Bahnsteig in Ilmenau ohne Überdachung

Ilmenau.  Der Ilmenauer Bahnhof hat einen neuen Bahnsteig 2 bekommen, der über die Unterführung und von der Langewiesener Straße aus zu erreichen ist.

Blick auf den sanierten Bahnsteig Gleis 2 am Ilmenauer Bahnhof in Fahrtrichtung Rennsteig.

Blick auf den sanierten Bahnsteig Gleis 2 am Ilmenauer Bahnhof in Fahrtrichtung Rennsteig.

Foto: Ralf Ehrlich

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Mitte Juli hatten die Bauarbeiten am Ilmenauer Hauptbahnhof für den Bahnsteig 2 begonnen, zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember waren sie beendet. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, gab es einen kompletten Neubau des Bahnsteiges mit einer Länge von 95 Metern, die Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern soll ein bequemes Ein- und Aussteigen ermöglichen.

Zur Ausstattung gehören Sitzbänke, Fahrplanvitrinen, Wetterschutz, Beleuchtung und Schriftanzeiger. Ein stufenfreier und damit behindertengerechter Zugang von Bahnsteig 1 zum Bahnsteig 2 wird über den Bahnübergang Langewiesener Straße ermöglicht. Hier wurde ein neuer Fußweg entlang von Terminal 3 gebaut, der inzwischen Sitz der Wohnungs- und Gebäudegesellschaft Ilmenau ist.

Abriss der Bahnsteigüberdachung

Bahn und Bund investierten in den Umbau 1,2 Millionen Euro. Die Personenunterführung zwischen Gleis 1 und 2 kann weiterhin genutzt werden. Seit 2012 hatte sich die Stadt Ilmenau für eine Sanierung des Bahnsteigs 2 und den Erhalt der Unterführung ausgesprochen.

Mit dem Abriss der großen Bahnsteigüberdachung über die Bahnsteige 2 und 3 hat der Bahnhof seine größte Veränderung seit des umfangreichen Gleisrückbaus in den Jahren 2000 bis 2005 erfahren, weiß Eisenbahnfreund Stefan Wespa aus Elgersburg. Er hat für unsere Zeitung auch einen Blick zurück in die Bahnhofsgeschichte geworfen.

Geordnet die Gleise überqueren

Als am 6. August 1879 die Eisenbahnstrecke von Arnstadt her eröffnet wurde, genügte noch der Hausbahnsteig für den Fahrgastwechsel. Im Herbst 1904 kam die Eisenbahn über den Rennsteig dazu – es wurde der zweite Bahnsteig errichtet. Die Reisenden wurden unter Aufsicht eines Eisenbahners geordnet über die Gleise geführt.

Dann kam der Bau der Eisenbahn nach Gehren-Großbreitenbach und im November 1881 entstand der Bahnsteig 3. Die Preußische Staatsbahn konnte 1907 den heutigen Fußgängertunnel vom Hausbahnsteig zu den Bahnsteigen 2 und 3 fertig stellen. Der Doppelbahnsteig mit einem Fußboden aus Klinkerplatten hat 110 Jahre bei Wind und Wetter gehalten. Erst nach Gründung der Deutschen Reichsbahn als einheitliche Staatsbahn im April 1920, kam es zum Bau der großen Überdachung.

Prellbock kündigt Stilllegung an

Mit dem Abschiedszug von und nach Großbreitenbach am 31. Mai 1997 und der Betriebseinstellung nach Schleusingen im Mai 1998 wurden die beiden Bahnsteige fast bedeutungslos. Mit dem Prellbock in Höhe der Unterführung waren schon 1999 Tatsachen zur endgültigen Stilllegung geschaffen worden. Es ist zum größten Teil der Verdienst des Vereins der Dampfbahnfreunde und deren Führung, dass die Bahn zum Rennsteig und nach Schleusingen als Museumsbahn gerettet wurde.

Nach 2001 begannen erste Fahrten mit der legendären 94er Dampflok vom Bahnsteig 2 hinauf zum Rennsteig. Der Zugang erfolgte weiterhin durch die Unterführung, doch für die wenigen Fahrten war die Deutsche Bahn nicht mehr bereit, das Dach zu erhalten. So kam die Forderung auf, die Bahnsteige 2 und 3 stillzulegen und die Unterführung zuzuschütten. Ein Studie besagte zwischenzeitlich, den Bahnsteig 1 zu verlängern und dort auch den Bahnsteig 2 anzulegen. Mit der Entscheidung zum Zugang Bahnsteig 2 von der Langewiesener Straße aus gibt es den neuen Bahnsteig 2 mit der heutigen, geforderten Höhe und er ist auch behindertengerecht zu erreichen, wenn die Reisenden nicht die Treppenstufen der Unterführung nutzen können oder wollen.

Bahnsteig 3 ist Geschichte

Der Bahnsteig 3 ist somit wie einst die Eisenbahn nach Großbreitenbach Geschichte. Die Unterführung bleibt vorerst erhalten, wie lange, ist jedoch fraglich. Stefan Wespa weiß, dass solche Unterführungen wie auch Brückenbauwerke alle drei bis sechs Jahre geprüft werden. Im November erfolgte die Überprüfung der Ilmenauer Unterführung, ein Ergebnis liegt noch nicht vor.

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