Das Lexikon der Ilmenauer Gedenkstätten

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Auch der Friedrich-Hofmann-Brunnen in der Ilmenauer Waldstraße zählt zu den insgesamt 165 Gedenkstätten der Stadt und ihren Ortsteilen. 

Auch der Friedrich-Hofmann-Brunnen in der Ilmenauer Waldstraße zählt zu den insgesamt 165 Gedenkstätten der Stadt und ihren Ortsteilen. 

Foto: Arne Martius

In akribischer Arbeit fassten Cornelia Domhardt, Gunther Lacroix und Eckhardt Oehmigen alle 165 Standorte zusammen.

Ilmenau. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Kur- und Bäderwesen in Ilmenau seiner Blütezeit entgegensah, wuchs in gleichem Maß die Bedeutung des Fremdenverkehrs. Zwischen den Besuchen in sogenannten Heilanstalten, bei denen die Gäste mit Kaltwasseranwendungen ihre Beschwerden linderten, standen ausgedehnte Spaziergänge im Speckgürtel der Stadt auf dem Programm. Schon bald wurden die Wanderwege zu Promenaden ausgebaut, inklusive Sitzgelegenheiten und Tafeln.

Aus dieser Zeit stammt auch die Mehrzahl der Gedenkstätten im Stadtgebiet. Die beiden bekanntesten Flaniermeilen sind die Preller- und die Hertzer-Promenade, benannt nach zwei ärztlichen Leitern von Kaltwasserheilanstalten. Im Lauf der Zeit wurden Brunnen und Monumente hinzugefügt, die entweder an die Begründer des Ilmenauer Bäderwesens erinnern, oder an namhafte Kurgäste.

Die schier unübersichtliche Anzahl an Gedenkstätten wurde nun erstmals in einer vollständigen Übersicht zusammengefasst, die nicht nur Auskunft zum Zustand, der Bauausführung und ihrer historischen Bedeutung gibt, sondern auch digital in eine Datenbank eingepflegt wurde. Für Cornelia Domhardt, langjährige Mitarbeiterin im Ilmenau Sport- und Betriebsamt, war die Zusammenstellung der letzte große Kraftakt ihrer beruflichen Laufbahn vor dem Ruhestand. Das Werk entstand gemeinsam mit Gunter Lacroix, Ehrenbürger und lange Zeit Wegewart der Stadt, sowie Eckhardt Oehmigen, der sich bereits vor zehn Jahren um die Digitalisierung von Wanderwegen verdient machte.

Einige Gedenkstätten schwer zugänglich

Hinzu kam die Gebietsreform rund um Ilmenau: Fortan zählte das bekannte Hirschmonument von Frauenwald ebenso zu den Gedenkstätten der Stadt, wie die Kirchglocken auf dem Jesuborner Friedhof.

Im Fall von Ilmenau verließen sich die Urheber der Zusammenstellung auf die Angaben aus dem Buch „Die Ilmenauer Promenaden“ von Silke Leisner und Reinhard Döring – dem Standardwerk der Heimatgeschichte schlechthin.

Einige Gedenkstätten waren wiederum teilweise schwer zugänglich und nur mit Lacroixs Ortskenntnissen auffindbar, beschrieb Cornelia Domhardt die Recherchen für die Dokumentation. Die hat neben der historischen Einordnung noch zwei praktische Aspekte: Durch die detaillierte Zustandserfassung können die Gedenkstätten im Fall einer Reparatur oder Sanierung originalgetreu erneuert werden. Auch die Zuordnung der Besitzer spielt bei der künftigen Unterhaltung eine Rolle. Von den 165 Denkmälern befinden sich mit 115 die meisten im Zuständigkeitsbereich der Stadt, aber eben auch in der Verantwortung des Forsts, des Landkreises, Bundes, der Kirche und selbst Privatpersonen.

Erste Gedanken zu Veröffentlichung

Zum Fundus der Gedenkstätten zählt auch der Schwalbenstein samt Schutzhütte, auf dem Goethe im Jahr 1779 an nur einem Tag den vierten Akt der „Iphigenie auf Tauris“ schrieb. Dazu gehört der Hermannstein, dem Wissenschaftler in einem Gutachten mit 119 verschiedenen Moosen und Geflechten die höchste Artenvielfalt im Thüringer Wald attestierten. Die Übersicht ist zunächst nur für den dienstinternen Gebrauch innerhalb der Ilmenauer Stadtverwaltung gedacht.

Bei der Vorstellung am Montag schlug Stadtratsmitglied Tim Wahner (Die Linke) vor, die umfangreiche Arbeit auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.