Fieberthermometer aus dem Ilm-Kreis weltweit gefragt

Ilm-Kreis.  Beim Fieberthermometer-Hersteller in Geschwenda arbeitet man fieberhaft, um die weltweiten Bedarfe decken zu können.

Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt erkundigte sich im Juni nach der Fieberthermometer-Herstellung in Geschwenda.

Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt erkundigte sich im Juni nach der Fieberthermometer-Herstellung in Geschwenda.

Foto: André Heß

In diesen nicht einfachen Zeiten kommt auch die Wirtschaft mächtig ins Schlingern. Nicht so die Geratherm Medical AG in Geschwenda, die hauptsächlich analoge Fieberthermometer mit dem vor Jahren selbst entwickelten Quecksilber-Ersatzstoff Galinstan herstellt, einer Verbindung aus Gallium, Indium und Zinn. Sie ist der einzige Produzent von analogen Fieberthermometern in Europa. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog.

Von diesem Thermometern fertigte man bisher vier Millionen Stück im Jahr. Nicht so in diesem Jahr, man sei dabei, die Kapazitäten um 20 bis 30 Prozent auszubauen, statt durchschnittlich 16.000 Thermometern würden jetzt 20.000 zu Buche stehen, sagte Werkleiter Denny Holland-Moritz unserer Zeitung. Als Krisengewinnler will er sich aber nicht sehen. „Wir leisten einen Beitrag, damit die Gesundheitsversorgung aufrecht erhalten wird.“

Die starke Nachfrage nach dem Produkt hat seine Ursache in China zum Ausbruch von Corona. Dort hatte man die weltweite Produktion von Fieberthermometern wegen Quarantäne und Produktionsstopp einstellen müssen. Dann zeigte Italien, sowieso schon Großkunde von Geratherm, erhöhten Bedarf und zum Schluss gingen in ganz Europa die Bestände zur Neige. Deutschland sei bisher nicht der Hauptmarkt für die Geschwendaer gewesen, das ändere sich aber gerade durch die Listung bei Drogeriemärkten und Apotheken. 100 Beschäftigte hat das Unternehmen, aufgrund der großen Nachfrage wurde die Produktion von zwei auf drei Schichten ausgebaut, auch am Samstag, zudem will man jetzt 20 neue Mitarbeiter einstellen. Es würden alle aus der Belegschaft super mitziehen, Hygiene-Verhaltensregeln zum Schutz vor Ansteckung beachten, bis Juli sei man mit den Kapazitäten völlig ausgelastet. Landrätin Petra Enders (Linke) habe dabei unterstützt, dass das Unternehmen zur Absicherung der Produktion von benötigten Medizinprodukten den Sonderstatus „Kritische Infrastruktur“ erhalten hat, damit erhalten derzeit betreuungspflichtige Kinder von zehn Mitarbeitern eine Notbetreuung in Schulen oder Kindergärten.

Ein derzeit zweites boomendes Standbein von Geratherm wird von der Tochterfirma Geratherm Respiratory in Bad Kissingen produziert. Es handelt sich um hochentwickelte medizinische Geräte, mit denen Ärzte in Praxen und Kliniken hauptsächlich die Funktion der Lunge und, bis zu einem gewissen Grad auch des Herzens, diagnostizieren. Bei dem selbst entwickelten Lungenmessgerät muss das Mundstück nach der Verwendung nicht, wie bei anderen Geräten gereinigt und desinfiziert werden, sondern kann nach einmaliger Benutzung entsorgt werden. Wie die Main-Post im Oktober berichtete, sei die Firma in der Schweiz und einigen osteuropäischen Ländern mit ihren Produkten marktführend. 2018 habe Geratherm Respiratory, laut Geschäftsbericht, die Länderzulassungen für die Ukraine, Australien und Thailand bekommen. Beide Produkte der Gesundheitsbranche, Fieberthermometer und Lungenfunktionsmessgeräte führen dazu, dass bei dem börsennotierten, international ausgerichteten Medizintechnikunternehmen die Aktien zuletzt um 35 Prozent zulegten konnten. Die starke Nachfrage nach Geratherm-Produkten und die verbundene Kapazitätsauslastung dürfte dem Unternehmen dieses Jahr einen satten Umsatzzuwachs bescheren, bestätigte Werkleiter Denny Holland-Moritz.