Wachstumspause im Südthüringer Tourismus

Ilm-Kreis.  Jeder kehrt gern ein, aber keiner will dort arbeiten, sagte Antonia Sturm von der IHK mit Blick auf die schwächelnde Gastronomie in Südthüringen.

Im Empfangsbereich vom Hotel Gabelbach steht Manuela Preiß.

Im Empfangsbereich vom Hotel Gabelbach steht Manuela Preiß.

Foto: André Heß

Auf dem Gabelbach hatte es geschneit, als die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen am Dienstagvormittag den Konjunkturbericht Tourismus für den Zeitraum von März bis September vorstellte. Sie wollte das diesmal nicht in „ihrer Kammer“ in Suhl tun, sondern wählte dafür das „Berg & Spa Hotel Gabelbach“ aus. Befragt wurden 700 Betriebe aus Gastgewerbe, Beherbergung und Reisebüros, 100 haben anonym geantwortet.

Fazit von Jan Scheftlein, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer: Die Südthüringer Tourismuswirtschaft legt eine Wachstumspause ein, daran Schuld sind die Energiepreise und Arbeitskosten, verbunden mit einem sich weiter zuspitzenden Fachkräfteengpass. Um Nachfolger im Gastgewerbe zu finden, hat die IHK drei freiberufliche Nachfolgelotsen eingestellt, darunter mit Ralf Groteloh den ehemaligen Bürgermeister von Geschwenda und Ex-Geschäftsführer der KHW Geschwenda. Sie sollen alle Unternehmer ab 55 Jahre gezielt ansprechen und sie für Themen ihrer Nachfolge sensibilisieren. Damit will die IHK dazu beitragen, touristische Angebote zu erhalten. Die Nachfolge sei bisher beim Ausflugslokal Dreiherrnstein nicht gelungen, weil sie nie aktiv betrieben wurde, hieß es von Antonia Sturm, die Referentin für Tourismus und Handel bei der IHK ist. Wegen der unregelmäßigen Öffnungszeiten habe man auf einer Plattform die Gaststätte als geschlossen ausgewiesen.

Das Hotel Gabelbach hat vor einem halben Jahr aus seinem Namen die Jagd gestrichen, erklärte Hoteldirektor Lars Schütze. Zum einen bediene man dieses Segment nicht mehr, zum anderen setzte man voll auf den Spa-Bereich und werde mit diesem Schlagwort auch schneller auf Internetplattformen gefunden. Das Hotel mit 160 Betten und 60 Angestellten verfügt über Schwimmbad, Sauna, Fitnessraum, bietet Massagen und Wohlfühlpakete an. In diesem Jahr wurden 30 Zimmer renoviert. Um Fachkräfte zu gewinnen und zu behalten seien neben dem Gehalt auch weitere freiwillige Leistungen notwendig, so Schütze. So stelle man die Dienstkleidung der Mitarbeiter und zahle Zuschläge für Sonntags- und Feiertagsarbeit, das sei in der Branche nicht üblich. Über die Arbeitsagentur habe man jüngst einen Mitarbeiter für Haustechnik gefunden, im Spa-Bereich für Massagen und Kosmetik sowie für Stellen in Führungspositionen stelle sich die Suche jedoch komplizierter dar.

Die Hotelpark Stadtbrauerei Arnstadt setzt mit ihren 45 Mitarbeitern und 66 Doppelzimmern inzwischen auf noch größere Reichweite bei den Buchungen. Die touristischen Angebote werden in Echtzeit für die Kunden buchbar, sagte Hotelier Sebastian Rögner auf Nachfrage unserer Zeitung, das spüre man auch bei der Belegung. Bei den Auszubildenden greift man auf Jugendliche aus Vietnam zurück, die über ein Projekt des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) und der IHK Südthüringen nach Deutschland kommen. Man habe extra ein Haus angemietet, wo die Azubis während ihrer Ausbildung wohnen können. Die IHK will ihre Jugend-Unternehmenswerkstätten auch auf die Dehoga-Branche ausweiten und jungen Leuten zeigen, wie es in einer modernen Küche heutzutage zugeht, damit sie sich für den Beruf des Kochs erwärmen. „Die rauen Zeiten in der Küche sind vorbei, das kann man sich nicht mehr erlauben“, sagte Scheftlein.

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