Blick auf Weinranken, Linden und Turmfalken

Andreas Anhalt, Pfarrer an der Josefskirche in Mühlhausen, schaut aus dem Fenster.

Pfarrer Andreas Anhalt

Pfarrer Andreas Anhalt

Foto: Claudia Bachmann / Archiv

Liebe Leserinnen und Leser, ich mache jetzt etwas beim Schreiben, was ich sonst nicht tue. Ich sitze mit dem Laptop an meinem Küchentisch. Mir gegenüber ist ein Fenster, das die Natur besonders gestaltet hat. Bis zum Fenster im ersten Obergeschoss ist ein Trieb eines Weinstocks emporgeklettert und erfreut mich. Die Freude darf auch noch wachsen, wenn ich die Reben direkt aus dem Fenster pflücken kann oder anders gesagt: Die Reben wachsen in die Küche hinein. Ein Weinblatt nimmt bereits eine rötliche Farbe an.

Auch fällt mein Blick auf eine mächtige Linde, wo jetzt die Lindenblüten im Spiel des Windes zur Erde tanzen. Das hat etwas sehr Schönes und Beruhigendes, wie die Blüten sich zur Erde schrauben. Vor ein paar Tagen hing eine Lindenblüte freischwebend in der Luft und fiel nicht zur Erde. Sie hatte sich wohl im Faden einer Spinne verfangen. Alles braucht seine Zeit.

Und ein Drittes kann ich aus meinem Küchenfenster sehen: das Kirchenschiff und den Turm der Josefskirche. Der Turm steht massiv aufgerichtet da. Er steht und weicht nicht, trutzt allem Wind und Wetter. Aber doch hat er mit Leben und Lebendigkeit zu tun. Wenn zu den verschiedenen Tageszeiten oder zu den Gottesdiensten die Glocken läuten, da wird es im Turm, in der Glockenstube lebendig.

Wenn die vier Glocken der Josefskirche läuten, erzählen sie von der Botschaft Gottes, seiner Liebe. Es gibt noch ein Leben im oder besser am Turm: Turmfalken. Jedes Jahr kommen Turmfalken, nehmen Quartier im Turm und ziehen ihre Brut groß. Mittlerweile ist es schon etwas ruhiger geworden, weil die erste Brut geschlüpft ist, das Fliegen gelernt hat und die Turmfalkeneltern ihre Nachkömmlinge in das Leben entlassen haben.

So freue ich mich über die Blicke aus meinem Fenster. Ich freue mich über den Wein, den Lindenbaum und die Turmfalken. So kann ich mich freuen an der Schöpfung Gottes. Die erste Weintraube habe ich jetzt gepflückt. Sie ist rot, braucht aber noch etwas Sonne zum Süßwerden. Der heilige Franz von Assisi würde sagen: Gelobt sei der Herr!

Für die neue Woche wünsche ich Ihnen gute Ausblicke.

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