Arnstadt: Scheinrechnungen erstellt und Mieter betrogen

Arnstadt.  Ein inzwischen fristlos gekündigter Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaft Stadtilm hat fingierte Rechnungen erstellt und Mieter geprellt.

Im Amtsgericht Arnstadt fand die Verhandlung gegen den ehemaligen Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaft Stadtilm statt.

Im Amtsgericht Arnstadt fand die Verhandlung gegen den ehemaligen Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaft Stadtilm statt.

Foto: André Heß

Ein Hausmeisterservice hat für die Wohnungsbaugesellschaft Stadtilm mbH in den letzten beiden Jahren drei Aufträge erfüllt. Allerdings wurden auf seinen Namen bei der Wohnungsbaugesellschaft 40 Rechnungen für Arbeitsleistungen eingereicht. Es waren Scheinrechnungen im Gesamtwert von 83.003,02 Euro, angeblich für Instandhaltungsarbeiten von Wohnungen in der Feldstraße, Lindenstraße und Schulstraße.

Sie wurden vom Mitarbeiter der Gesellschaft eingereicht, der am Dienstag vor dem Amtsgericht Arnstadt wegen Betrug und Urkundenfälschung in 40 Fällen, sowie Untreue in elf Fällen angeklagt war. Er hatte nicht nur die Gesellschaft geschädigt, sondern auch von den Mietern Miete einbehalten oder höhere Mietforderungen wegen angeblicher Mietschulden gestellt. Insgesamt erschwindelte und ergaunerte sich der Angeklagte eine Summe von 89.568.027 Euro.

Der geschiedene Familienvater aus Rudolstadt hat das Geld für die Reparaturen, die nie erbracht worden sind, auf das Konto seiner Lebensgefährtin buchen lassen, die davon nichts mitbekommen haben soll. Nach seiner Motivation gefragt, sagte er, dass es mit einer OP-Rechnung für sein Kind von 600 Euro begann.

Dann folgten Autoreparaturen, das Dach vom Haus musste gemacht werden. „Es war wie eine Sucht, irre“, so der Angeklagte.

Einen Stapel Rechnungenauf den Tisch gehauen

Als Zeuge wurde der ehemalige Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Stadtilm befragt, wie es dazu kommen konnte.

Er sagte, er habe Unregelmäßigkeiten beim Jahresabschluss festgestellt, und als der Angeklagte aus einer Reha wiederkam, habe er ihm im Mai 2019 den Stapel Rechnungen auf den Tisch gehauen. Daraufhin habe der Mitarbeiter ein vollumfängliches Geständnis abgelegt und er ihm fristlos gekündigt.

Vier Jahre Bewährungund 7200 Euro Wiedergutmachung

Der ehemalige Geschäftsführer sprach von einer kleinen kommunalen Wohnungsgesellschaft mit teilweise schwierigen Mietern. Zur Betrugszeit sei er wegen des Verkaufs von Wohnblocks extrem viel unterwegs gewesen. Inzwischen wurden alle Mietkomplexe an die TAG Immobilien AG verkauft, ein laut Homepage im MDAX gelistetes börsennotiertes Immobilienunternehmen mit einer über 125-jährigen Geschichte.

Die Wohnungsgesellschaft Stadtilm mbH, die 1992 gegründet wurde, bestehe aber weiter mit Grundstücksbesitz und Garagen fort. Gesellschafter des Unternehmens ist die Stadt Stadtilm.

Als weitere Zeugen wurden eine geprellte Mieterin und der Firmenchef des Hausmeisterservice gehört. Richter Thomas Jenke blieb mit seinem Urteil von zwei Jahren Freiheitsentzug, ausgesetzt auf vier Jahre Bewährung und 7200 Euro Wiedergutmachungsleistung plus 49.560.27 Euro Einziehungserhebung, beim Antrag der Staatsanwaltschaft. Auch die Verteidigung war damit einverstanden, damit ist das Urteil rechtskräftig.

Zugunsten des Angeklagten habe gesprochen, dass er bereits 40.000 Euro zurückgezahlt, und dafür einen Kredit mit Belastung seines Hauses aufgenommen hat. Außerdem sei er nicht vorbestraft gewesen, habe Reue gezeigt und war geständig. Es sei ihm aber auch wegen mangelnder betriebsinterner Kontrollmechanismen entsprechend leicht gemacht worden, merkte der Richter an. Das ging an die Adresse des Ex-Geschäftsführers, der aber nicht mehr im Saal war.