In Ilmenau steht die einzige resistente Bergulme Europas

Ilmenau (Ilmkreis). Nach der Entdeckung von Wissenschaftler Lothar Wessolly wird 300 Jahre alter Baum am Grenzhammer nachgezogen.

Die Bergulme am Grenzhammer wurde bereits mit Stahlseilen gesichert. Sie ist mittlerweile rund 300 Jahre alt und soll zu den ältesten Ulmen in Deutschland gehören. Foto: Ralf Ehrlich

Die Bergulme am Grenzhammer wurde bereits mit Stahlseilen gesichert. Sie ist mittlerweile rund 300 Jahre alt und soll zu den ältesten Ulmen in Deutschland gehören. Foto: Ralf Ehrlich

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Die über 300 Jahre alte Bergulme am Ilmenauer "Grenzhammer" könnte künftig Ableger in alle Herren Länder entsenden. Denn eine Baumschule hat inzwischen erfolgreich Klone von dem 35 Meter hohen Exemplar gezogen.

Das Besondere an dem Ilmenauer Baum: Nach wissenschaftlichen Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass die Bergulme offenbar die einzige ihrer Art in ganz Europa ist, dem der Splintkäfer nichts anhaben kann. Wie Dr. Lothar Wessolly als Entdecker des wertvollen Baums in Ilmenau gestern gegenüber unserer Zeitung erklärte, handelt es sich damit bei dem 35 Meter hohen Exemplar um "die Mutter aller resistenten Bergulmen in Europa".

Splintkäfer aus Amerika eingeschleppt

Andere Bäume hat der Splintkäfer längst dahingerafft. Der mutmaßlich mit Militärkisten nach dem Zweiten Weltkrieg aus Amerika eingeschleppte Schädling trägt über seine Füße Pilzsporen bevorzugt in Bergulmen ein. "Der Baum reagiert hysterisch und macht seine Leitbahnen zu. Damit zerstört er sich selbst", beschreibt Lothar Wessolly den Krankheitsverlauf.

Nicht so die Ilmenauer Ulme: Sie hat es in 300 Jahren geschafft, der älteste, dickste und größte Baum seiner Gattung in ganz Europa zu werden. Wessolly, Wissenschaftler aus Stuttgart, hatte bereits bei seiner ersten Begutachtung in Ilmenau das Gefühl, dass es sich bei dem Baum um eine Rarität handelt. Nun bestätigte ihn die Baumschule Bruns: Die Ilmenauer Bergulme ist gegen den Splintkäfer resistent. Die Experten setzten Zweige des Baumes auf das Wurzelwerk einer anderen Bergulme. Die Ableger wuchsen an und inzwischen kann die Baumschule Erfolg vermelden: Die ersten ebenfalls resistenten Bergulmen sind nach drei Jahren als Klone vorhanden und sollen demnächst noch einen eigenen Namen erhalten.

Vor dem Einfall des Splintkäfers waren die Bergulmen typischer Bestandteil der Auenwälder in Mitteleuropa. Auch die Stadt Ilmenau hat dem Baum ihren Namen zu verdanken: Ulmen in der Aue, interpretieren Sprachforscher die Herkunft.

Doch obwohl die Bergulme durch ihren imposanten Wuchs als gestalterisches Element geschätzt wurde, verzichteten Stadtplaner wegen der Furcht vor dem Splintkäfer zunehmend auf ein Anpflanzen des Baumes. Das kann sich nun mit der Nachzucht ändern.

Doch trotz aller Vitalität - ohne technische Hilfe kommt auch das Exemplar am Ilmenauer "Grenzhammer" nicht aus. Dr. Wessolly, der einst das Fachgebiet Baumstatik etablierte, machte sich für eine Sicherung stark. Mit Hilfe einer komplizierten Formel kann er die Zugkräfte und Hebelwirkungen im Wurzelwerk, am Baumstamm und in der Krone errechnen.

Bei der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts fand das Werben um den Erhalt des Naturdenkmals Gehör: Seitdem wird die Bergulme von mächtigen Spannseilen im Lot gehalten. Auf diese Weise kann der Baum durchaus 1000 Jahre alt werden, schätzt der Wissenschaftler ein.

Wie es auch anders gehen kann, macht Wessolly am negativen Beispiel der "Bavaria-Buche" im bayerischen Landkreis Eichstätt deutlich: Der einst mächtigsten Buche der Welt blieb die Sicherung verwehrt. In einem Alter von mindestens 500 Jahren spaltete 2006 ein Sturm den Baum und besiegelte das Ende des Wahrzeichens.

Das soll dem Namensgeber von Ilmenau nicht passieren. Im Gegensatz zu den bayerischen Behörden wurde hier der Rat des Wissenschaftlers befolgt. "Die Ilmenauer können wirklich stolz auf diesen Baum sein", findet Lothar Wessolly.

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