Ilmenau will beim Rodelsportmuseum Tempo machen

Beim Vorhaben eines Neubaus steht Ilmenau in Konkurrenz zu Oberhof. Die Thüringer Aufbaubank stellt Fördermittel für Millionenvorhaben in Aussicht.

Aus dem Ilmenauer Schlittenmuseum soll eine Ausstellungswelt mit interaktiven Elementen werden.

Aus dem Ilmenauer Schlittenmuseum soll eine Ausstellungswelt mit interaktiven Elementen werden.

Foto: André Heß

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Ilmenau. Im Fall des Neubaus eines Schlitten- und Bobsportmuseums in Ilmenau will die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Initiatoren und dem Ilm-Kreis jetzt Nägel mit Köpfen machen. Wie Bürgermeisterin Beate Misch (CDU) am Donnerstag im Ausschuss für Kultur und Sport erklärte, stehe man bei dem Vorhaben in direkter Konkurrenz mit Oberhof. In der kleinen Wintersportstadt nebenan wurden erst jüngst Pläne verkündet, ein ähnliches Projekt zu verfolgen.

„Wenn man das mal von außen betrachtet, ist das nicht ganz abwegig“, sagte Misch zu den Ambitionen der Thüringer Wintersportstadt im benachbarten Landkreis.

Schlittenscheune liefert einen Grundstock

Doch es spricht eben auch viel für Ilmenau: Zum einen verfolgen die beiden Vorstandsvorsitzenden des Traditionsvereins Schlitten und Bob, Norbert Wagner und Roland Hollaschke, mit ihren Mitstreitern schon seit Jahren das Ziel, eine Ausstellungswelt für den Kufensport zu etablieren, die unter modernen musealen Aspekten etliche interaktive Elemente bekommen soll. Zum anderen existiert mit der Schlittenscheune bereits ein in Eigeninitiative aus der Taufe gehobenes Museum, dessen vorhandener Fundusumfang das kleine Gebäude in der Langewiesener Straße sprengen würde.

Ein Baugrundstück wäre zur Hand

Auch ein Grundstück für den Neubau ist gefunden und über eine Geldsammelaktion, ein sogenanntes Crowdfunding, sicherten sich die Initiatoren eine Anschubfinanzierung von rund 50.000 Euro. Die Erfolge der Ilmenauer Rodelsportlerin Dajana Eitberger haben das Unterfangen noch befeuert. Ohnehin sind Heimatgeschichtsforscher überzeugt, dass die Wiege des deutschen Wintersports in Ilmenau steht, wo die Anfänge bis 1900 zurückreichen.

Doch das ist eher ein gefühltes Argument. Bei der Thüringer Aufbaubank, bei der Vertreter der Stadt, des Vereins und des Landkreises vorstellig waren, geht es um Fakten. Dabei sei durchaus anerkannt worden, dass das Konzept aus Ilmenau weit gediehen ist, brachte Beate Misch aus dem Gespräch mit. Mit einem Verein wolle das Land aber keine Geschäftsbeziehung eingehen, fügte die Bürgermeisterin hinzu – und das ist der Punkt, an dem es kommunalpolitisch wird.

Stadtrat: Oberhof hatte seine Chance

Ein Zweckverband müsste gegründet werden, dessen Träger Stadt und Ilm-Kreis sind. Voraussetzung dafür ist die Zustimmung der Parlamente. Der Verein indes hat als Aufgabe mitgenommen, beim Konzept mehr ins Detail zu gehen. Überzeugen die Antragsteller aus Ilmenau die Entscheider aus der Landeshauptstadt, könnte das zwischen fünf und sechs Millionen Euro kostende Vorhaben mit bis zu 90 Prozent gefördert werden.

Weil die Initiatoren das ehrgeizige Ziel haben, das Museum im Jahr 2023 zu eröffnen, ist erhöhte Betriebstemperatur angesagt. Denn dann findet die Weltmeisterschaft im Rodeln in Deutschland statt. Der Austragungsort: Oberhof. „Wir müssen jetzt loslegen, sonst schaffen wir das nicht“, warb Beate Misch.

Den Wunsch auf dem Thüringer Kamm kann Stadtratsmitglied Bernd Frankenberger (Freie Wähler) zwar verstehen. Nicht aber den Umstand, dass in Oberhof früher bereits ein „wunderschönes Schlittenmuseum“ vorhanden war, dessen Exponate im Lauf der Jahre „in alle Welt verschleudert“ worden seien.

Bürgermeisterin Misch empfahl, den Wettbewerb sportlich zu nehmen: „Wir haben eine realistische Chance, etwas Großartiges für unsere Stadt zu erreichen“, meinte sie.

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