Wiegand-Glas-Chef in Großbreitenbach: „Ihr vertreibt uns ja“

Großbreitenbach.  Der größte Steuerzahler der Landgemeinde Großbreitenbach, die Wiegand Glas GmbH, wehrt sich gegen eine geplante Gewerbesteuererhöhung.

Bürgermeister Peter Grimm (SPD) und Oliver Wiegand (von links) im Disput. 

Bürgermeister Peter Grimm (SPD) und Oliver Wiegand (von links) im Disput. 

Foto: André Heß

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Bei seinem Betriebsbesuch bei Wiegand-Glas kündigte der Bürgermeister der Landgemeinde Großbreitenbach, Peter Grimm (SPD), am Montag an, dass die Hebesätze der Steuern mit dem nächsten Haushalt 2020 erhöht werden sollen: die Grundsteuer A auf 275 Prozent, die Grundsteuer B auf 380 Prozent und die Gewerbesteuer von 360 auf 395 Prozent. Man sei verpflichtet, die Hebesätze der zehn Kommunen innerhalb von drei Jahren anzupassen.

Das hörte der Mitgeschäftsführer von Wiegand-Glas, Oliver Wiegand, mit großem Missgefallen. „Ihr vertreibt uns ja!“, war seine spontane Reaktion. An den anderen Standorten in Steinbach am Wald (Bayern), Ernstthal und Schleusingen, wo der Glasbehälterhersteller produziert, habe man die Steuern gesenkt. Was er jetzt von Großbreitenbach höre, sei für ihn eine echte Kampfansage. „Da werden wir reagieren müssen“, sagte ein sichtlich erzürnter Unternehmenschef, der mit Wiegand-Glas und PET-Verpackungen in Großbreitenbach, wo 350 Mitarbeiter beschäftigt werden, zuletzt 1,8 Millionen Euro Gewerbesteuer gezahlt habe. Damit sei er der größte Steuerzahler für die Stadt, wenn nicht sogar in Südthüringen.

Erzürnter Unternehmenschef

Bürgermeister Grimm verstand den Unmut, machte aber auch die Lage der Kommune klar. Wenn sie die Steuern nicht erhöhe, werde sie vom Land weniger Schlüsselzuweisungen für Investitionen bekommen und müsse dann dort Abstriche vornehmen, sonst bekomme man keinen ausgeglichenen Haushalt. „Ihr bestraft 600 Gewerbetreibende in der Stadt“, entgegnete Wiegand. Man sei ein Familienunternehmen, habe schon Etliches für die Stadt gespendet und wolle auch weiter mit ihr zusammenarbeiten. Er könne auch in einer Nachbargemeinde ein Lohnbüro einrichten und dort versteuern, da komme bei der Stadt gar nichts mehr an, so der Firmenchef.

Großbreitenbach brauche einen Plan, wo es in fünf Jahren stehen, was es gegen den Bevölkerungsschwund und für die Jugend tun will. Für junge Leute gebe es keinen Treffpunkt, weil es an Räumlichkeiten fehle, gab Grimm zu. Über die Gewerbesteuererhöhung wolle er noch einmal mit den Stadträten beraten. Die nächste Sitzung findet am 10. Dezember statt, dort sollte eigentlich der Haushaltsentwurf 2020 eingebracht werden.

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