Malkurs schließt mit einer Ausstellung

Böhlen (Ilmkreis). Bunte Hirsche und Farbtankstellen auf Leinwand. Mit Andreas Kramer fand jeder seinen Weg zu einer Bild-Idee.

Das öffentliche Vorstellen ihrer Arbeiten durch den in Venedig arbeitenden Künstler Andreas Kramer erwarteten Kursteilnehmer und Vernissagegäste mit Spannung. Foto: Karl-Heinz Veit

Das öffentliche Vorstellen ihrer Arbeiten durch den in Venedig arbeitenden Künstler Andreas Kramer erwarteten Kursteilnehmer und Vernissagegäste mit Spannung. Foto: Karl-Heinz Veit

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Auf den Samstagabend warteten die 14 Teilnehmer des Mal- und Kunstkurses von An-dreas Kramer mit der gleichen Spannung, wie die recht zahlreichen Gäste der Vernissage/Finissage. Spannend ist der Kursabschluss nach einer Woche mit der Ausstellung vor allem deshalb, weil Andreas Kramer das Werkschaffen jeder einzelnen Kursteilnehmerin und jedes Kursteilnehmers namentlich vorstellt und würdigt.

Gezeigt wurden teils fertige oder auch nur angelegte Bilder, Studienblätter und Experimentalarbeiten als Zeichnungen und in verschiedenen Maltechniken. Bei Kramers Vorstellungen ging es ihm nicht vordergründig um ein pauschales Lob für kreatives, fleißiges und ergebnisorientiertes Arbeiten, sondern mehr um das Aufzeigen von Entwicklungsfortschritten, die jeder - gemessen an der Themenvorgabe - erreichen konnte.

Andreas Kramer, der bis zu seinem Kunststudium an der "Burg" in Halle gleich neben Böhlen in Meuselbach zu Hause war, dann Anfang der Neunziger einen Stipendienaufenthalt in Italien bekam und seitdem in Venedig lebt und arbeitet, ging in diesem Kurs mit den Teilnehmern der Frage nach: "Was ist heute zeitgenössische Kunst?"

Um sich besser an die wahrlich nicht einfachen, weil sehr komplexen Antworten auf diese Frage heran arbeiten zu können, gab er dem Kurs den Arbeitstitel "Der Hirsch, das blaue Quadrat und die Farbtankstelle". Allein die drei Begriffe lassen Assoziationen zu einstigen zeitgenössischen Arbeiten aufkommen.

Der Hirsch", naturgetreu in waldreicher Landschaft in Öl gemalt, war Ende des 19. Jahrhunderts ein viel gemaltes Sujet für "das Bild" in der guten Stube. Malewitsch malte das berühmte "schwarze Quadrat" als Erkennungsbild der Moderne. Und die "Tankstelle" ist bekanntes Motiv der Popart-Kultur. Wenn-gleich Yvonne Wetzig ihre beiden "Böhlener Hirsche" in Öl anlegte - die Kurszeit war zu kurz, um die Bilder fertig zu malen - und Silke Herold das Blau in ihren kraftvollen Bildern bevorzugte, ging es nicht um das "Nachmachen dessen, was schon in der Welt ist".

Andreas Kramer führte die Kursteilnehmer so, dass sie mit offen Augen und geschulter Beobachtungsgabe durch den Ort gingen. Sie schauten in die Winkel des Umfeldes der Fabrik , um dort das "scheinbar Unscheinbare zu entdecken" und nach geistigem Durchdringen des Objektes dann auch zu einer Bild-Idee zu gelangen.

Gegenständliches Malen, wie es Yvonne Wetzig mit ihrem blauen und farbigen Hirsch praktizierte, stand gleichberechtigt neben der mutigen, abstrakten Malerei, wie sie Silke Herold und andere Kursteilnehmer praktizierten.

"Wir wollten neue Wege suchen, finden und beschreiten und uns so dem gegenwärtig Zeitgenössischem nähern. Das ist gelungen!", lobte Andreas Kramer seine Künstler und ihre Werke.

Bild 1: Das öffentliche Vorstellen ihrer Arbeiten durch den in Venedig arbeitenden Künstler Andreas Kramer erwarteten Kursteilnehmer und Vernissagegäste mit Spannung. Foto: Karl-Heinz Veit