Gerichtsbericht: Geldstrafe nach widerwilligem Geständnis

Ein Betrüger erfand eine haarsträubende Geschichte. Ein unbekannter Möbelträger spielte darin die Hauptrolle.

Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilt. Foto: Marco Kneise

Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilt. Foto: Marco Kneise

Foto: zgt

Ilmenau. Zeugen müssen vor Gericht die Wahrheit sagen, Beschuldigte dürfen lügen. Diese Lügen werden dann freundlich Schutzbehauptung genannt; Staatsanwälte und Richter wissen damit umzugehen. Zumal Geständnisse, das Gegenteil von Schutzbehauptungen, immer zugunsten der Beschuldigten gewertet werden.

Wenn also, wie in diesem Fall, ein des Betruges Angeklagter eine haarsträubende Geschichte auftischt, um zu erklären, wie es möglicherweise zu der Tat gekommen sein könnte, an die er sich weder erinnern noch eine Erklärung vorweisen kann, ist der Fall eindeutig.

Vorgeworfen wurde dem 1972 geborenen Werkzeugmechaniker, der von Hartz-IV-Hilfe lebt, zu seinen Gunsten eine Unfallversicherung abgeschlossen zu haben, für die er nicht selbst zahlen wollte. Dem Versicherungsunternehmen wurde eine Kontonummer zum Abbuchen der monatlichen Beiträge angegeben, die der Beschuldigte gar nicht besaß.

Es wurde auch eine Abbuchungserlaubnis erteilt per E-Mail von seinem Computer. Der Beschuldigte behauptete nun, dass er auf gar keinen Fall eine Versicherung abgeschlossen hätte, er hätte schlechte Erfahrungen mit Versicherungen und Versicherern gemacht, nannte später als Beleg den eigenen Vater, der nach der Wende Versicherungen vertrieb.

Der Vertragsabschluss von seinem Computer aus könne dadurch zustande gekommen sein, dass ein Umzugshelfer während des Umzugs an seinem PC nicht nur spielte, sondern auch den fraglichen Vertrag abschloss. Die richterliche Rückfrage nach einem dafür denkbaren Motiv wusste der Beschuldigte nicht zu beantworten. Dafür erklärte er jedoch, vom Computer wenig zu verstehen, deshalb alle normalerweise geheimen Angaben auf dem Desktop gespeichert zu haben inklusive aller Zugangscodes. Er nannte das selbst dumm und räumte fast eifrig ein, dies klinge wohl wenig glaubhaft.

Das Konto, von dem die Versicherung anderthalb Jahre Beiträge abbuchte, gehörte dem Vermieter, der Tag des Vertragsabschlusses war der Tag, an dem der Mieter und Beschuldigte, weil er mehr als 3000 Euro Mietschulden angehäuft hatte, die Wohnung verlassen wollte. Was er auch tat und wobei ihm nach eigener Darstellung Leute halfen, die er nicht einmal namentlich kannte.

Erst die Verlesung des Auszugs aus dem Bundeszentralregister erhellte ein wenig das wundersame Aussageverhalten des Mannes. Seit 1991 haben sich elf Einträge angesammelt, das Delikt des Betruges kam mehrfach vor, weiter Diebstahl, Beihilfe zum Raub in neun Fällen, Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz, Fahren ohne Führerschein, Trunkenheit im Verkehr, Sachbeschädigung. Wobei zwischendurch acht Jahre nichts anfiel, erst seit 2009 sitzt der Mann wieder mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf einer Anklagebank.

Nachdem er sich schließlich doch zu einer Aussage bewegen ließ, die Staatsanwalt und Richterin als Geständnis werteten, wurde er zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig. Auf seine 3000 Euro Mietschulden und dem nach Rückbuchungen verbliebenen Schaden sitzt der einstige Vermieter, der als Zeuge geladen war, immer noch

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.