Bad Langensalzaer Köhler-Kreuz als Star im Grünen Gewölbe

Bad Langensalza.  Der Hofjuwelier Augusts des Starken vermachte das prächtige Altarkreuz, das in einer neuen Ausstellung zu sehen ist, einst seiner Taufkirche.

Das  prachtvolle Altarkreuz von Johann Heinrich Köhler ist nun im Grünen Gewölbe zu sehen.

Das prachtvolle Altarkreuz von Johann Heinrich Köhler ist nun im Grünen Gewölbe zu sehen.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

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Das Altarkreuz aus der Bad Langensalzer Bergkirche ist der unumstrittene Star einer jetzt eröffneten Ausstellung im Grünen Gewölbe in Dresden. Sie widmet sich dem Schaffen Johann Heinrich Köhlers. Der gebürtige Langensalzaer war Hofjuwelier bei August dem Starken und hat das prunkvolle Kreuz im Jahr 1736 seiner Taufkirche St. Stephani vermacht.

Die Ausstellung zu seinem 350. Geburtstag wirft ein umfassendes und neues Licht auf den Kunsthandwerker, der zeitlebens im Schatten seines Konkurrenten Johann Melchior Dinglinger stand. 23 Arbeiten Köhlers sind in der Kabinettausstellung zu sehen. Darunter sein bekanntestes Werk, die Krönungsinsignien Augusts III. von Polen und seiner Frau Maria Josepha. Auch prächtige, von ihm geschaffene Pokale, Statuen und Uhren werde präsentiert. Das gut einen Meter hohe und sieben Kilo schwere Altarkreuz spielt eine zentrale Rolle in der Ausstellung, in der begleitenden Werbung und in der überregionalen Berichterstattung. Im Ausstellungskatalog nimmt es den weitaus größten Platz ein.

Der Stadt zeitlebens verbunden geblieben

Köhler wurde 1669 in Langensalza geboren. Vermutlich absolvierte er eine Goldschmiedenlehre bei seinem Onkel Michael Köhler – aus der Familie gingen noch weitere Goldschmiede hervor. Mitte der 1690er-Jahre zog es ihn nach Dresden, wo sein Vater herstammte. Dort etablierte er eine eigene Werkstatt. 1718 wurde er zum Hofjuwelier berufen. Langensalza blieb er „zeitlebens eng verbunden“, heißt es im Ausstellungskatalog – also bis zu seinem Tod im Jahr 1736. In seinem Testament vermachte er das Kreuz, das seine letzte Juwelierarbeit war, seiner Taufkirche, wie auch auf einer Plakette am Sockel des Kreuzes steht. Dazu gab er 200 Taler für ein jährliches Karfreitagsgebet in St. Stephani, bei dem auch vor dem Kreuz seiner gedacht werden sollte.

In seinem Nachlass fand sich zudem eine detaillierte Beschreibung des Kunstwerks, das aus einem hölzernen Sockel, einem aus Silber getriebenen Berg Golgatha und dem hölzernen Kreuz mit einem silbernen Jesus besteht. Üppig Versehen ist es mit Schmuck- und Edelsteinen, fein ziselierten Beschlägen, Glasfluss und Verzierungen aus Emaille. Vor der Ausstellung wurde das Kreuz mit Hilfe der Bergakademie Freiberg und der Hochschule für Bildende Künste in Dresden erstmals aufwendig wissenschaftlich untersucht. Da habe viel neue und überraschende Befunde erbracht, etwa über die Art und Herkunft der verwendeten Edelsteine, heißt es im Katalog.

Das fast komplett originale Werk hat eine bewegte Geschichte. 1980 wurde es von Räubern aus der Bergkirche gestohlen und kurz darauf sichergestellt. 1999 wurde es in Bad Langensalza erstmals gereinigt und repariert, für eine Köhler-Ausstellung im Stadtmuseum – die bisher einzige vor der jetzigen in Dresden. Danach wanderte es ins Depot. Zum Karfreitag 2017 war es in der Gottesackerkirche für die Gemeinde letztmals zu sehen. Nur im Geheimen stand es gelegentlich am Schreibtisch von Pfarrer Dirk Vogel, der es sicher verwahrte.

Wie geht die Stadt künftig mit Köhler um?

Schon vor einem Jahr kam die religiöse Preziose nach einer Anfrage ins Grüne Gewölbe. Neben den Untersuchungen sind auch Restaurierungsarbeiten geplant. Der Gemeindekirchenrat hatte einem Leihvertrag zugestimmt. Was auch heißt, dass das Kreuz wieder nach Bad Langensalza zurückkehren und im Besitz der Kirche bleiben wird. Angesichts der Dresdener Ausstellung müsse die Stadt überlegen, wie sie damit umgehe, sagte Pfarrer Dirk Vogel. Denn dank der seien Köhler, sein Werk und Bad Langensalza nun in aller Munde.

Der berühmte, bisher wenig beachtete Sohn Langensalzas und sein Kreuz als „abschließendes Hauptwerk“ sei nach der Schau 1999 in der Stadt leider wieder ins Vergessen geraten, sagte Vogel. Er müsse künftig im Stadtmuseum angemessen gewürdigt und präsentiert werden. Dabei werden auch Sicherheitsfragen eine Rolle spielen. Die waren, nach dem spektakulären Raub im Grünen Gewölbe, auch Gesprächsthema bei der Ausstellungseröffnung, weiß Vogel, der mit Alt-Bürgermeister Rolf Matthäs und der Stadtführerin Rebecca Braun dort zu Gast war. Der Schock sitze immer noch tief. Aber vieles sei Spekulation. Man müsse abwarten, was die Ermittlungen ergäben.

4. Dezember bis 2. März, Neues Grünes Gewölbe Dresden. Täglich, außer Di., 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 12 (ermäßigt 9) Euro

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