Eltern enttäuscht: Kita will Mädchen mit Diabetes nicht aufnehmen

Ilmenau  Nach der Diabetes-Diagnose eines Mädchens blockiert eine katholische Einrichtung in Ilmenau die Aufnahme. Der Träger bittet für den Vorfall um Entschuldigung.

Im katholischen Kindergarten „St. Martin“ in der Ilmenauer Naumannstraße wollte Familie Sorg ihre beiden Kinder betreuen lassen.

Im katholischen Kindergarten „St. Martin“ in der Ilmenauer Naumannstraße wollte Familie Sorg ihre beiden Kinder betreuen lassen.

Foto: Ralf Ehrlich

Schwieriger als gedacht gestaltete sich für eine Familie in den vergangenen Monaten der Umzug nach Ilmenau. Von Nordrhein-Westfalen wollte Familie Sorg den Lebensmittelpunkt wieder zurück in die Heimat verlegen. „Für unsere Tochter suchten wir frühzeitig einen Kindergartenplatz und fanden in einer katholischen Kindertagesstätte im Südviertel von Ilmenau die passende Einrichtung“, so Johannes Sorg.

Die Zusage der Einrichtung hatte sie sehr gefreut. Noch während der Schnuppertage im Kindergarten wurde bei dem kleinen Mädchen Diabetes mellitus Typ 1 diagnostiziert. „Wir sprachen mit der Kindergartenleitung über die Erkrankung und die bevorstehende Eingewöhnungszeit. Wir hatten uns zu diesem Zeitpunkt bereits um einen Pflegedienst gekümmert, der die medizinische Betreuung während der Mahlzeiten in der Kita übernehmen konnte.“

Eltern wollten Erzieher über Krankheit aufklären

Außerdem bot Familie Sorg an, den Erziehern die Erkrankung näherzubringen und bot sogar an, ihre Diabetesberaterin mit einzubeziehen. „Die eingereichten Aufnahmeunterlagen erhielten wir nicht zurück“, so Johannes Sorg weiter. Begründet wurde dieses Vorgehen damit, dass die Leitung erst mit den Erziehern Rücksprache halten müsse, ob das Mädchen aufgenommen werden kann.

„In einer Teamsitzung beschloss die Belegschaft, die Aufnahme an Bedingungen zu knüpfen, wie etwa die Beschaffung einer Integrationshilfe.“ Dies war für die Familie nicht realisierbar. „Diese Krankheit bringt keine integrationsbedürftigen Einschränkungen mit sich“, so der Vater. „Das bestätigten uns auch das Sozialamt und die Leitung des Integrations-Kinderzentrums.“

Pflegedienst hätte Insulin verabreicht, nicht die Erzieher

Das Mädchen ist ein ganz normales Kind, das spielt, herumtobt und alles essen kann, so der Vater weiter. Den Pflegeaufwand, die entsprechende Insulingabe zu den Mahlzeiten, hätte der Pflegedienst übernommen, womit den Erziehern lediglich die normale Betreuung auferlegen hätte. „Eine plausible Begründung für die Forderung der Integrationshilfe bekamen wir nicht. Unserer Meinung nach wollte die Belegschaft über diesen Weg eine zusätzliche Kraft erzwingen.“ Es gab keine weiteren konkreten Aussagen und keine Lösungsansätze für die Situation.

Auf Anfrage äußerte sich der Kirchenvorstand der katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth Arnstadt als Träger des Kindergartens „St. Martin“: „Wir können die Enttäuschung und den Ärger der Familie Sorg nachvollziehen und sind ebenfalls der Meinung, dass der Verlauf nicht den Ansprüchen eines christlichen Trägers genügt“, so Kirchenvorstandsmitglied Mario Graff.

„Wir können, wie auch schon schriftlich geschehen, hierfür nur um Entschuldigung und Verständnis bitten.“ Familie Sorg wird versprochen, dass aus dem Vorfall gelernt werden soll. Es werde Gespräche und Schulungen geben sowie den Austausch mit anderen Kindergärten, insbesondere dem zweiten Kindergarten in der Pfarrei in Arnstadt.

Familie Sorg fand mittlerweile mit dem städtischen Kindergarten „Zwergenland“ in Ilmenau eine Einrichtung, mit der nach wenigen Telefonaten und einem kurzen persönlichen Gespräch die Aufnahme reibungslos verlief. Die Leitung und eine Erzieherin sind sogar kurzfristig nach Erfurt zur Diabetesschulung gefahren.

Den Aufnahmeantrag für ihr zweites Kind für den Kindergarten „St. Martin“ zog die Familie zurück. Zu groß sind Enttäuschung und Ärger.

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