Ilmenauer Unternehmer Metralabs entwickelt neuen Desinfektionsroborer

Das Ilmenauer Unternehmen Metralabs Neue Technologien und Systeme hat die Zeit der Coronakrise genutzt, um einen neuen Desinfektionsroboter zu entwickeln.

Der Sterybot kann sich autark durch Räume bewegen und dabei desinfizieren. Anwendungsbereiche sind Krankenhäuser, Apotheken oder auch Hotels.

Der Sterybot kann sich autark durch Räume bewegen und dabei desinfizieren. Anwendungsbereiche sind Krankenhäuser, Apotheken oder auch Hotels.

Foto: Michael Reichel (ari)

Ilmenau. Das Ilmenauer Unternehmen Metralabs Neue Technologien und Systeme hat die Zeit der Coronakrise genutzt, um einen neuen Desinfektionsroboter zu entwickeln. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet Geschäftsführer Andreas Bley über die Zukunft der elektronischen Helfer.

Bei einem Besuch hat Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee Ihrem Unternehmen eine große Zukunft prognostiziert. Wie laufen derzeit die Geschäfte?

Robotik ist nach wie vor ein stark gefragtes Feld mit viel Potential, doch auch wir spüren die Folgen der weltweiten Coronakrise. Zum Beispiel haben sich in den letzten Wochen bei uns ein paar Projekte auf die zweite Jahreshälfte verschoben. Glücklicherweise haben wir bereits im vergangenen Jahr verstärkt Pilotprojekte durchgeführt, bei denen unsere Roboter in Märkten die Anzahl von Artikeln in Regalen registriert und verarbeitet haben. Viele Händler insbesondere aus dem Ausland haben ihr Interesse angemeldet und es zeichnet sich ab, dass unsere Anwendungen einen hohen Wert für Unternehmen haben. Das macht uns Hoffnung, auch angesichts dessen, dass wieder Lockerungen auch im Ausland in Aussicht sind. Wir haben natürlich auch überlegt, wie wir positiv gestärkt aus der Coronakrise hervorgehen können und in welchem Bereich unsere Roboter noch zum Einsatz kommen können, damit betroffene Menschen in der momentanen Situation unterstützt werden können.

Haben Sie denn schon konkrete Ideen?

Ja. Wir haben sogar innerhalb von 4 Wochen einen Prototyp entwickelt: unseren Sterybot. Er ist ein Desinfektionsroboter zur Desinfektion von Flächen und kann vor allem im medizinischen Bereich angewendet werden, zum Beispiel in Krankenhäusern und Arztpraxen. Aber auch Hotels, Apotheken, Schulen und Kitas wären mögliche Anwendungsbereiche.

Wie funktioniert dieser Roboter?

Mit der eingebauten UV-C-Technologie werden Viren und Bakterien zu 99,99 Prozent abgetötet. Dies ist ein erprobtes Verfahren und wird bereits in einigen Fällen bei Desinfektionsrobotern von anderen europäischen Unternehmen angewendet. Die Besonderheiten an unserem sind, dass er sehr wendig ist und Räume selbstständig erkundet. Damit wird das Infektionsrisiko für Menschen minimiert. Denn hier sahen wir den größten Innovationsbedarf im medizinischen Bereich.

Welche Anwendungsgebiete haben denn Ihre bisherigen Roboter?

Wir haben zwei Hauptprodukte. Da ist „Tory“, der für die Bestandsaufnahme im Einzelhandel in Frage kommt. Wird das das Gerät mit Kameras ausgestattet, nimmt es einen Soll-Ist-Vergleich vor und kann auf dieser Basis dem Händler übermitteln, welche Produkte nachgefüllt werden müssen. Seit Herbst vergangenen Jahres befindet sich eine solche Anwendung in einem französischen Hypermarkt. Darüber hinaus gibt es den Roboter „Cary“, der Transportaufgaben übernimmt. Der kann unter Boxen fahren, sie anheben und dann beliebig transportieren. Das ist beispielsweise interessant für Automobilzulieferer.

Warum scheinen Ihre Anwendungen auf mehr Interesse im Ausland statt im Inland zu stoßen?

Wir haben einen Partner aus Frankreich, das hatte sich einfach angeboten. Zudem gibt es dort auch größere Supermärkte. Und je größer der Store, desto effektiver ist der Roboter. Aber wir haben auch im Inland Erfolge zu verzeichnen. Bei der Modekette Adler Modemärkte haben wir 40 Filialen mit Tory-Robotern ausgestattet. Wir haben es geschafft in Serie zu gehen und erhielten dafür letztes Jahr auch den Innovationspreis Thüringen. Leider ist es aber derzeit im Textileinzelhandel schwieriger, da Projekte aufgrund der Coronakrise verschoben werden.

Was bedeutet das für Sie?

Wir haben zunächst Installationen pausieren müssen, weil wir nicht vor Ort sein konnten. Aber auch die Zeit genutzt und die Technologie so weiterentwickelt, so dass die Roboter auch ohne unsere Präsenz vor Ort in Betrieb gehen können.

Können Sie sich vorstellen, dass der Einsatz von Robotern nach den Erfahrungen der Coronakrise zunimmt?

Das kann ich mir vorstellen, aber vielleicht nicht nur durch Corona. Es gibt in Unternehmen immer größere Automatisierungszwänge, um Kosten zu senken und die Arbeitskraft von Mitarbeitern effizienter zu nutzen. Gerade bei Adler Modemärkte ging es darum, dass die Mitarbeiter mehr Zeit für den Kunden haben und logistische Arbeiten Roboter übernehmen.

Aber nehmen dann nicht die Roboter den Mitarbeitern die Arbeit weg?

Nein. Das ist vielmehr eine geschickte Arbeitsteilung: Es ging nicht darum, Mitarbeiter zu ersetzen, sondern die Vorteile des stationären Handels auszuspielen. Beratung ist weiterhin ein wichtiges Thema, das geht nicht zu automatisieren. Aber ich könnte mir vorstellen, dass man mit Robotern in solchen Zeiten wie gerade bestimmte Arbeitsgebiete unabhängiger erledigen kann. Ob es so eine Tendenz gibt, lässt sich aber erst im nächsten halben bis dreiviertel Jahr erkennen.

Was hat sie bewogen, die Firma ausgerechnet in Ilmenau zu gründen?

Meine Mitgründer und ich haben Metralabs während unseres Studiums gegründet. Die Region gefällt uns und durch die Uni haben wir sehr gute Möglichkeiten an kompetentes und junges Personal zu kommen. Mittlerweile sind in unserem Unternehmen über 30 Mitarbeiter tätig und wir suchen auch aktuell qualifizierte Mitarbeiter. Auch wenn wir in der Region keine unmittelbaren Kunden außer der Technischen Universität haben, hat die Technologieregion Thüringen und das Umfeld der TU einen Standortvorteil. Damit meine ich nicht nur die zentrale Lage in Deutschland beziehungsweise Europa, sondern hier in der Region existieren bereits einige große Unternehmen, die sich neuen Technologien widmen. Vielleicht bildet sich da einmal ein Cluster heraus..

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