Ilmenau: Mehr Kontrollen auf Umschlagplätzen für Drogen gefordert

Ilmenau  Zahl der Mitarbeiter im Ordnungsamt soll um eine Stelle erhöht werden. Fokus sei nicht ausschließlich auf dem ruhenden Verkehr zu legen.

Der Spielplatz in der Ilmenauer Weihrach-Straße soll in den Abendstunden ein Umschlagplatz für Drogen sein.

Der Spielplatz in der Ilmenauer Weihrach-Straße soll in den Abendstunden ein Umschlagplatz für Drogen sein.

Foto: Arne Martius

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Das Ilmenauer Ordnungsamt will künftig Kontrollen an Brennpunkten in der Kernstadt und in den Ortsteilen verstärken. Das wurde am Rand einer Diskussion über einen Vorschlag im Bürgerhaushalt bekannt, die am Montag von Mitgliedern im Wirtschafts-, Umwelt- und Verkehrsausschuss geführt wurde. In dem Hinweis einer Bürgerin ging es zunächst vor allem um mehr Kontrollen auf Spielplätzen hinsichtlich des Rauchverbots und liegen gebliebenem Müll.

Recht schnell wurde in der Ausschusssitzung allerdings noch ein Thema angesprochen, das seit Jahren mehr oder weniger öffentlich thematisiert wird: der Drogenhandel, bei dem Beteiligte auch vor dem Verkauf von Substanzen an Kinder nicht zurückschrecken.

Vor allem zwei bekannte Umschlagstellen benannte Stadtratsmitglied Bernd Rocktäschel (Ilmenau direkt): den Spielplatz unterhalb der Weihrach-Straße im Wohngebiet „Am Stollen“ und das Umfeld des Ausflugsziels „Haus am See“ im Erholungsgebiet der Teiche. „Wenn wir da nicht einschreiten, wird das dramatisch“, schilderte er. Vor allem in den späten Abendstunden werde konsumiert und verkauft. „Das ist ein heikles Thema. Aber die Behörde der Stadt heißt Ordnungsamt – und nicht nur Amt zur Überwachung des ruhenden Verkehrs“, meinte Rocktäschel.

Damit spielte er auf den Einsatz der Außendienstmitarbeiter des Ilmenauer Ordnungsamts an, der sich hauptsächlich auf die Einhaltung von Park- und Halteregeln konzentriere. Stadtratsmitglied Christian Hansch (AfD) bestätigte, dass auch auf dem von Rocktäschel benannten Gebiet Handlungsbedarf bestehe. „Dass wir ein Drogenproblem haben, ist unbestritten. Diese Leute haben auch keine Skrupel, das Zeug an Zwölfjährige zu verkaufen“, sagte er.

Im Ordnungsamt der Stadt rennen die beiden Kommunalpolitiker damit nicht gegen verschlossene Türen. „Das ist wirklich ein wichtiges Thema. Das dürfen wir nicht aus der Sicht lassen“, sagte Abteilungsleiterin Maja Weigt.

Das Problem ist nur: Von vier Außendienstmitarbeitern verfügt bislang einer über weitergehende Qualifikationen in diesem Bereich. Eine Fortbildung für einen weiteren Kollegen ist angelaufen. Denn wie die Abteilungsleiterin sagte, ist die Bandbreite der nötigen Kontrollen in der Stadt und den Ortsteilen noch viel breiter: Geprüft werden müsste überdies, ob Hunde bei der Verwaltung angemeldet wurden oder die Leinenpflicht eingehalten wird.

Solche Punkte erledigen die Außendienstmitarbeiter zwar stichpunktartig bei ihren Gängen mit. Um die ganze Palette an Aufgaben abzudecken, müsste mindestens noch ein zusätzlicher Kollege das Team verstärken, lautete die Einschätzung von Maja Weigt auf Nachfrage von Christian Koch, der als berufener Bürger im Verkehrsausschuss sitzt. Aus Sicht von Bürgermeisterin Beate Misch (CDU) sei es grundsätzlich aber schwierig, die einzelnen Ämtern nach ihren Personalwünschen zu befragen. „Jeder Amtsleiter würde sagen, dass er zu wenige Mitarbeiter hat“, sagte sie. Es stehe aber auch fest, dass im Bereich der Ordnungsamts Nachholebedarf bestehe. Denn nicht zuletzt auch durch die Vielzahl an Eingemeindungen hat sich das Gebiet der Stadt Ilmenau verdreifacht – die Zahl der Einwohner stieg um 13.000 auf rund 39.000. Deswegen ist im Haushaltsentwurf für das Jahr 2020 eine weitere Stelle vorgesehen. Der oder die neue Bedienstete soll die Hälfte des Tages im Außendienst unterwegs sein, die andere Innendienst verrichten, beschrieb die Bürgermeisterin die Aufgaben. Denn „dass es erhöhten Bedarf gibt, ist bekannt“, fand sie. Letztlich obliege Einsatzsteuerung der Mitarbeiter aber auch dem Amt im Rathaus selbst.

Um verstärkt Kontrollen an den Umschlagplätzen von Drogen vornehmen zu können, gab es in diesem Sommer auch ein Gespräch mit der Polizei. Vereinbart wurde, dass jeweils ein Kollege aus dem Landesdienst mit einem Mitarbeiter auf Streife geht. Letztlich sei davon im Alltag noch nichts zu sehen, weil es der Polizei eben auch an Personal mangele, wurde bei der Diskussion am Montag bekannt.

Bislang tauchen die Themen Drogen und Beschaffungskriminalität nur dann regelmäßig öffentlich auf, wenn sie vor der Zweigstelle Ilmenau des Amtsgerichts Arnstadt verhandelt werden. Vor allem die synthetische Droge Crystal Meth ist auf dem Vormarsch. Beate Misch schlug vor, dazu den Leiter der Polizeiinspektion in den Stadtrat einzuladen.

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