Holger Rogall stellt Konzepte für nachhaltige Entwicklung an der TU vor

Nichts Geringeres als ein neues Wirtschaftsverständnis forderte der renommierte Wirtschaftsforscher Holger Rogall in seinem Fachvortrag zum Thementag "Nachhaltigkeit in Forschung und Lehre" an der TU Ilmenau. Das Menschenbild dafür müsse noch geändert werden.

Forscht für Nachhaltigkeit in der Wirtschaft: Experte Holger Rogall. Foto: Tim M. Hoesmann

Forscht für Nachhaltigkeit in der Wirtschaft: Experte Holger Rogall. Foto: Tim M. Hoesmann

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Ilmenau. Rogall war der Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen und der Grünen Hochschulgruppe Ilmenau zu deren "Wissen-was-wirkt-Campustour" in die Universitätsstadt gefolgt. 30 Zuhörern bot der renommierte Hochschulprofessor in seinem abwechselungsreichen Vortrag "Quo vadis, Homo oeconomicus? - Welches Menschenbild braucht ein nachhaltiges Wirtschaftssystem" Einblicke in seine Arbeit. Diese betreibt er zur Zeit unter anderem am Lehrstuhl für nachhaltige Ökonomie an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Mit vielen Folien erklärte Rogall dem Publikum im Ernst-Abbe-Zentrum seine eigentlich einfache Botschaft: Es ist fünf vor Zwölf. Wenn Generationengerechtigkeit möglich sein solle, müsse ein Umdenken in der Ressourcenausbeutung der Erde durch den Menschen her. Wirtschaften müsse zukünftig umeltverträglich, ökologisch vernünftig und ethisch vertretbar werden. Dies ginge nur, wenn man von allen Erdbewohnern anerkannte Ziele verfolge, die die derzeitige Übernutzung von Ressourcen verhindere.

In den Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit müsse sich die Wirtschaft - gesteuert von soziokulturell, ökonomisch und ökologisch festgelegten Zielen - bewegen. "Die traditionelle Ökonomie, wie sie immer noch gelehrt wird, kann die Probleme der Zukunft nicht lösen", mahnte Rogall. Man müsse weg vom klassischen Menschenbild in der Wirtschaft in der der Mensch ausschließlich eigeninteressiert und vernunftgesteuert handelt und den größtmöglichen Nutzen für sich anstrebe. Er erklärte den "homo Oeconomicus" dem Untergang geweiht und zeichnet das neue Menschenbild des "homo cooperativus". Dieses geht vom Menschen als komplexem Wesen aus, das gut und böse vereint, zu eigennützigen und gemeinnützigen Handeln fähig ist. Der "homo cooperativus" entscheide selten rein vernunftgesteuert, oft sogar idealistisch und von Unsicherheit gesteuert. "Als soziales Wesen sind wir einfach sehr manipulativ", sagte Rogall. Darauf aufbauend müsse anstelle des Wachstumsparadigmas der Wirtschaft das Nachhaltigkeitsparadigma eingeführt werden um zukünftige Ressourcenkriege zu verhindern, so der Wissenschaftler. Die Solarenergie sei eine gute Variante um Energieressourcen zu schaffen, klingt beiläufig an. "Ich habe die Weltformel des vernünftigen Wirtschaftens entwickelt. Die Bundesregierung wird sie nächstes Jahr umsetzen", scherzte Rogall. Im Ernst appellierte er an die Politik die notwendigen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung der Menschheit zu schaffen.

"Wir müssen heute mit der Reform beginnen so stark wir es eben können", so der Professor. Auf der politischen Bühne kennt sich Rogall bestens aus. Er war von 1995 bis 2006 selbst am politischen Ruder als Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin. Mehrfach war er umweltpolitischer Sprecher in verschiedenen Kommissionen. Dort hat er sich für Berlin als Vorreiter in Sachen Energiesparen eingesetzt. Acht Jahre war er Vorsitzender einer großen politischen Partei in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf. Außerdem ist Begründer des Deutsch-Polnischen Netzwerk der Wissenschaftler für nachhaltige Entwicklung. In seinem deutschen Netzwerk für nachhaltige Ökonomie forschen und lehren mittlerweile 120 Hochschullehrer, Dozenten und Wissenschaftler.

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