Anfangsjahre der Mühlhäuser Straßenbahn als Kalender

Mühlhausen.  Die historischen Fotos für den neuen Kalender stammen aus der Sammlung des Mühlhäusers Bernd Mahr.

Eines der Kalenderblätter zeigt die Bahn am Anfang der Felchtaer Straße.

Eines der Kalenderblätter zeigt die Bahn am Anfang der Felchtaer Straße.

Foto: Alexander Volkmann

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Die Regale und Schränke sind voll mit Büchern über Mühlhausen, so manch antiquarisches Exemplar ist auch dabei. An den Wänden hängen bekannte Motive aus der Stadt. Seit seinem 15. Lebensjahr sammelt der Mühlhäuser Bernd Mahr (70) alles Gedruckte zur Heimatgeschichte seiner Stadt. In Kartons bewahrt er gut erhaltene Fotos und Postkarten auf, die seit 2015 regelmäßig den Weg auf Kalenderblätter finden.

Nun ist der Kalender für 2020 mit Szenen der ersten Betriebsjahre der Mühlhäuser Straßenbahn erschienen. Zu sehen sind historische Aufnahmen und Lithographien von bekannten Örtlichkeiten in Verbindung mit der technischen Neuerung, die ab 1898 durch Mühlhausen fuhr.

Das Deckblatt zeigt, wie beliebt das moderne Verkehrsmittel seinerzeit war. Die Postkarte trägt den originalen Titel „Erstürmung eines Motorwagens der elektrischen Straßenbahn“. Ab Februar des Jahres 1898 ließ der Magistrat der Stadt Mühlhausen durch die Firma Schuckert aus Nürnberg zunächst eine elektrische Bahn durch die Unterstadt errichten. Vom Bahnhof bis zur beliebten Waldgaststätte „Weißes Haus“ am Mühlhäuser Stadtwald führte die Strecke, rechts und links säumten im Bahnhofsviertel schmucke Villen, der Untermarkt sowie der Schwanenteich deren Weg. Der geplante Ausbau der Strecke durch die Oberstadt und deren Anschluss an die Unterstadtlinie gelang im November 1901.

„Die Bilder als historische Quelle ermöglichen dem Betrachter einen Einblick in eine längst vergessene Zeit mit all ihren kleinen und großen Sehenswürdigkeiten, von denen so manche nicht mehr stehen“, heißt es vom Verlag, der Kalendermanufaktur aus Verden. Zu sehen ist beispielsweise der Bahnhof mit einem herrlichen Pflanzen-Arrangement auf dem Vorplatz. Das März-Foto zeigt Arbeiter bei der Schienen-Schweißung, das Bild vom Mai Elektromonteure an einer Oberleitung. Das sei etwas Besonderes, so Mahr, denn Aufnahmen von arbeitenden Menschen habe es seinerzeit kaum gegeben. Zu sehen sind auch der Durchbruch eines Teils der Stadtmauer für die Oberstadtlinie durch das Frauentor, die Flaniermeile Steinweg um die Jahrhundertwende und der Wagen Nummer 3 am Schwanenteich – übrigens das einzige Foto im Kalender, das nicht aus Mahrs Sammlung sondern der von Andreas Möller stammt.

Seit fünf Jahren arbeitet der Verlag mit Bernd Mahr zusammen. Begonnen hatte alles mit einer Anfrage beim Mühlhäuser Stadtarchiv, als Mahr dort noch angestellt war. „Es war das Jahr, in dem ich in Rente ging“, erzählt der 70-Jährige gelernte Elektromechaniker. So habe er sich dem Projekt ehrenamtlich in seiner Freizeit widmen können. Der erste Kalender sei ein Rundumschlag mit vielen unterschiedlichen historischen Motiven aus der Stadt gewesen. Danach standen die Verkehrsmittel, wie Flugzeug, Eisenbahn und Pferdekutsche im Mittelpunkt und auch die Wehrbauten und Ausflugslokale waren bereits Themen. Papierbilder, Glasplatten und Negative dienen als Vorlagen.

Jedes Kalenderblatt ist auch mit einer tieferen Recherche verbunden. „Am Ende schaffen es zwei Sätze in den Bildtext“, sagt Mahr. Er sei dadurch aber um einige Informationen über seine Heimatstadt reicher.

Der Kalender ist im A3-Format für 19 Euro bei der Christlichen Buch- und Kunsthandlung Strecker, dem Buchhaus König und der Tourist-Information Mühlhausen erhältlich.

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