Infiziert mit dem Böhlener Kulturvirus

Böhlen (Ilmkreis). Der Schotte Joe Allen leitet einen Malkurs im Rahmen der Sommerakademie. Auch "Freiarbeiterinnen" nutzen die Räumlichkeiten in Böhlen.

 In Vollmondnächten hat Sabine Kluckert sehr besondere Böhlenbilder gemalt. Königspudel "Emil" als ihr treuer Begleiter kennt seit Jahren die Thüringische Sommerakademie. Foto: Karl-Heinz Veit

In Vollmondnächten hat Sabine Kluckert sehr besondere Böhlenbilder gemalt. Königspudel "Emil" als ihr treuer Begleiter kennt seit Jahren die Thüringische Sommerakademie. Foto: Karl-Heinz Veit

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"Weil wir vom Böhlener Kulturvirus infiziert sind, kommen wir immer wieder gerne hierher zurück, um in Ruhe am Stein zu arbeiten", sagt Sabine Viehrig und legt den schon platt geklopften 750 Gramm- Fäustel und das Stemmeisen aus der Hand. Der aus festem Sandstein herausgeschlagene "Kopf" ist fertig. Die unscharfen Konturen und angedeuteten, groben Formen überlassen es dem Betrachter, das Bildhauerwerk gedanklich zu komplettieren.

Einen ganz anderen Charakter haben die Specksteinarbeiten von Ina Schwerdt. Die herausgearbeiteten abstrakten Formen der handlichen Steine sind fein geschliffen und poliert und verlangen geradezu danach, berührt und im wahrsten Sinne "begriffen" zu werden. Die beiden "Freiarbeiterinnen" - sie genießen in der Sommerakademie einen freien Arbeitsaufenthalt mit rundum Versorgung, aber ohne künstlerische Betreuung - verweisen auf den Malkurs mit dem schottischen Künstler Joe Allen, der im großen Malsaal mit einer gemischten Gruppe tätig ist. "Unsere Wege kreuzen sich mehrfach am Tage, und jedes Mal gibt es für beide Seiten einen Inspirationsimpuls", freut sich Sabine Viehrig.

"Am ersten Tag habe ich meine Kursanten ohne Material und Werkzeug hinaus in die herrliche Natur geführt, um sie mit einem anderen, dem künstlerischen Sehen vertraut zu machen", erzählt der aus Schottland kommende Maler Joe Allen. Einen Baum so zu betrachten, dass man zuerst die Räume und Flächen zwischen dem Geäst und den Blättern sieht, sei ungewohnt, aber interessant.

Bilder, inspiriert vom Böhlener Schiefer

Joe Allen hält mit seiner Begeisterung für Böhlen, für die Akademie und die Kursteilnehmer nicht hinterm Berg. Er sei überglücklich, als Ersatzmann für einen Kollegen eingeladen worden zu sein. "Ich lasse meinen Kursteilnehmern bei der Wahl ihrer Motive und beim Arbeiten freie Hand, aber stehe ihnen jederzeit als Ratgeber und ermutigender Begleiter zur Seite", sagt Joe Allen. Genau diese Art von Zusammenarbeit und künstlerischer Begleitung schätzen die Kursteilnehmer sehr.

Sabine Kluckert weilt das neunte Mal in Böhlen. Auch diesmal hat sie ihren Königspudel "Emil" als tierischen Kursteilnehmer wieder mitgebracht. Er begleitete die Berlinerin auf nächtlicher Maltour, als sie zweimal im Mondscheinlicht "Böhlen bei Nacht" malte.

Angelika Heinze aus Olbersdorf im Zittauer Gebirge hat in akribisch Farbschicht um Farbschicht auf die Leinwand gebracht und auf diese Weise leise Farbflächen-Bilder geschaffen: "Ich mag Tiefgründiges in der Bildaussage, was unterschiedlichste Deutungen und bei jedem Betrachten auch neue Entdeckungen zulässt. Deshalb arbeite ich ungegenständlich und lasse mich gern von Farbe, Form und Strukturen der Steine einer Region - hier in Böhlen ist es der Schiefer - inspirieren."

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