Martinroda: Vom Theater zur Kunst im Handwerk

Martinroda.  Die Frau ist ein Multitalent und lässt auch andere an ihrer Kunst teilhaben. Susanna Beyer war Theatermalerin im DNT Weimar.

Susanna Beyer im Atelier an einem fast schon fertigen Werk.

Susanna Beyer im Atelier an einem fast schon fertigen Werk.

Foto: André Heß

Wie lange „Mixed Media“ an der Volkshochschule in Ilmenau noch geht? „Die wollen gar nicht wieder aufhören.“ Susanna Beyer bringt als Kursleiterin mit inzwischen Fortgeschrittenen Struktur auf Leinwand, die mit einer Landkarte beklebt wurde, darauf werden in Schablonen- und Collagentechnik Fotos aufgedruckt. Da verewigt einer seinen verschrotteten Wagen, Porträts, Wandern und Elvis sind Themen der Mitstreiter. „Kunst muss nicht perfekt sein“, sagt sie zu einem Mann, der mit seinem Werk noch hadert. Als Pionier von Mixed Media gilt Andy Warhol.

Susanna Beyer ist selber eine Künstlerin. Ihre Arbeiten reichen von Indorgraffiti über Acrylbilder bis hin zu ausdrucksstarken Großformaten. „Mit viel Farbe, Spachtel und großen Pinseln erweckt sie ihre Visionen zum Leben“, steht im Kursbuch der Vhs. In ihrem Haus in Martinroda hängt Feuerwehruniform, sie dient in Elgersburg, hatte am Tag zuvor einen Einsatz, als eine Frau mit der Drehleiter über das Fenster geholt werden musste, weil sie einen heftigen Bandscheibenvorfall erlitten hat. Die 47-Jährige war ehrenamtlich bei der Betriebsfeuerwehr des Deutschen Nationaltheaters Weimar, wo sie 16 Jahre hauptamtlich als Theatermalerin angestellt war. Das Theater war schon ihre Kindheit, Mutter Opernsängerin, Vater spielte Fagott. Sie ging mit sechs Jahren in die Weimarer Malschule. Es folgten Praktika in den Ferien im Malsaal des DNT. Ein Hoftheatermaler hat ihr dort die klassische Theatermalerei beigebracht. Gelernt hat sie Maler und Lackierer, dann Theatermalerei studiert. 2017 ließen neue Strukturen den Spielplan leiden, nur noch modernes Theater hätte sie zur Anstreicherin verdonnert. Bis dahin hat sie an 360 Bühnenbildern mitgewirkt. Sie kündigt und legt für den Gewerbeschein ein achtseitiges Konzept vor, kauft sich einen Transporter, fährt als Raumgestalterin durch die Lande. Im Ein-Frau-Betrieb bringt sie Altbauten wieder auf Vordermann, verleiht der freigelegten Ornamentik an Villen-Wänden wieder ihren Charme im englischem Jugendstil, restauriert Ölgemälde. Es ist ihre ganz eigene Kunst im Handwerk.

Im Hinterhof ist das Atelier, das Haus hat sie selbst aufgemöbelt, das hat der Urgroßvater 1884 gebaut. Der Opa forschte im Porzellanwerk, seine Zeichnungen haben sie inspiriert. Oma war Bürgermeisterin und in der LPG, die Eltern immer auf Tournee. Die Kinder Nelly und Emil fangen auch schon an, Aquarelle zu malen. Ihre eigenen Bilder ordnet sie dem Spontanrealismus zu, nimmt sich Frauen aus der Douglas-Werbung als Vorlage, um sie mit ihren eigenen Farben zu verfremden und natürlich glänzen zu lassen. Sie selber lebt mit einer Frau zusammen. Ausstellungen ihrer Bilder zeigte sie schon in einer Kanzlei in Arnstadt, an der Vhs Weimar und in einem Ilmenauer Fitnessstudio. Jetzt aber will die Tochter erst einmal ein Pferd, also gemalt. „Ich muss nicht von der Kunst leben. Aber ich teile sie gern mit anderen.“ Bei einem Resozialisierungsprogramm führt sie Jugendliche an das Handwerk heran. „Ich lass die machen mit Pinsel und Spachtel, setze Impulse, löse Blockaden.“ Sie erklärt in einer Erfurter Schule Graffiti und Streetart-Kunst. In den Herbstferien leitet sie in Oberpörlitz den Drachenbau an. Im Haus hängen die gemalten Al Pacino, Marilyn Monroe, Charlie Chaplin und James Dean. „Schon im Kindergarten habe ich große Kunst gemacht und den Tisch gleich mit bemalt“, sagt sie und wurde damals zu einer Psychologin geschickt, die hat darüber nur gelacht.