Finstere Geheimnisse der Finanzwirtschaft

Ilmenau.  Der Politsatiriker Claus von Wagner nahm vor 600 Zuschauern im Audimax der TU Ilmenau die Finanzwirtschaft unter die Lupe.

Claus von Wagner zieht über die Finanzwelt her und 600 Zuschauer amüsieren sich. 

Claus von Wagner zieht über die Finanzwelt her und 600 Zuschauer amüsieren sich. 

Foto: Klaus-Ulrich Hubert

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Auch in seinem zweiten Halbjahrhundert gibt sich ein bc-Studentenclub der Technischen Universität nicht mit Kleinkram ab. Um Euro-Billionen ging es am Dienstag, als seine 600 Gäste im Audimax hinreißende drei Stunden beim Soloprogramm „Theorie der feinen Leute“ mit dem ZDF-Politsatire-Star aus „Neues aus der Anstalt“ erleben.

Dollarkurse und Krisenrettung

Claus von Wagner gerät in die automatische Sicherheits-Verschlusszeit einer großen Bank, während er am einstigen Schreibtisch seines verstorbenen Vaters dessen finstere Finanzwirtschafts-Geheimnisse durchstöbert. Mit dem Wissen um heutige Finanz-Marktschreier, andere Deppen, Deutsche-Bank-Derivate und Dollarkurse seziert der Kabarettist unter Publikumslachsalven gnadenlos Krisenrettungs-Geldflussrichtungen von unten nach oben.

Disharmonie zwischen Finanzmarkt und Realität

„Junge, was spricht denn gegen den Kapitalismus?“, erinnert er sich am alten väterlichen Dienst-Fernsprechapparat aus Adenauer-Zeiten der Frage des Herrn Papas. Und seiner eigenen Antwort: „Hm, und was spricht dafür?“ Den eingangs flotten Harmonien des Arnstädter Pianisten David Scholz folgen massenhaft Disharmonie-Beispiele aus der echten und Finanzmärkte-Parallelwelt. Alle in edler Satire-Panade gegrillt, sodass allein schon die Pointen-Dichte und lässige Textsicherheit des Kommunikationswissenschaftlers, Historikers und Medienrechtlers aus München begeistert.

Publikum lernt Politiker-Sprech

Die bewusst wiederholte Finanzberater-Floskel „Eine sehr gute Wahl!“ kann das begeisterte Publikum auf diesen Abend ummünzen. Und dabei zugleich Finanz- und Politiker-Sprech deuten lernen: Was bitteschön ist Negativwachstum? Warum explodieren Verkaufszahlen von Glücksratgebern, während angeblich die Gesellschaft happy wie nie zuvor ist? Warum immer alles nur wachsen und wachsen muss. So wie bei der gemästeten „Weihnachtsgans, der es vor den Festtagen am besten geht“. Werter von Wagner: Was wird denn aus ihrer Satiriker-Wachstumsbranche, wenn mal Moral, Steuer- und Sozial- sowie Geschlechtergerechtigkeit über uns hereinbrechen?

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