele Krankheiten und Beschwerden könnten vermieden werden durch regelmäßiges Yoga, Entspannungsübungen oder Gymnastik. Obst und Gemüse sollten zum täglichen Speiseplan gehören.

Ärztin in Arnstadt: Mit 85 Jahren noch immer für die Patienten da

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren