Turbulenter Prozess-Tag um Gefängnis-Fluchthelfer endet nach 25 Minuten

Meiningen  Vasile T. konnte 2017 in einer Aufsehen erregenden Flucht am helllichten Tag in einem Karton aus dem Gefängnis in Suhl-Goldlauter fliehen. Die beiden Angeklagten sollen ihm geholfen haben. Jetzt gab es eine turbulente Berufungsverhandlung.

Rechtsanwalt Udo Freier (rechts) und Angeklagter Aleksandru R.

Rechtsanwalt Udo Freier (rechts) und Angeklagter Aleksandru R.

Foto: Kai Mudra

Die Berufungsverhandlung gegen zwei mutmaßliche Fluchthelfer, die vor zwei Jahren im Oktober, Vasile T. im Knast geholfen haben sollen, aus dem Gefängnis Suhl-Goldlauter zu fliehen, endete am Donnerstag bereits nach 25 Minuten. Dabei konnte der Prozess am Landgericht Meiningen erst mit zwei Stunden Verspätung überhaupt eröffnet werden, weil sich einer der Anwälte wegen eines weiteren Termins in Leipzig deutlich verspätet hatte.

Zu Verhandlungsbeginn fehlte aber immer noch einer der beiden Angeklagten. Es entspann sich ein kurzer Trialog zwischen den Verteidigern, der Staatsanwältin und dem Vorsitzenden Richter, weil dieser dem Angeklagten die Ladung an seine Wohnadresse geschickt hatte. Der Verteidiger erklärte dagegen, dass sein Mandant in Untersuchungshaft im Gefängnis Suhl-Goldlauter sitze. Daraufhin warf die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ein, dass sie eine Information habe, wonach sich der fehlende Angeklagte im Gefängnis in Gräfentonna (Kreis Gotha) befinden solle.

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Damit war kurz nach Prozessbeginn klar, dass das Verfahren am Donnerstag nicht weiter fortgeführt werden könne. Das Gericht regte allerdings die Prozessbeteiligten an, noch einmal über ihre Berufungen nachdenken. Die beiden Angeklagten im Alter von 36 und 49 Jahren hatte das Amtsgericht Suhl im Februar wegen Gefangenenbefreiung und Strafvereitelung zu jeweils acht Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.

Staatsanwaltschaft fordert höhere Strafen

Die Staatsanwaltschaft fordert in ihrer Berufung höhere Strafen. Die Verteidiger erhoffen sich ein milderes Urteil. Der Vorsitzende Richter ließ allerdings erkennen, dass das Urteil des Amtsgerichts Suhl ihm „auf den ersten Blick frei von Rechtsfehlern“ zu sein scheint. Die Prozessbeteiligten scheiterten am Donnerstag mit der Suche nach einem Fortsetzungstermin für die Berufungsverhandlung.

Daraufhin kam von der Verteidigung der Vorschlag, dass Verfahren gegen einen der Angeklagten abzutrennen, da Verteidigung und Staatsanwaltschaft noch einmal prüfen wollten, ob sie ihre Berufungen in seinem Fall wechselseitig zurücknehmen könnten. Denn der 36-Jährige steht derzeit bereits in einem weiteren Verfahren vor Gericht und sitzt deshalb in Untersuchungshaft.

Turbulente Verhandlung

Zum Ende der turbulenten Verhandlung beantragte die Staatsanwaltschaft gegen den anwesenden Angeklagten einen Haftbefehl. Denn dessen Freiheitsstrafe würde am 25. Oktober enden, so dass der Mann mit moldawischen Wurzeln spätestens an diesem Tag freigelassen werden müsste. Die Staatsanwaltschaft begründete ihre Forderung damit, dass sich der Angeklagte dann dem Verfahren entziehen könnte.

Sein Verteidiger widersprach dieser Darstellung vehement. Sein Mandant habe keinen Anlass, sich dem Verfahren zu entziehen, weil er dann per Haftbefehl gesucht werde. Das Gericht hat am Donnerstag noch nicht über einen möglichen Haftbefehl entschieden, weil es noch Beratungsbedarf gehen habe. Gegen diesen Angeklagten soll am 28. Oktober weiter verhandelt werden.

Im Oktober 2017 konnte Vasile T. in einer Aufsehen erregenden Flucht am helllichten Tag in einem Pappkarton aus dem Gefängnis in Suhl-Goldlauter fliehen. Die beiden Angeklagten sollen ihm dabei geholfen haben. Die beiden Männer hatten im ersten Prozess ihre Tatbeteiligung bestritten.

Zielfahnder spüren Ausbrecher im rumänisch-moldawischen Grenzgebiet auf

Der Ausbrecher stellte sich im Frühjahr 2018 im rumänisch-moldawischen Grenzgebiet, als ihm Zielfahnder auf der Spur waren. Im Frühjahr wurde gegen Vasile T. am Landgericht in Erfurt das Urteil gesprochen. Der Ausbrecher muss wegen bandenmäßigen Handelns mit Betäubungsmitteln für sechseinhalb Jahren ins Gefängnis.

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