Lebens- und Leidensgeschichte einer jüdischen Malerin

Ilmenau.  Charlotte Salomon wurde mit 26 Jahren nach Auschwitz deportiert und unmittelbar nach ihrer Ankunft in dieser Nazi- Todesfabrik ermordet.

Therese Hämer beim Lesen.

Therese Hämer beim Lesen.

Foto: Karl-Heinz Veit

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Am Donnerstagabend wartete der Ilmenauer Jazzclub mit einem Event der besonderen Art im ehemaligen Audimax im Helmholtzbau auf. Zwei Kunstrichtungen - Musik & Literatur, als Lesung und Jazzkonzert - brachten die Autorin und Schauspielerin Therese Hämer und das „Julie Sassoon Quartett“ auf beeindruckende Weise zusammen. Im Nacheinander gestaltet, gab es die Lesung und nach kurzer Pause das Jazzkonzert. Den künstlerischen Inhalt für die Lesung wie für die Musik lieferte die kurze und tragische Lebens- und Leidensgeschichte der jüdischen Malerin Charlotte Salomon.

Sie wurde mit 26 Jahren nach Auschwitz deportiert und unmittelbar nach ihrer Ankunft in dieser Nazi- Todesfabrik ermordet. Vor ihrer Deportation 1942, sie lebte im Vichy-Frankreich im Exil, übergab die junge Malerin einem Freund ein geschnürtes Paket, das mehrere hundert Bilder (Gouachen) enthielt mit den Worten: „Sorg‘ gut dafür: Es ist mein ganzes Leben.“ Therese Hämer schrieb das „ganze Leben von Charlotte Salomon“, das Stoff für eine Romantrilogie bieten könnte, so gekonnt und emotional anrührend auf, dass es für das gute halbe hundert Zuhörer seine Wirkung wie ein Drehbuch fürs eigene Kopf-Kino entfalten konnte. In klarer, schnörkelloser, aufs Wesentliche zielende Sprache wurden die Zuhörer mit hineingenommen in das Leben der jüdischen Familie Salomon, das die Autorin in der Zeitspanne von 1900 bis zum 10. Oktober 1943, dem Todestag von Charlotte, verfolgt. Hineingeboren in die betuchte Familie des jüdischen Arztes und Professors Salomon und seiner Gattin Franziska - sie gab ihren Beruf als gefeierte Altistin nach der Heirat auf - verlor die Tochter als 11-jähriges Mädchen die Mutter, durch geheim gehaltenen Suizid.

In ihrer Kinderzeit lernte Charlotte Einstein die Kollwitz, Schweitzer, Hindemith und andere bedeutende Persönlichkeiten der Zeitgeschichte kennen, weil diese im Hause Salomon oft zu Gast waren. Der deutsche Faschismus mit der Nazi-Diktatur drängte die jüdische Großfamilie unaufhaltsam ins Verderben und in den Tod. Mit bilderreicher Sprache und schauspielerischer Darstellungskunst gestaltet Therese Hämer fürs tief beeindruckte Publikum einen gedanklichen „Hör-Film“. Als das Quartett seinen musikalischen Part bot mit den Musikern Julie Sassoon, Piano und Bandleaderin; Lothar Ohlmeier, Saxophon; Meinhard Kneer, Kontrabass und Rudi Fischlehner, Drums, war das ein musikalisch-emotionales Nacherzählen der Geschichte von Charlotte Salomon, wie auch der Lebensgeschichte der jüdischen Vorfahren von Julie Sassoon. Diese teilten mit der Malerin das gleiche Schicksal der Ermordung in Auschwitz.„Mit unserem Projekt ,Es ist mein ganzes Leben- die Malerin Charlotte Salomon‘ möchten wir mahnen, die grausame Geschichte in Erinnerung rufen und für ein Deutschland eintreten, das Mitmenschen aller Ethnien, Überzeugungen und Religionen Heimat bieten soll“, sagt Julie Sassoon. Auf dem Podium des Ilmenauer Jazzclubs ist dieser hohe Anspruch erfüllt worden und als ein „politisch-historisches Erinnern mit allen Sinnen“ bestens gelungen.

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