Bisher kein Gedenken an Bücherverbrennung auf dem Blobach

Mühlhausen.  Ein Konzept für Erinnerungskultur soll Orte einbeziehen, die mit den Schrecken der NS-Zeit in Mühlhausen in Verbindung stehen.

Der Mühlhäuser Blobach. 1933 wurden hier von den Nationalsozialisten Bücher verbrannt.

Der Mühlhäuser Blobach. 1933 wurden hier von den Nationalsozialisten Bücher verbrannt.

Foto: Daniel Volkmann

Nichts erinnert daran, dass am 20. Mai 1933 auf dem Mühlhäuser Blobach Bücher verbrannt wurden, die die Nationalsozialisten als „undeutsch“ abqualifiziert hatten. Nach Kenntnis der Stadtverwaltung gibt es diesbezüglich bisher auch „keine derartigen Pläne oder Initiativen“. Das verlautete auf Anfrage aus dem Rathaus.

Doch eine Gedenk-Initiative gibt es, wenn auch nicht aus der Stadt selbst: Der Fotograf Jan Schenck aus Niedersachsen machte vor kurzem Aufnahmen auf dem Blobach. Die Bilder sind für die Internetseite www.verbrannte-orte.de. Dort will Schenck alle Orte in Deutschland dokumentieren, an denen 1933 aus ideologischen Gründen Bücher verbrannt wurden. Das Projekt betreibt er ehrenamtlich und mit Hilfe von Spenden sowie projektbezogenen Fördermitteln.

Indessen soll in der Stadt ein neues Konzept zur Erinnerungskultur erarbeitet werden, und zwar innerhalb des Forschungsprojektes zur Aufarbeitung der Geschichte von Zwangsarbeit und Ausbeutung von KZ-Häftlingen während der Zeit des Nationalsozialismus in Mühlhausen. Das teilte die städtische Pressestelle mit: „Dabei sollen die verschiedenen Orte im Stadtgebiet von Mühlhausen, die mit den Schrecken der NS-Zeit in Verbindung stehen, einbezogen werden.“ Wie dies genau aussehen wird und ob daraus auch ein dauerhaftes Gedenken an die Bücherverbrennung resultieren könnte, müsse man im Lauf des Projekts zur Diskussion stellen.

Am 10. Mai 1933 gab es in Universitätsstädten Bücherverbrennungen „wider den undeutschen Geist“. Nur zwei Tage später gab es auch in Mühlhausen eine Kundgebung „gegen volksverseuchende Literatur“ – so der Mühlhäuser Anzeiger - auf dem Adolf-Hitler-Platz, dem heutigen Obermarkt. Dort wurden Menschen aufgefordert, Bücher zur Verbrennung abzugeben, etwa von Remarque, Tucholsky und Feuchtwanger.

Am 20. Mai versammelte sich eine „gewaltige Menschenmenge“ zur Verbrennung auf dem Blobach, schrieb die Zeitung damals. Fanatisierte Jugendliche taten sich dabei besonders hervor. Über 500 Bücher seien verbrannt worden.

Jan Schenck hofft, auch über die Ereignisse in Mühlhausen weitere Informationen sammeln zu können, etwa von lokalen Geschichtsforschern.