A 38: Zeitplan für Heidkopftunnel steht

Arenshausen  Baubeginn für die Behelfsrampen bei Reckershausen auf niedersächsischer Seite zur Lösung des Umleitungsproblems soll noch in diesem Jahr sein. Die Tunnelsanierung ist für Herbst 2020 geplant.

Geschlossene Schranken: Elektroniker Dennis Linde gehört zum Team, das den Tunnel jetzt turnusmäßig wartete. Aber im Herbst 2020 wird es richtig ernst.

Geschlossene Schranken: Elektroniker Dennis Linde gehört zum Team, das den Tunnel jetzt turnusmäßig wartete. Aber im Herbst 2020 wird es richtig ernst.

Foto: Eckhard Jüngel

Zwei Nächte lang Sperrung des Heidkopftunnels – Dienstagnacht war die eine Röhre dran, gestern die andere. Es sind turnusmäßige Wartungsarbeiten. Mitarbeiter der Firma Osmo Anlagenbau kümmerten sich um die Überprüfung sämtlicher Sicherheitsanlagen. Dazu gehörten alle Steuerungs- und Überwachungselemente, die Funktechnik, die Lautsprecher, die Beleuchtungseinrichtungen, die Verkehrszeichen. Die zuständige Autobahnmeisterei Göttingen übernahm derweil die Reinigung der Fahrbahn, des Gehweges, der Türen und Notbeleuchtungen.

All das aber ist nichts gegen das, was dem Heidkopftunnel bald bevorsteht. In den vergangenen Wochen und Monaten gab es Unmut, viele Gespräche und länderübergreifende Diskussionen, wie die anstehende Tunnelsanierung bewerkstelligt werden kann und trotzdem die Belastung für die Verkehrsteilnehmer und die umliegenden Orte minimiert wird. Denn es geht nicht nur um den Tunnel. Erschwerend hinzu kommt die marode Bahnbrücke auf der bisherigen Umleitungsstrecke über die B80 auf die B27. Die muss komplett erneuert werden. Sie ist dem Schwerlastverkehr, der auf ihr liegt, wenn im Tunnel eine Störung vorliegt, nicht mehr gewachsen.

In gemeinsamen Gesprächen zwischen den zuständigen Straßenbauämtern hat sich als vorerst beste Lösung des Umleitungsproblems der Bau von Behelfsrampen hinter dem Tunnel auf niedersächsischer Seite nahe Reckershausen zur L 566 herauskristallisiert. Somit muss der Verkehr nicht mehr durch Hohengandern und das Nadelöhr der Kreuzung B80/B27. Der Zeitplan steht laut dem zuständigen Straßenbauamt in Bad Gandersheim jetzt fest: Noch in diesem Jahr soll mit den Vorbereitungsarbeiten für den Bau der Rampen begonnen werden, Ende April 2020 müssen sie fertig sein. Sie werden auch nicht als zusätzliche Anschlussstelle für den täglichen Verkehr errichtet, sondern nur im Umleitungsfall geöffnet. Sie sollen auch nur fünf Jahre existieren. So lange gilt der Pachtvertrag mit dem Besitzer des betreffenden Grundstücks. Gleichzeitig soll die Landesstraße ab der A 38 bis zur thüringischen Landesgrenze saniert werden, somit der nahtlose Übergang zur Kirchganderner Ortsumgehung geschaffen werden. Die ist bereits 2007 gebaut worden. „Die Planungen für den Bau der Behelfszufahrten sind abgeschlossen und planungsrechtlich abgesichert“, heißt es aus Bad Gandersheim. Die Arbeiten an der L 566 bis zur Landesgrenze seien öffentlich ausgeschrieben und sollen noch dieses Jahr beendet werden.

Geduld müssen die Verkehrsteilnehmer allerdings im Herbst 2020 mitbringen. „In den vergangenen Jahren wurden Lagerungsdefekte an der Betonfahrbahn im Heidkopftunnel festgestellt, woraufhin vom Straßenbaulastträger ein Gutachten zur Schadensanalyse in Auftrag gegeben wurde“, erklärt Udo Othmer, Chef des Straßenbauamtes in Bad Gandersheim. Dieses sei zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die hydraulisch gebundene Tragschicht auf ganzer Länge des Tunnels aufgelöst habe und daher ausgetauscht werden müsse. „Für eine dauerhafte Wiederherstellung der gesamten Fahrbahn wird ein Neuaufbau erforderlich.“ Außerdem sollen zusätzliche Wartungsarbeiten an der Tunnelelektronik und eine Hangsicherung am westlichen Tunnelportal durchgeführt werden, so dass eine Vollsperrung von etwa acht Wochen pro Röhre und Fahrtrichtung notwendig werde. Der Beginn dieser Fahrbahnsanierung sei für Herbst 2020 eingetaktet.

Erschwerend komme nun noch dazu, dass die Straßenbauverwaltung Hessen ab voraussichtlich schon Januar 2020 den Neuanschluss der Bundesstraße 80 an die Bundesstraße 27 sowie den Ersatzneubau eines Brückenbauwerks über die Bahnstrecke Göttingen – Kassel plant. Das gehe nur unter Vollsperrung der Straße. „Die geplante Bauzeit beträgt zwei Jahre“, weiß Othmer. Und er weiß auch, dass in dieser Zeit wiederum die A 38 samt Tunnel als offizielle Umleitungsstrecke gilt.

Zudem arbeite man an einer Machbarkeitsstudie, den Tunnel auf Gegenläufigkeit umzurüsten, dass notfalls der Verkehr je einspurig durch eine Röhre geführt werden kann. Es gehe jetzt konkret um die Sicherheit im Gegenverkehrsfall – wie Überwachungs- und Verkehrstechnik und das notwendige Rettungskonzept. Sollte die Studie positiv ausfallen und es vom Bund grünes Licht geben, ist wieder eine mehrwöchige Vollsperrung notwendig.

Im Detail könne man diese jetzt öffentlich gemachten Planungen noch nicht ganz übersehen, was zum Beispiel die behelfsmäßige Verkehrsführung und die Auswirkungen der Bauzeiten betreffe, meint Martin Heinemann, Hauptamtsleiter der VG Hanstein/Rusteberg, in deren Gebiet die Probleme liegen. „Es scheint aber zumindest gelungen, dass die bisher in den drei beteiligten Ländern aufgesetzten Brillen geputzt wurden und nun endlich die länderübergreifende Zusammenarbeit im Sinne der am meisten betroffenen Menschen gesehen wird. Wir bleiben trotzdem gewarnt und aufmerksam .“

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