Schwieriges Jahr für die Tafeln im Ilm-Kreis

Starker Rückgang bei der Abgabe von Molkereiprodukten. Auch Hamsterkäufe im Frühjahr führten zu Engpässen.

In der Kleiderkammer arbeiten Christel Backhaus (links) und Elke Höber – hier im Bild mit Tafel-Leiter Marco Heilwagen. 

In der Kleiderkammer arbeiten Christel Backhaus (links) und Elke Höber – hier im Bild mit Tafel-Leiter Marco Heilwagen. 

Foto: Arne Martius

Ilm-Kreis. Die beiden Tafeln im Ilm-Kreis blicken auf ein schwieriges Jahr zurück. Wie sowohl der Arnstädter Leiter Günther Sattler als auch sein Ilmenauer Kollege Marco Heilwagen sagten, sei es vom Frühjahr an immer komplizierter geworden, Waren für bedürftige Menschen zu organisieren. Eine Ursache dafür war die Coronakrise: Dadurch, dass bei der sogenannten ersten Welle viele Hamsterkäufe stattfanden, waren die Märkte angehalten, keine Produkte mehr kostenlos abzugeben, oder zu vernichten. Stattdessen wurden nach Einschätzung der Tafel-Verantwortlichen auch solche Waren stark rabattiert verkauft, die zu anderen Zeiten von den gemeinnützigen Einrichtungen abgeholt werden konnten.

Aber nicht alles hat mit Corona zu tun. So stellt Günther Sattler derzeit einen extremen Rückgang von Molkereiprodukten fest. „Viele Marktleiter sind verunsichert, wenn es um abgelaufene Waren geht. Dabei geht mit der Abholung auch die Verantwortung auf uns über, das war schon immer so“, sagte er. Bei der von einem Verein betriebenen Tafel in Arnstadt sind derzeit rund 700 Menschen aus 20 Nationen angemeldet. Zwischen 50 und 70 Haushalte besuchen die Einrichtung pro Ausgabetag. Über 25 Helfer, die meisten von ihnen ehrenamtlich, halten den Betrieb aufrecht, der neben dem Tafelladen noch die Möbelbörse betreibt.

Immer mehr Senioren kommen zur Tafel

In Ilmenau sind aktuell rund 500 Menschen auf die Angebote der Tafel angewiesen, deren Zahl sich mit dem Jahr 2015 durch den Zuzug von Migranten erhöhte. Die daraus erwachsenen Probleme seien inzwischen gelöst worden, versicherte Ilmenaus Tafel-Leiter Marco Heilwagen. Insbesondere dem Respekt gegenüber Frauen habe es zuweilen gemangelt, „doch das hat sich inzwischen sehr gut eingefahren“, stellte er fest. Inzwischen gehören Menschen mit ausländischen Wurzeln selbst zum Team der Tafel. Zu den freiwilligen Helfern gehört auch eine Mitarbeiterin, die dreimal in der Woche aus Stadtilm nach Ilmenau kommt. „Vor so einem Engagement ziehe ich meinen Hut“, sagte Heilwagen in dieser Woche vor dem Sozialausschuss.

Alleinerziehende Mütter, viele Familien mit mehreren Kindern und immer mehr Senioren besuchen die Einrichtung am Homburger Platz. „Es ist traurig für unser Land, dass wir so etwas brauchen. Aber es ist eben auch gut, dass es so eine Einrichtung gibt“, schätzte Marco Heilwagen die Tafeln ein, die im Fall von Ilmenau vom Marienstift Arnstadt betrieben wird und zu der eine Kleiderkammer gehört.

Größeres Objekt mit Kühlmöglichkeit gewünscht

Über 3200 Lebensmittelkisten wurden in diesem Jahr bereits abgeholt. Sie werden neuerdings schon im Vorfeld von den Mitarbeitern bestückt. „Der erste Besucher bekommt bei uns zu 90 Prozent genau das gleiche, was auch der letzte erhält“, erklärte der Leiter das Anliegen der gerechten Verteilung der Lebensmittel. In Ilmenau unterstützen alle Märkte das Anliegen der Tafel.

Das größte Anliegen von Marco Heilwagen ist ein neues Gebäude. Mit der räumlichen Situation, zumal wegen der Trennung von Tafel und Kleiderkammer, und der steigenden Besucherzahlen komme man am Homburger Platz an seine Grenzen. Ideal wäre seiner Einschätzung nach ein größeres Objekt mit Kühlmöglichkeiten. Die werden immer dann gebraucht, wenn eine Großspende eintrifft – wie jüngst eine ganze Palette Apfelkuchen.

Dass es in diesem Jahr wegen der Kontaktbeschränkungen keine Weihnachtsfeier gibt, bedauert Marco Heilwagen. An die Veranstaltung im vergangenen Jahr in der katholischen Kirche denke er sehr gern zurück. „Das war für mich eines der schönsten Weihnachten“, sagte er zu der Feier, zu der 2019 über 160 Besucher kamen – darunter 45 Kinder, für die ein regelrechtes Gabenzimmer eingerichtet wurde.

Öffnungszeiten Tafel Arnstadt: wochentags von 10 bis 13 Uhr, Telefon (03628) 605533.

Öffnungszeiten Tafel Ilmenau: wochentags 13 bis 15 Uhr / außer Mittwoch, wenn die Außenstelle Großbreitenbach bedient wird. Telefon (03677) 6676690.

Öffnungszeiten Kleiderkammer Ilmenau: Mo, Di, Do, Fr 9 bis 12.30 Uhr.