Bis Jahresende soll Umbau in Mühlhäuser Holzstraße 11 und 12 abgeschlossen sein

Mühlhausen.  Das Konzept „Leben im Quartier“ des Vereins Diakonie Doppelpunkt will in der Holzstraße unterschiedliche Mieter-Gruppen zusammenbringen.

Die Gebäude Holzstraße 11 und 12 in Mühlhausen werden saniert und umgebaut. Sie sollen für eine besondere Wohnform vermietet werden.

Die Gebäude Holzstraße 11 und 12 in Mühlhausen werden saniert und umgebaut. Sie sollen für eine besondere Wohnform vermietet werden.

Foto: Daniel Volkmann

Das Projekt „Leben im Quartier“ nimmt Formen an. Es geht an den Innenausbau der vier Gebäude in der Holzstraße 11 und 12. Ende des Jahres soll der Umbau abgeschlossen sein. Der Verein Diakonie Doppelpunkt, der das Wohnprojekt umsetzen möchte, erwartet die ersten Mieter für Anfang 2021.

Die Bauten stammen von Ende des 17. Jahrhunderts, standen zuletzt aber jahrzehntelang leer.

„Es handelt sich jeweils um große Bürgerhäuser, deren Bewohner auch Landwirtschaft betrieben. Es bestand Braurecht. In der Holzstraße 12 ist der multifunktionale Vor-Flur noch sichtbar – nach meiner Kenntnis einmalig in der Stadt“, sagt Architekt Andreas Formann von der Bauhütte in Mühlhausen. „Hier spannte ein 20 Meter langer Unterzug ohne Stütze unter den Dachbalken und war nur mit geschmiedeten Bolzen an diese angehängt. Die Wohnräume waren aneinandergereiht auf der Seite der Straßenfassade. Diese Bauweise ist nahezu bei allen Bürgerhäusern nachweisbar – auch in der Holzstraße 11 – , findet sich aber nach über drei Jahrhunderten Überbauung nur im absoluten Ausnahmefall noch einmal unverbaut an.“ Dieser Umstand macht die Holzstraße 12 nach Aussage von Formann „zu einem wertvollen Zeitzeugen des späten 17. Jahrhunderts“.

Historisches in Verbindungmit moderner Architektur

Entstehen sollen in etwa anderthalb Monaten Bauzeit zwölf hochwertige Wohnungen, vier davon barrierefrei. Um sie zu erreichen, wird es einen Fahrstuhl geben. Zur Barrierefreiheit gehören auch hohe Türen und breite Duschen. „Mehr als diese vier Wohnungen ließen sich beim besten Willen nicht barrierefrei gestalten. Das Schwierigste bei der Sanierung des Ensembles war es, die unterschiedlichen Höhen in den Gebäuden anzupassen“, sagt Architekt Formann.

Manche Sanierungsaufgabe habe sich erst beim Arbeiten selbst ergeben. „Wir versuchen, die Befunde, die Zeugnisse der Geschichte der Häuser, zu erhalten.“ So werden in einem sehr modern gestalteten Flur Mauern der Klosterzeit zu finden sein. Auch ein Schrank aus dem 19. Jahrhundert ist zu entdecken, ebenso alte Kamin-Nischen und und originale Farbfassungen von 1698, die rekonstruiert und ergänzt werden.

Das Konzept für das „Leben im Quartier“ auf 1070 Quadratmetern Wohnfläche sieht vor, dass dort zu zwei Dritteln bedürftige Menschen leben: Senioren, Migranten, Schwerbehinderte, Sozialhilfeempfänger. Drei junge Frauen, die derzeit noch in der Außengruppe Villa des Vereins Diakonie Doppelpunkt in Heyerode wohnen, wollen in die Holzstraße ziehen und dort eine Wohngemeinschaft bilden. Derzeit führe man noch mit dem Landkreis als Kostenträger Gespräche, sagt Astrid Faber, die Vorstandsvorsitzende des Vereins.

Tor soll Blick auf den Hofermöglichen

Seiner Aussage nach gibt es auch weitere Interessenten für diese alternative Wohnform. Zwei Drittel der Wohnungen seien bereits zugesagt. Das Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ greife hier aber nicht. „Die Mischung muss stimmen.“

Der Verein selbst will das Wohnprojekt betreiben und investiert zweieinhalb Millionen Euro.

Das möchte kein Wohnprojekt hinter verschlossenen Mauern sei. „Wir werden ein modernes Tor einbauen, das einen Blick auf den Hof freigibt“, sagt Architekt Formann. Dem Quartiersgedanken entsprechend soll der Hof, der in den nächsten Monaten noch von einer Landschaftsarchitektin gestaltet wird, von allen Mietern gemeinsam genutzt werden.

Am schwierigsten gestalte es sich, die mit 170 Quadratmetern größte Wohnung im Ensemble an den Mann zu bringen. Sie ist – von der Größe her – der Kontrapunkt zu einer 30-Quadratmeter-Industrie-Loft-Wohnung über zwei Etagen.

Herberge AntoniQ hatseit September neuen Leiter

Die Herberge AntoniQ mit ihren 75 Plätzen zu sanieren, damit wolle man sich noch Zeit lassen. Seit September hat sie mit Mike Basel einen neuen Leiter. Gemeinsam mit ihm wolle man das Konzept überarbeiten, im kommenden Jahr – ebenfalls mit Andreas Formann – eine Sanierung des Geländes planen und ein Jahr später umsetzen, sagt Bernd Montag, der Leiter des Bereichs Arbeit bei Diakonie Doppelpunkt.

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