Corona-Alltag in einem Pflegeheim im Unstrut-Hainich-Kreis

Rodeberg.  Wie der Alltag in einer Einrichtung funktioniert, in der fast die Hälfte der Bewohner Corona-positiv getestet ist. Heimleiter Kral: "Die Pflegenden gehen über ihre Grenzen".

Carsten Kral ist Heimleiter der evangelischen Heimstätte Kloster Zella in der Gemeinde Rodeberg im Unstrut-Hainich-Kreis.

Carsten Kral ist Heimleiter der evangelischen Heimstätte Kloster Zella in der Gemeinde Rodeberg im Unstrut-Hainich-Kreis.

Foto: Alexander Volkmann

Es ist wieder ein bisschen Licht zu sehen. Das sagt Carsten Kral, er ist seit dem Sommer der Heimleiter der evangelischen Heimstätte Kloster Zella in der Gemeinde Rodeberg im Unstrut-Hainich-Kreis. Wie in vielen Pflegeeinrichtungen dreht sich seit Wochen alles um Corona. Rund 30 der 85 Bewohner des Heimes sind nach Aussage von Kral derzeit Corona-positiv. Ein Drittel der 70 Mitarbeiter steht wegen eines positiven Tests, wegen Quarantäne oder Krankheit im Moment nicht für den Dienst zur Verfügung. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Live-Blog

Ende November gab es den ersten Massentest in der Einrichtung. Eine Bewohnerin war nach einem Krankenhausaufenthalt in der Heimstätte positiv auf Covid 19 getestet worden. Sie blieb die einzige positiv Getestete, alle anderen 150 Tests blieben negativ.

Die Ruhe nach dem Ende der Quarantäne währte nur kurz: „An unterschiedlichen Stellen im Haus brachten unsere Schnelltests positive Ergebnisse“, sagt Kral. Schnelltests gehören nach seiner Aussage genauso wie tägliches Fiebermessen bei Bewohnern und Mitarbeitern zum Alltag. Innerhalb weniger Tage wurden erneut alle Mitarbeitenden und Bewohner zweimal vom Deutschen Roten Kreuz und dem Landkreis getestet. In den Stunden vor Weihnachten wurde für das ganze Haus Quarantäne ausgerufen. Einer der drei Wohnbereiche wurde zur Quarantänestation, in die die positiv Getesteten umzogen.

Kral, der auf der Internetseite der evangelischen Heimstätte eine sehr offene Informationspolitik verfolgt, spricht von einer „sehr kritischen Lage“. Das bezieht er nicht auf den Gesundheitszustand der Bewohner: „Allen positiv Getesteten geht es gut“, sondern auf die Personalsituation. „Alle unsere Pflegekräfte sind extrem belastet, wenn nicht sogar überlastet. Sie müssen über ihre Grenzen gehen.“

Hilfe kam am 25. Dezember, dem ersten Weihnachtstag, aus Eckernförde. Ein Ehepaar hatte seine Mitarbeit über die von der Diakonie initiierte Aktion „Kümmern statt klatschen“ gemeldet. Dass die Beiden in Kloster Zella landeten, sei, so Kral, „absoluter Zufall“. Es hat eine Gästewohnung bezogen und wird von der Heimstätte versorgt. Weitere Hilfe von außen ist avisiert. Zwei Fachkräfte aus dem Raum Mühlhausen stünden auf Abruf bereit, dazu drei, die sonst – wie Kral und seine Frau -- als Ehrenamtliche in der Notfallseelsorge mitarbeiten.

Alles können Ehrenamtliche nicht stemmen. „Wir sind auf ein aufmerksames Beobachten unserer Bewohner angewiesen. Nicht nur, ob sie Fieber haben, sondern ob sich ihr Verhalten verändert hat.“ Das Tor auf das Klostergelände ist seit Wochen verschlossen. Angehörige können an der Pforte etwas für die Bewohner abgeben. Dieser Tage lotste Kral aber auch Angehörige unter ein Bewohnerfenster. Natürlich kann man das machen. Allein, es fehlt an Personal dafür. So wie auch die Absicherung des Alltags in der Einrichtung auf Kante genäht ist. Die Zeit für soziale Kontakte ist extrem knapp.

Alle Bewohner werden ausschließlich in ihren Zimmern versorgt. Ein kleiner Spaziergang auf dem Klosterhof, der ließe sich aber durchaus einmal organisieren. Mit jedem Tag wird es ein wenig heller: Mitarbeiter gesunden oder kehren aus der Quarantäne zurück. Die Bewohner kommen aus der kritischen Phase. Doch es ist eine Momentaufnahme: „Innerhalb eines Tages kann sich alles ändern, wir müssen immer bereit sein zu reagieren.“ Kral hat keine Angst, dass sein Haus durch die Vielzahl positiver Tests in ein negatives Licht rücken könnte. Die Angehören seien „außerordentlich verständnisvoll“ und eine Schuldfrage, wie das Virus ins Haus gekommen ist, die verbiete sich. „Es hat keiner Schuld; es ist unsere Aufgabe, gemeinsam für das Wohl der Bewohner zu sorgen.“ Erst recht in dieser Krise: „Wir wachsen als Team zusammen; das ist typisch für eine Notsituation.“