Thüringer Klimaweg in Geraberg eingeweiht

Eine Hundertschaft an Ausflüglern nahm die sechs Kilometer mit vielen Aussichtspunkten am Freitag in Geraberg in Angriff. Ilmkreis-Landrat Benno Kaufhold hatte die Schirmherrschaft und nutzte die Gelegenheit zur Werbung in eigener Sache.

Noch haben sie gut Lachen. Doch der Klimaweg begann gerade und hoch zur Schwedenhütte und Oberen Kiefernleite zog es sich ein ganzes Stück. Foto: Mario Gentzel

Foto: zgt

Geraberg. Cirrus, Nimbus und Cumulus sind nicht die Schutzheiligen von Geraberg, oder doch? Sie begegneten der Hundertschaft an Wandergesellen am Freitagnachmittag entlang des nun auch offiziell eingeweihten Thüringer Klimaweges. Nach einem ersten steilen Anstieg zur Schwendenhütte steht dort die dritte von 22 Tafeln und weist launig auf die Wolkenformationen in Verbindung mit "Goethe und die Wolken" hin.

Nicht Goethe, sondern Benno Kaufhold hatte die Schirmherrschaft (auch ohne Schirm) über den Wanderausflug übernommen. Freilich war da der Anlass seines Wahlkampfes als Landrat offensichtlich, obendrein gab es am Imbissstand "den kleinen Schwarzen" Senf und Frühblüher-Samen für den Garten mit seinem Konterfei als Zugabe.

Wer aber eine Bratwurst auf seine Kosten haben wollte, musste die 6 Kilometer schon mitlaufen, denn erst im Ziel am Sportplatz dampfte der Rost. Zwei Stunden waren für den Marsch veranschlagt, die Teilnehmer trugen Hut oder Kappe, Schirm, Wanderstöcke, Hund und sogar Kind mit sich. Ronny Kämpf verbarg vor seiner Brust schützend den dreimonatigen Sohnemann Louis Körner, der jüngste unter den Wandersburschen und -frauen.

Bürgermeister Günther Irrgang preiste den Lehrpfad als eine so gute Idee, dass sie auch von ihm hätte stammen können. Sie war aber von seinem großen Bruder Dr. Klaus Irrgang, er habe sich aber die Route ausgedacht.

Das größte Flüssigkeitsthermometer der Welt am Sportplatz, der 11,11 Meter lange Lulatsch, ist wahrlich nicht zu übersehen. Demnächst erhält er noch eine moderne Skalenbeleuchtung, für die Lichteffekte sorgt die Lichttechnik der Ilmenauer Universität. Auch die Anlage drumherum soll noch ein Lichtblick mit Erläuterungen werden. 10 Prozent mehr Besucher im Thermometermuseum Geraberg habe der Klimaweg seit Mitte November schon an Publicity gebracht, sagte Irrgang. Vorstellbar seien auch Ausflüge von Schulklassen, befand Landrat Kaufhold.

Denn hier gibt es anhand der Schautafeln viel zu lernen über Klima und Klimaveränderung, das Wetter eingeschlossen. Das bestätigte auch Norbert Siegfried aus Geraberg, der den Wissensparcours schon mehrmals gegangen ist. Hier könne man sich auf die Natur besinnen und die Zusammenhänge zwischen Klima und Naturereignissen erkennen. Er hoffe, es bleibe alles so schön und so schön ganz, wie es jetzt ist.

Schirmherr Benno Kaufhold schreckte zum Glück doch davor zurück, seine Sektflasche zur Taufe gegen das Thermometer zu werfen. Auch er lobte die Arbeit der Enthusiasten aus dem Förderverein des Thermometermuseums, die der Thermometrie ihres Ortes mit dem Klimaweg einen Meilenstein gesetzt haben. 30 000 Euro stammen aus der Gemeindekasse, 20 000 Euro aus Sponsorengeldern und den größten Teil hatte das Land gefördert.

Wer übrigens nicht so gut zu Fuß ist, sollte den Klimaweg über das Steintal in Angriff nehmen. Der führt auch zum Industriedenkmal Braunsteinmühle. Die Wanderung gestattet auch einen Blick auf das Freibad, schließt Bekanntschaft mit dem Goethefelsen im Körnbachtal, begrüßt einen Pavillon am "Stocken", führt zum zweiten Großthermometer am Thermometermuseum. Neun Parkplätze bieten Möglichkeiten zur Anreise mit dem Auto.

Ein übersichtlicher Flyer weist den Weg auf weitere Sehenswürdigkeiten hin.

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