Illmenauer Wohngebiet „Am Stollen“ wird immer älter

Bei der Auswertung des Sozialatlas für Ilmenau stieß Ausschussvorsitzender Mitzschke auf einige besorgniserregende Tendenzen.

Das Wohngebiet „Am Stollen“ ist inzwischen das vom Alter seiner Bewohner her älteste Quartier im Ilm-Kreis.

Das Wohngebiet „Am Stollen“ ist inzwischen das vom Alter seiner Bewohner her älteste Quartier im Ilm-Kreis.

Foto: Ralf Ehrlich

Ilmenau. Die soziale und demografische Entwicklung in den beiden großen Ilmenauer Wohngebieten „Am Stollen“ und „Pörlitzer Höhe“ bereitet dem Vorsitzenden des Sozial- und Gleichstellungsausschuss Karl-Heinz Mitzschke (Die Linke) große Sorge. „Das sind problematische Zahlen“, sagte er vergangene Woche bei der Auswertung der Ilmenauer Aspekte aus dem aktuellen Sozialatlas des Ilm-Kreises.

Im Süden der Stadt ist es insbesondere die zunehmende Überalterung, die dem Ausschussvorsitzenden auffiel. Der sogenannte Jugendquotient, der Wert, der angibt, wie viele Menschen unter 20 Jahre auf 100 Personen zwischen 20 und 65 Jahre kommen, liegt im Fall des Wohngebiets „Am Stollen“ bei gerade einmal bei 17,51. Schon ein Wert von 44 sei kritisch, denn er besagt, dass die nachwachsende Generation dünner besetzt ist, als die aktuell erwerbstätige Bevölkerung, schätzte Mitzschke ein. Nicht wesentlich besser sieht es allerdings in ganz Ilmenau inklusive der Ortsteile aus, wo der Jugendquotient bei 27,76 liegt. Nur in diesem Punkt schlägt sich die „Pörlitzer Höhe“ besser als alle anderen Stadtteile - hier liegt der Wert bei knapp 30.

Warum „Am Stollen“ vorwiegend ältere Einwohner leben, erklärt sich Stadtratsmitglied Sebastian Möbes (Pro Bockwurst) auch mit dem Zuschnitt der Wohnungen. Das Wohngebiet sei „einfach zu familienunfreundlich“, schätzte er ein. „Ich kenne viele, die einmal dort gewohnt haben und deswegen weggezogen sind, weil die Wohnungen mit der größer werdenden Familie zu klein wurden“, sagte er.

Darauf will die Ilmenauer Wohnungs- und Gebäudegesellschaft (IWG) nun reagieren. Wie Geschäftsführerin Karsta Rödiger bei der jüngsten Vorstellung der Jahresbilanz ankündigte, sollen künftig einige kleinere Wohnungen aus dem Bestand zu größeren Einheiten zusammengelegt werden.

Auch der Blick auf den Altenquotient bestätigt den Eindruck einer Überalterung des Quartiers: Statistisch gesehen kommen 43,4 Menschen über 65 Jahren auf 100 Erwerbstätige - damit ist das Wohngebiet „Am Stollen“ vom Alter seiner Bewohner her das älteste Gebiet im Ilm-Kreis, stellte Mitzschke fest.

Ist die „Pörlitzer Höhe“ auch das jüngste Viertel in Ilmenau, weist hier der Sozialatlas aber auch eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit aus. Mit 10,27 Prozent ist das der höchste Wert im Ilm-Kreis, dessen Arbeitslosenquote Mitte des Jahres 2019 bei knapp 5 Prozent lag.

Aus Sicht von Karl-Heinz Mitzschke sind die Daten hilfreich bei Entscheidungen für kommunale Investitionen. So sei denkbar, dass „Am Stollen“ mehr an die Belange von Senioren gedacht werden müsse - beispielsweise durch das Aufstellen altersgerechter Sitzbänke -, während für die „Pörlitzer Höhe“ Kinder- und Jugendangebote ausgebaut werden könnten. Und ob in Langewiesen - dem Ortsteil mit leicht wachsender Einwohnerzahl und überdurchschnittlichem Jugendanteil - der alte Sportplatz nicht doch besser als Freizeitanlage erhalten und nicht zum Wohngebiet umgewidmet wird, „dieser Gedanke ist zumindest gar nicht so weit hergeholt“, so Karl-Heinz Mitzschke.

Zugleich vermisste er im Sozialatlas Aussagen zur Versorgung der Stadt mit Apotheken, Ärzten, sowie zur Kriminalität. Dass in der Analyse das Wohngebiet „Am Eichicht“ mit dem Campus zu einer Einheit unter dem Arbeitstitel „Grenzhammer“ zusammengefasst wurden, hält der Ausschussvorsitzende für mindestens unglücklich. „Diese beiden Gebiete sind überhaupt nicht miteinander vergleichbar“, meinte er. Das will er auch noch einmal gegenüber dem Landratsamt deutlich machen. „Es nützt uns nichts, Werkzeuge zu haben, die wir nicht anwenden können. Hierfür wird viel Geld ausgegeben und dann muss man auch damit arbeiten können“, fand Mitzschke.