Multimediale Lesung des Schriftstellers Andreas Pröve in Ilmenau

Nur durch Muskelkraft und mit öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch ganz Indien für viele entspricht dieser Plan sicher nicht der Vorstellung einer erholsamen Traumreise. Dieses Vorhaben in Angriff zu nehmen, im Rollstuhl sitzend, von der Brust abwärts gelähmt, klingt dementsprechend geradezu unvorstellbar.

Andreas Pröve lernte bei seinem Trip durch Indien auch die Hilfsbereitschaft der Einheimischen kennen. Ging es bergauf, wurde angeschoben. Foto: privat

Andreas Pröve lernte bei seinem Trip durch Indien auch die Hilfsbereitschaft der Einheimischen kennen. Ging es bergauf, wurde angeschoben. Foto: privat

Foto: zgt

Ilmenau. Doch Andreas Pröve hat gewagt, woran die meisten nicht mal im Traum denken: Seit Jahren schon reist der querschnittsgelähmte Schriftsteller quer durch die Welt. Immer dabei ist sein Handbike, ein an den Rollstuhl montierbares Gefährt, das ausschließlich durch die Kraft der Arme angetrieben wird. Von Vietnam bis Tibet, von Syrien bis Jordanien Pröve hat schon viel von der Welt gesehen. Besonders fasziniert hat ihn aber Indien, ein Land, das er bereits vor seiner Querschnittslähmung durch einen Motorradunfall bereist hatte.

Am Donnerstagabend in der Universitätsbibliothek Ilmenau las der Weltenbummler aus seinem Buch »Erleuchtung gibt s im nächsten Leben: Eine verrückte Reise durch Indien«. Oft war Pröve schon in Indien unterwegs. So reiste er entlang des Ganges bis zur seiner Quelle im Himalaya und fand in dem einheimischen Nagender Chhikara einen guten Freund und Fotografen. In Pröves aktuellem Buch dreht sich alles um eine Reise von Küste zu Küste, auf den Spuren der zahlreichen indischen Pilger.

Anschaulich schildert der Schriftsteller die indische Hitze, das scharfe Essen und was es mit einem europäischen Magen anstellt, sowie die Eiterbeulen und Schwielen an der Füßen der streng gläubigen Hindus, die barfuß hunderte Kilometer pilgern, um ihren Göttern Opfer darzubringen. Er zeigt Fotos von einem jungen indischen Pärchen, das sich vor einem Tempel die Köpfe rasieren lässt, um ihren Gebeten Nachdruck zu verleihen. Doch am eindrucksvollsten sind stets die Textstellen, Fotos und Videos die deutlich machen, was für große Entfernungen Pröve in reiner »Handarbeit« zurücklegt und mit welchen Strapazen diese Art zu reisen zusammenhängt. Der Handbiker nimmt es locker und erzählt von der beiden Wagenhebern, die er unter seinem Rollstuhl angebracht hat, um auch unterwegs mühelos einen platten Reifen flicken zu können. »Den Rollstuhl brauch ich eben«, stellt Pröve trocken fest.

Seinen ursprünglichen Beruf kann der gelernte Tischler zwar nicht mehr ausüben, dafür schreibt er inzwischen aber schon an seinem vierten Buch. Denn seinen Lebensunterhalt verdient Andreas Pröve nun mit seinen Reiseberichten, Fotos und Vorträgen. »In den vergangenen zwei Jahren war ich mit Unterbrechungen insgesamt vier Monate unterwegs«, verrät er auf Nachfrage. Aber auch sein Familienleben in Deutschland ist ihm wichtig. »Kochen, Wäsche waschen, die Hausaufgaben der Kinder kontrollieren wenn ich von einer meiner Reisen zurückkommen, übernehme ich von einem Tag auf den anderen wieder alle meine Aufgaben zu Hause. Wenn ich Glück habe, darf ich vielleicht meinen Jetlag ausschlafen!«, sagt Andreas Pröve lachend.

Andreas Pröve, »Erleuchtung gibt s im nächsten Leben Eine verrückte Reise durch Indien«, ISBN: 9783492404488

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