In sechs Tagen mit dem Fahrrad von Schottland nach Thüringen

Auf dem Marktplatz von Ilmenau herrscht buntes Treiben. "Es ist doch immer wieder schön hier", stellt Markus Stitz fest. Das sagt jemand, der gerade 1400 Kilometer in den Beinen hat, auf der Route von Edinburgh nach Ilmenau mit dem Fahrrad das schottische Hochland durchquerte, sich mit platten Reifen bei Hamburg herumschlug und schon am Wochenende weiter nach Friedrichroda zu einem Familientreffen seiner Eltern aus dem Eichsfeld fuhr.

Extremradler Markus Stitz brauchte nur sechs Tage von Edinburgh bis Ilmenau. Eine Ruhepause an der Seite des Dichterfürsten Goethe auf dem Ilmenauer Marktplatz hatte er sich also redlich verdient. Foto: Arne Martius

Extremradler Markus Stitz brauchte nur sechs Tage von Edinburgh bis Ilmenau. Eine Ruhepause an der Seite des Dichterfürsten Goethe auf dem Ilmenauer Marktplatz hatte er sich also redlich verdient. Foto: Arne Martius

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Ilmenau. Doch vorerst genießt Markus Stitz auf dem Marktplatz der Stadt seiner Studienzeit einen Kaffee und erzählt von einer abenteuerlichen Reise in nur sechs Tagen. Am Samstag startete er die Tour im schottischen Edinburgh, wo der Absolvent der Technischen Universität ganz in der Nähe Arbeit als Marketingmanager gefunden hat. "Bis zu meinem Job in Sterling sind es 65 Kilometer, das war ein gutes Training für das Vorhaben", findet Stitz.

Durch das schottische Hochland kämpft er sich im Eiltempo, um die Fähre in Newcastle zu erreichen, die ihn nach Amsterdam bringt. Über das IJsselmeer tritt er gegen starken Wind an, um in Hamburg gleich von einer Serie an Pannen überrascht zu werden. Mehrfach muss sich Markus Stitz mit platten Reifen herumschlagen – die dünnen Rennräder sind nicht gemacht für Scherben und Steine auf den Radwegen. Als ihm auch noch die Schlauchreserven ausgehen, muss er das Rad auf der Schulter zum nächsten Händler tragen - barfuß, weil die Schuhe für Klickpedale nun mal nicht zum Wandern konstruiert wurden. Erst am Nachmittag kann er die Fahrt fortsetzen - was schwierig ist, bei einem Pensum von durchschnittlich 230 Kilometern pro Tag. Der Zeitplan kommt durcheinander und er rollt an seinen Schlafplätzen nicht selten erst kurz vor Mitternacht ein.

Von Berlin aus führt den Medienwissenschaftler die Havel in Richtung Fläming, dann geht es weiter über Dessau nach Leipzig. Stitz legt seine Route so, dass er möglichst viele Freunde in Deutschland wiedersieht. "Das Gespräch am Abend tut gut, wenn man jeden Tag rund zehn Stunden allein auf dem Rad sitzt", sagt der Marathon-Mann.

Sein letzter Reisetag führt ihn über Merseburg nach Freyburg an der Unstrut und über Erfurt nach Ilmenau. Vom schottischen Hochland abgesehen, war das für ihn der schönste Abschnitt der Extremtour. "Durch acht Bundesländer bin ich gefahren, doch in Thüringen liegt aus meiner Sicht das meiste touristische Potenzial. Abwechslungsreiche Landschaft und überall freundliche Leute - es macht einfach Spaß."

Nicht immer hat Markus Stitz so lange und gern im Sattel gesessen, wie in den vergangenen Tagen. Erst die Bekanntschaft mit einem Engländer in Neuseeland hat die Leidenschaft entfacht: Mit ihm fährt Markus Stitz zwei Monate samt Campingausrüstung durch das Land. Seitdem sagt er: "Radfahren ist für mich die beste Form des Reisens, genau mit der richtigen Geschwindigkeit."

Wer so denkt, der schreckt auch irgendwann einmal nicht vor immer größeren Herausforderungen zurück. Pünktlich zum Weihnachtsfest im vergangenen Jahr rollte Markus Stitz schon einmal mit dem Fahrrad bei den Eltern in der Nähe von Heiligenstadt vor. Dabei rang er nicht nur mit den Schneetürmen auf den Straßen – sondern gönnte sich nicht einmal eine Schalthilfe an seinem Ein-Gang-Gefährt.

Was soll da noch kommen? Markus Stitz ist sich nicht ganz sicher. Aber von Edinburgh nach Neuseeland mit dem Fahrrad zu fahren, das wäre schon ein Projekt, sinniert er. Ein Jahr bräuchte der 31-Jährige dafür - und eigentlich gibt es keinen Grund, es nicht zu tun. "Wann, wenn nicht jetzt?", fragt sich der TU-Absolvent selbst und verabschiedet sich. In Friedrichroda wartet die Familie. Er wird sie mit dem Fahrrad besuchen, 100 Kilometer, nichts Besonderes.

Zum Kaffee will er da sein.