Diskussion über die gläserne Schwimmhalle

In Ilmenau war die transparente Außenfassade der neuen Freizeiteinrichtung erneut Thema im Stadtrat.

Der Einblick in die Schwimmhalle von Ilmenau ist nicht jedermanns Geschmack.

Der Einblick in die Schwimmhalle von Ilmenau ist nicht jedermanns Geschmack.

Foto: Henry Trefz

Ilmenau. Die Diskussion um die gläserne Fassade der neuen Ilmenauer Schwimmhalle hat erneut den Stadtrat erreicht. Ob im Rahmen der Bauplanung nicht ein Sichtschutz für die Badegäste diskutiert wurde, das wollte Stadtratsmitglied und Möhrenbachs Ortsteilbürgermeister Matthias Steitz (CDU) wissen. Insbesondere das Planschbecken für Kinder befindet sich unmittelbar hinter der Glasfront – und ist vom Gehweg der Karl-Liebknecht-Straße direkt einsehbar.

Doch ein Sichtschutz sei von vornherein nicht geplant gewesen, erklärte Bauamtsleiter Thomas Schäfer. Neben energetischen Aspekten, den Themen Raumklima, Geruch und Schallschutz habe eben auch eine architektonische Komponente eine Rolle gespielt. „Es sollte eine anspruchsvolle Lösung gefunden werden, die eine transparente Beziehung zwischen Liebknecht-Straße und Eishallenteich herstellt“, sagte Schäfer. Mit der großen Glasfront lehne man sich zudem an die Optik der benachbarten Eishalle an – und nicht zuletzt sollte der Einblick in die Schwimmhalle auch ein wenig werbewirksam für die Stadt sein. „Ein flächenhafter Sichtschutz würde diese Ziele konterkarieren und war nie eine ernsthafte Überlegung“, fand Schäfer, der sich darüber wunderte, warum diese Bedenken nicht bei den Vorstellungen des Bauvorhabens in der Vergangenheit geäußert wurden.

Fotografieren oder filmennicht gestattet in der Halle

„Aus Sicht des Bäderbetriebs schauen sich Passanten insbesondere die Architektur an und weniger die Badegäste“, stellte der Bauamtsleiter fest. Ein regelrechtes Gaffen sei bislang nicht beobachtet worden. Sollte es dazu kommen, dass mit einem Mobiltelefon fotografiert oder gefilmt werde, sei das Personal der Einrichtung auf diese Situation geschult: „Es gibt direkte Anweisungen, solche Handlungen zu unterbinden. Das gilt auch in der Schwimmhalle selbst“, betonte Schäfer, der sich in der Debatte noch ein persönliches Wort erbat: „Der frühere Oberbürgermeister (Gerd-Michael Seeber, Anm. d. Red.) sagte, wir befinden uns nicht in Konkurrenz zu Arnstadt oder Suhl, sondern zu anderen Universitätsstädten. Vielleicht steht uns mal etwas Weltmännisches besser zu Gesicht und nicht provinzielle Engstirnigkeit“, meinte Schäfer, der das Projekt von Beginn an begleitete. Er zeigte Beispiele aus Dresden, Leipzig oder Berlin, wo es ähnlich gläserne Schwimmhallen gibt.

Dass die Optik womöglich zur Ablenkung von Autofahrern an der viel befahrenen Straße führen könnte, verneinte Ordnungsamtsleiter Ingolf Müller. In dieser Hinsicht habe man bereits mit der großen LED-Tafel an der Stirnseite der Eishalle Erfahrungen gesammelt. In diesem Fall hatte es im Vorfeld die Sorge gegeben, dass Verkehrsteilnehmer beim Betrachten der Anzeige unaufmerksam werden könnten. Doch nach Auswertung der Polizeistatistik habe sich ergeben, dass Unfälle in dem Bereich seit 2018 sogar rückläufig seien. „Sollte sich das aber ändern, werden wir die Sachlage neu bewerten und geeignete Maßnahmen vornehmen“, versicherte Müller.

Gezielte Kontrollgänge bezüglich möglicher Beobachter von Badegästen wird es vom Ordnungsamt aus nicht geben. Ingolf Müller sagte, dass der Außendienst das Thema aber im Blick habe. Weil zu Beginn des Anliegens von Matthias Steitz ein Raunen durch die Reihen der Stadträte ging, zeigte sich der Fragesteller verwundert: „Hier geht es um ganz normale Fragen, die unsere Einwohner beschäftigen“, stellte Steitz klar.