Sparkasseneinbrecher träumten von Rolex-Uhren und Millionen

Thomas Geyer
| Lesedauer: 3 Minuten
In der Sparkasse in Ilmenau wurde ein Duo aus Litauen beim Einbruch erwischt.

In der Sparkasse in Ilmenau wurde ein Duo aus Litauen beim Einbruch erwischt.

Foto: Ralf Ehrlich

Ilmenau/Kiel  Gerichtsbericht Landgericht Kiel erörtert Mitschnitte abgehörter Gespräche vor der Tat in Ilmenau

Vor dem Einbruch in die Sparkasse in Ilmenau kundschafteten die beiden Litauer in einem gemieteten Jaguar XF weitere potenzielle Tatorte aus – unter anderem Banken in München, Frankfurt und Hannover, Bautzen, Bischofswerda (Sachsen) und Cottbus (Brandenburg). Dies geht aus polizeilichen Abhörprotokollen von Gesprächen hervor, die die Angeklagten unterwegs im Auto bis zur Festnahme am 2. April in Thüringen führten.

Nach ihrem erfolgreichen Kieler Einbruch vom 6. März träumte das Duo von einem Millionen-Coup, von teuren Rolex-Uhren und vom „Urlaub“ in Litauen. Einbrechen und stehlen nannten sie „arbeiten“.

Was die 38 und 39 Jahre alten Männer nicht wussten: Ihr Traumwagen war verwanzt und mit einem Peilsender versehen, die Polizei hörte mit. Wie eine Tonaufnahme vom 30. März belegt, wollten sie den Jaguar nach Litauen überführen, wenn sie „genug Kohle gemacht“ hätten. Dazu müssten sie aber noch „nächste Woche arbeiten“. Drei Tage später brachen die Angeklagten in die Sparkasse in Ilmenau ein. Als sie danach auf frischer Tat gestellt wurden, hatten sie rund 110 000 Euro Bargeld und ein halbes Pfund Gold im Fluchtwagen. Das Ergebnis des polizeilichen Lauschangriffs ist jetzt Gegenstand des Prozesses im Kieler Landgericht, wo sich die Männer wegen schweren Einbruchsdiebstahls verantworten müssen.

Die Litauer räumten beide Tatvorwürfe ein. In Kiel wollen sie jedoch weniger als 70 000 Euro erbeutet haben. Die Anklage schätzte den Inhalt der 200 dort geöffneten Schließfächer auf 145 000 Euro, 20 000 Euro Goldmünzen und Schmuck im Wert von 5 000 Euro. Das Gericht hat bisher zehn Hauptgeschädigte als Zeugen vernommen und kommt auf eine Summe von rund 62 000 Euro. Weitere Kunden gaben Verluste unter 1 500 Euro an.

Verteidigung fordert Haftbefehle aufzuheben

Die Verteidiger legten Einspruch gegen die Verwertung der abgehörten Gespräche im Prozess ein. Doch die Staatsanwältin forderte mit Erfolg die Anhörung von zehn Schlüsselpassagen. Begründung: Die Gespräche belegten, dass die Männer weitere Tatobjekte ausbaldowert hätten. Die Kammer signalisierte grünes Licht.

In den Abhörprotokollen ist auch die Rede von Banken in Österreich, Bayern, Hessen und Niedersachsen. Offenbar legten die Litauer tausende Kilometer auf der Suche zurück. Mal wirkten sie genervt und schimpfen. Träumt der eine von einer Millionenbeute, rechnet der andere mit „maximal 200 Mille“.

Auf der Fahrt nach Sachsen hätten sie am liebsten gleich für zwei Jahre einen Pkw gemietet. „Wie Könige“ wollte man durch Deutschland fahren, um Schließfächer zu knacken, und „die Bullen könnten nichts machen“. Aus den Gesprächen geht hervor, dass sich die Täter am Computer über die Standorte informierten und eine Liste mit Zielen anlegten: mit Plus- oder Minuszeichen. Oft ist die Rede von einem „System“ der Schließfächer. Wenn sie „von der gleichen Firma“ stammten, wären sie leicht zu öffnen.

Aus dem Inhalt der Gespräche schließt die Staatsanwältin auf eine professionelle Einstellung und auf gewerbsmäßiges Handeln. Sie spricht von einem straffen Zeitplan, von hoher krimineller Energie und gesteigerter Effizienz. Die seit acht Monaten in U-Haft sitzenden Angeklagten hätten sich nur deshalb in Deutschland aufgehalten, um Straftaten zu begehen. Die Verteidiger nennen das eine „These“. Sie zweifeln die Übersetzung der Gespräche an und fordern die Aufhebung der Haftbefehle. Dass ihre Mandanten gesprochen hätten, sei nicht bewiesen. Beim nächsten Termin sollen die Mitschnitte im Original gehört und Stück für Stück von einer Dolmetscherin übersetzt werden.