So erlebten die Menschen in Felchta das Unwetter

Felchta.  Das große Aufräumen: Nach dem Unwetter kämpfen die Menschen im Mühlhäuser Ortsteil gegen Schlamm und Unrat.

Karl-Heinz Kieser und Tochter Nancy Langenhan kehren den restlichen Schlamm zusammen. Daneben haben die betroffenen Anwohner einen Berg aufgetürmt mit Gegenständen, die durch das Hochwasser unbrauchbar geworden sind.

Karl-Heinz Kieser und Tochter Nancy Langenhan kehren den restlichen Schlamm zusammen. Daneben haben die betroffenen Anwohner einen Berg aufgetürmt mit Gegenständen, die durch das Hochwasser unbrauchbar geworden sind.

Foto: Alexander Volkmann

Ein großer Berg Unrat liegt auf der Felchtaer Hauptstraße. Möbel, Spielsachen, Schuhe, Kleidung und so manche schöne Erinnerung sind dem Hochwasser in der Nacht zum Sonntag zum Opfer gefallen. Innerhalb von Minuten ist alles unbrauchbar geworden. Der Schaden ist immens. Nach dem Schrecken beginnt das große Aufräumen.

Die Mitarbeiter des Bauhofes der Stadt Mühlhausen laden am Montagvormittag tonnenweise Schlamm auf den Lastwagen und schaffen ihn weg.

Sandra Hesse ist ist gezeichnet. An Schlaf war in den vergangenen zwei Nächten nicht zu denken. „Alles, was wir an Zeit und Geld hatten, haben wir in unser Haus investiert. Innerhalb von zwei Stunden ist es zerstört“, sagt sie.

Wasser presst ein Auto gegen die Hauswand

2004 zogen die Hesses nach Felchta, kauften ein altes Haus an der Ortsdurchfahrt, in der Siedlung. Das wurde nun Opfer des Unwetters. Das Wasser schoss in der Nacht zu Sonntag vom Feld her auf das Grundstück der Familie. Die Schlammspur zeigt, wie sich das Wasser seinen Weg bahnte: durch den Garten, am Pool entlang, den es eindrückte, durch die Garage, wo das Wasser bis in Sitzhöhe stand, durch den Hof, wo es mit seiner Kraft das zweite Auto gegen die Hauswand drückte, durch die Tore. „Wir haben sie geöffnet, doch sie hatten bereits Schaden genommen“, sagt Thomas Hesse. Das Wasser hatte schließlich auch den Fußweg unterspült und die Steine weggetrieben.

Der Hund im Keller wäre fast ertrunken

Das Wasser stand auch im Keller, wo sich der Berufsschullehrer erst kurz zuvor sein Büro eingerichtet hatte. In der Unwetternacht war das Paar zum Feiern in der Nachbarschaft. „Am Anfang war das Wichtigste, den Hund zu retten, der war im Keller. Er wäre uns ersoffen“, sagt Sandra Hesse. Und der schwarze Labrador-Mischling sucht an diesem Montag, 40 Stunden nach dem Unwetter, besonders die Nähe „seiner“ Menschen, registriert genau: Es handelt sich um eine extreme, eine ungewohnte Situation.

„Ohne unsere Familie und unsere Freunde, vor allem aber ohne die Jungs vom VfB TM Mühlhausen hätten wir das hier nicht bewältigt“, sagt Sandra Hesse. Ihr Mann Thomas ist Vorstandsmitglied in diesem großen Mühlhäuser Verein, der in der Hauptsache Handball spielt. Mehr als 30 Leute waren es insgesamt, die mit anpackten. Und die Hilfe geht weiter. Acht Säcke voller Wäsche, Handtücher, die man gegen den Dreck und im Dreck gebraucht hat, konnte Sandra Hesse einer Freundin übergeben, die das Waschen übernimmt. „Wir in Felchta halten zusammen, auch oder gerade weil so viele von uns unter Wasser und Schlamm leiden“, sagt Sandra Hesse.

Jetzt braucht es klare Strukturen. Die unzähligen Telefonate mit Versicherung und Gutachtern. Die Fragen: Was muss zuerst angepackt werden? Der Keller, das Tor, die Autos. Und dann geht es darum, sich wieder Leben zu leisten. „Ich möchte in diesem Sommer auch noch mal in unseren Pool“, sagt Sandra Hesse.

Durch die kleinsten Ritzen drückte das Wasser

Im Keller des Wohnhauses von Nancy Langenhan und ihren beiden Kindern stand das Wasser in der Nacht zuvor innerhalb kürzester Zeit bis knapp unter die Decke. Der Schlamm hatte sich seinen Weg in die kleinste Ritze gebahnt, drückte durch die Abwasserleitungen und die Fenster ins Haus.

Die Alleinerziehende (42) kann auch am Montag auf eine große Mannschaft an Freunden bauen, die beim Aufräumen hilft. Strom haben sie keinen. Der Anschluss im Keller und die Heizung sind ebenfalls zerstört. Im Garten kann man das Ausmaß erahnen: Das Trampolin ist bis zu Hälfte mit Gras bedeckt.

Große Unterstützung aus dem Ort bekam auch Dachdeckermeister Achim Steinbrecher. Mehr als 20 Helfer seien am Sonntag da gewesen, auch viele Jugendliche. Durch Steinbrechers Halle schossen die Wassermassen, schoben drei Transporter und ein Auto gegen Tore und Wand. Der Schaden allein an den Fahrzeugen schätzt der Unternehmer auf mindestens 200.000 Euro.

Schilderungen eines Lesers aus Felchta:

Niesel, Regen, Hagel – dann platzt es aus alles Fundamenten. Ein solches Unwetter hatten sie nur selten erlebt, berichteten einige alteingesessene Felchtaer.

Schnell waren die Straßen überspült und die Gräben vollgelaufen. Das Wasser suchte sich seinen eigenen Weg. Die Keller liefen als Erstes voll, doch auch Mauerwerke und Garagentore konnten die Kraft des Wassers nicht aufhalten und gaben nach. Schlussendlich herrschte riesiges Chaos und wohl viele Wertgegenstande, ob emotional und materiell, wurden zerstört. Dass nicht mehr passiert ist, haben wir wohl den vielen Feuerwehrkräften zu verdanken, die Felchtas Hilferuf gefolgt sind.

Deswegen hier unser Dank an Feuerwehr: für eure Unterstützung in den dunklen Stunden der Nacht bis zum Morgengrauen.

Sicher konnte durch eure Hilfe vieles gerettet werden und die Menschen vielleicht noch ruhig die letzten Stunden der Nacht verbringen. Felchta dankt.

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