Junge Autoren brachten ihre Gedichte und Kurzprosa zu Gehör

Böhlen (Ilmkreis). Am Freitagabend wurden die Ergebnisse der einwöchigen Schreibwerkstatt der Sommerakademie in Böhlen vorgestellt.

Zum Abschluss der Schreibwerkstatt in Böhlen trugen die Autoren ihre Gedichte oder Kurzprosa vor. Angela las barfüßig, passend zu ihrem "Im Tau". Foto: Karl-Heinz Veit

Zum Abschluss der Schreibwerkstatt in Böhlen trugen die Autoren ihre Gedichte oder Kurzprosa vor. Angela las barfüßig, passend zu ihrem "Im Tau". Foto: Karl-Heinz Veit

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Matthias Göritz - er leitet seit Jahren als freischaffender Schriftsteller die Schreibwerkstatt in der Thüringischen Sommerakademie in Böhlen - war die Freude anzumerken, als er am Freitagabend nach einer Woche intensiven Arbeitens mit den Kursteilnehmern deren Werke den Zuhörern ansagen durfte. In Form eines Mini-Exposes kündigte er unter den Vornamen der jungen Autoren an, was diese dann, am Lesetisch sitzend, zu Gehör brachten.

Es mag anstrengend und freudvoll mutig gewesen sein, in stiller Abgeschiedenheit nur mit sich beschäftigt, ein Thema zu finden, dies als Gedicht, Kurzprosa oder Teil eines entstehenden Romans niederzuschreiben. Mehr Mut bedurfte es, das selbst Ausgedachte und Geschriebene öffentlich vorzutragen und mit dem "Werk" vor etwa 40 Augen- und Ohrenzeugen zu bestehen.

Thomas, Leila, Andrea, Natascha, Tobias, Jana, Ilse, Karsten, Judith, Miriam, Coco und Angela - so heißen die Autoren - haben diese spezielle Mutprobe allesamt lampenfiebrig und mit Bravour bestanden. Ein Grund des Erfolges war: Jeder Autor hatte etwas zu erzählen! Das machte das Zuhören spannend und lohnte das knapp zweistündige, kurzweilige Dabeisein.

Natascha bot Lyrik. Einen Gedichtband "Variationen gegen die Liebe" hat sie bereits veröffentlicht. Von ihren gelesenen Gedichten, so auch "Die Ballade vom defekten Kuss", bleiben aus anderen Gedichten Zeilen, wie: "Nur bei Toten werden alle Fehler auf Null gestellt", oder "Jeder Mensch sollte ein Tabu haben. Wir sind nur das, was wir fanden", in Erinnerung.

Ilse, in Lettland geboren und von Kindheit an in Deutschland zu Hause, beeindruckte mit einem Auszug aus einem größeren Werk und ihrer Sicht auf Herkunft und Heimat, die ihr Prägungen fürs Leben gaben.

Hätte nicht Jana die Dialoge "Das Essen", "Die Wahrheit" und "Das Kind" verfasst, dann hätte man diese durchaus Loriot zuordnen können. Verblüffende scheinbare Logik entfaltet sich im Wortwitz und lässt Kopfbilder entstehen, wie man sie von Loriots Sketchen kennt.

Judith, eine Schülerin aus Ilmenau, war Stipendiatin des Kurses. Diese Auszeichnung hatte sich die talentierte Schreiberin redlich verdient. Auf gut zwei Seiten erzählt sie die Lebensgeschichte von Charlie, mit der sie seit Kindergartentagen in gegenseitiger Zuneigung und wachsender Liebe verbunden ist. Geheimnisvolle, tragische Geschehnisse, die sich dem Zuhörer aus Andeutungen erschließen, enden unausweichlich, als "die Nachricht" eintrifft und traurige Gewissheit gibt.

"Einige Teilnehmer sind soweit, dass sie bald ein Buch vorlegen können", sagte Matthias Göritz zu Beginn der Lesung. Mehr Lob für die Autoren konnte es nebst großen Beifall für jeden Einzelnen nicht geben.

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