Gehrener Ortsteilrat legt sich auf Kindergartenstandort fest

Gehren.  Die Kommunalpolitiker favorisieren mehrheitlich die Ilmkristall-Wiese. Städtebaufördermittel gibt es jedoch weiterhin nur für den Marstall.

Geht es nach dem Willen des Gehrener Ortsteilrats, spielen die Kinder in Gehren künftig am Standort der ehemaligen Ilmkristall-Fabrik im Freien.

Geht es nach dem Willen des Gehrener Ortsteilrats, spielen die Kinder in Gehren künftig am Standort der ehemaligen Ilmkristall-Fabrik im Freien.

Foto: André Heß

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Die Ortsteilratssitzung am Donnerstag dauerte keine halbe Stunde im öffentlichen Teil, selbst das für Gehren wichtigste Vorhaben in diesem Jahr, der Neubau eines Kindergartens wurde zügig abgehandelt. Der Ortsteilrat war von der Stadtverwaltung Ilmenau aufgefordert worden, seinen endgültigen Standpunkt für einen Standort abzugeben. Infrage kamen zwei Möglichkeiten: der ehemalige Marstall und das Gelände der abgerissen Ilmkristall-Fabrik. Für den Ortsteilrat und Ortsteilbürgermeisterin Sabine Krannich (Linke) war jedoch die Sache klar: Für sie kommt nur für einen Neubau der Standort des ehemaligen Ilmkristall-Geländes infrage. Maximilian Wiegand (CDU) wollte zwar noch über die Möglichkeit einer Sanierung des bisherigen Kindergartens abstimmen lassen, wurde aber mit seiner Meinung auch ohne Abstimmung überstimmt. „Unser Votum ist klar“, sagte Krannich, man habe es bereits bei der Stadt ausführlich begründet, alles andere läge jetzt in der Hand der Ilmenauer Stadträte. Und so gab es bei der Abstimmung acht Ja-Stimmen für den Standort Ilmkristall und eine Enthaltung.

Bei der Vorstellung der Standortanalyse im Oktober durch Planer Thomas Erfurt hieß es, dass das ehemalige Ilm-Kristall eine Grundstücksgröße von 12.000 Quadratmetern aufweise. Auf diesem habe man zehn Probebohrungen machen lassen und keine Schadstoffe gefunden. Dort würde, 600 Meter vom Ortskern entfernt, ein eingeschossiger Bau entstehen, mit weitläufigem Freibereich für die Kinder. Der zweite Standort sei der Platz, wo jetzt noch der alte Marstall steht, dort würde nach dem Abriss ein Zweigeschosser gebaut, beide Kindergärten waren für 150 Kinder ausgelegt – inzwischen reduziert auf 125. Die Gesamtkosten lägen bei Ilm-Kristall bei vier Millionen und beim Marstall bei 3,6 Millionen Euro.

Die Eltern der Kinder aus der bisherigen Kita bevorzugen auch den Standort Ilmkristall. Zu dem Marstall führen sie Lärm, Verkehr und Abgase ins Feld. Ein Elternsprecher, der auch die Ortsteileratssitzungen begleitet, verwies auf die Bushaltestelle an der Hauptverkehrsstraße, wo es durch Schwerlastverkehr schon jetzt immer zu Rückstaus an der Ampel komme. Der Heimatgeschichtliche Verein Gehren fürchtet beim Standort Marstall um Schlossruine und Schlosspark und sieht erhebliche Eingriffe in den denkmalgeschützten Bereich. Erst recht, seit es Überlegungen gibt, das Haus des Kindergartens nach hinten in den Park zu verlegen, damit er weiter von der Straße entfernt ist.

Die Ilmenauer Stadtverwaltung dürfte das Votum aus Gehren in die Bredouille bringen. Noch am Dienstag hatte Oberbürgermeister Daniel Schultheiß (parteilos) auf Anfrage von Thüringer Allgemeine darauf verwiesen, dass das Thüringer Bildungsministerium zwar Fördermittel von gut einer halben Million Euro für beide Standorte gewähren würde. Allerdings stünden die finanziellen Zuweisungen aus dem Topf der Städtebauförderung – immerhin rund 60 Prozent der Gesamtkosten – nur für den Bereich Marstall in Aussicht. Projekte in dieser Größenordnung wurden in der Vergangenheit in Ilmenau nur dann angefasst, wenn dafür auch das Maximum an Förderung abgerufen werden konnte.

Wann der Ilmenauer Stadtrat über das Thema entscheidet, ist noch nicht klar. Nach Einschätzung von Schultheiß gebe es zwar einen gewissen Zeitdruck. Mit der bevorstehenden Übergabe der Kindergartenerweiterung in Möhrenbach seien allerdings im Einzugsgebiet Gehren insgesamt 200 Plätze vorhanden. „Das deckt auch bei leicht ansteigenden Kinderzahlen den Bedarf“, so der Oberbürgermeister.

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