Diedorf künftig ohne Hausarzt

Diedorf.  Weil sich kein Nachfolger für die Praxis im Südeichsfeld fand, geht der Arztsitz nun nach Mühlhausen.

Für die Hausarztpraxis in Diedorf ist kein Nachfolger gefunden worden.

Für die Hausarztpraxis in Diedorf ist kein Nachfolger gefunden worden.

Foto: Alexander Volkmann

Weil für die Arztpraxis in Diedorf auch nach einem Jahr Suche kein Nachfolger gefunden wurde, geht der Arztsitz an eine Praxisgemeinschaft in Mühlhausen. Das hat der Zulassungsausschuss für Ärzte in Thüringen entschieden. Entsprechend enttäuscht zeigt man sich in der Gemeinde Südeichsfeld.

Besonders für ältere Patienten, die nicht mobil seien, werde die ärztliche Versorgung zum Problem, meinen Bürgermeister Andreas Henning (parteilos) und Gemeinderatsmitglied Eberhard Scharf (CDU). Denn die Kapazität vieler Praxen in der Region sei erschöpft.

Laut Kassenätzlicher Vereinigung (KV) Thüringen hat der Zulassungsausschuss als unabhängiger Entscheidungsträger den Arztsitz an die einzige qualifizierte Bewerberin abgegeben – eine Praxis in Mühlhausen. Sie habe im Zulassungsverfahren klar gemacht, dass sie dafür eine Ärztin anstellen möchte, die in Mühlhausen praktiziert, erläutert KV-Sprecher Veit Malolepsy. Die Niederlassungsfreiheit lässt das zu solange der Arztsitz im Planungsbereich bleibt. Nur eine weitere Bewerbung, mit der Absicht in Diedorf zu praktizieren, hätte das verhindern können. Da auch die gesetzlich vorgeschriebenen Ausschreibungsfristen inzwischen ausgeschöpft waren, habe der Zulassungsausschuss also keine Alternative zu seiner Entscheidung gehabt.

Im Planungsbereich Mühlhausen aktuell kein Sitz frei

Nach dem Tod des Diedorfer Arztes Sylvio Peklo habe die KV dessen Praxis mehrfach zur Nachfolge ausgeschrieben und vor allem jungen Ärzten als Niederlassungsmöglichkeit angeboten. Dies sei im ländlichen Raum Thüringens oft erfolgreich gewesen, so Malolepsy – in diesem Fall nicht. Man bedauere daher ebenfalls, dass der Praxisstandort nicht erhalten bleibt. Ärzte zwangsweise an einen bestimmten Ort abzuordnen, verbiete das Gesetz.

Auch Peklos Witwe hatte sich dafür eingesetzt, einen Nachfolger zu finden, der die Praxis weiterführt. Über eine Vertretung konnte zumindest erreicht werden, dass zeitweise Patienten versorgt wurden. Die Gemeinde Südeichsfeld hatte zudem Gespräche über den Aufbau eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) geführt – mit dem Hufeland-Klinikum und dem Krankenhaus in Lengenfeld unterm Stein. Doch auch dafür fand sich kein Personal.

Laut KV ist aktuell im Planungsbereich Mühlhausen, der etwa den Altkreis umfasst, kein Sitz für einen Hausarzt frei. Doch erst dann ist eine Niederlassung in Diedorf wieder möglich. Eine Möglichkeit gibt es noch: Der Antrag eines Arztes auf Zulassung im Sonderbedarf. Darüber müsste ebenfalls der Zulassungsausschuss unter Beurteilung der Versorgungsmöglichkeiten in der Umgebung entscheiden. Die Hürden sind dabei höher als in einem normalen Nachbesetzungsverfahren.

Allerdings stellte der Zulassungsausschuss bereits fest, dass die Praxis Peklo „einen hohen Beitrag zur Sicherstellung einer ausreichenden hausärztlichen Versorgung geleistet hat“, wie aus einem Schreiben hervor geht, das dieser Zeitung vorliegt. So hätten die Fallzahlen über dem Durchschnitt gelegen.

Hausärzte im Südeichsfeld haben kaum Kapazitäten

„Wir hätten einfach noch etwas mehr Zeit gebraucht“, meint der Bürgermeister, „es gibt Medizinstudenten in der Umgebung, die mit ihrer Ausbildung bald fertig sind und Interesse hätten.“ Der Wegfall des Arztsitzes könnte auch Auswirkungen auf die Pläne des Investors für das ehemalige Esda-Gelände in Diedorf haben. Nach den Plänen sollte hier ein MVZ entstehen – auch, um Bewohner des dortigen Pflegeheims zu versorgen. Die Absicherung von Hausbesuchen dürfte angesichts der gegenwärtigen Situation das größte Problem sein.

Im Südeichsfeld gibt es zwar mehrere praktizierende Hausärzte: Zwei sind es in Heyerode, zwei in Lengenfeld unterm Stein, einer in Struth. Die Kapazitäten zur Aufnahme neuer Patienten sind allerdings gering, heißt es auf Nachfrage. Die Gemeinschaftspraxis von Dr. Claudia Kollberg-Göbel und Krystin Ewert Krumrich in Mühlhausen, die den Arztsitz übernommen hat, teilt auf Nachfrage unserer Zeitung mit, sie könne weitere Patienten aus Diedorf aufnehmen. Einige hätten sich bereits angemeldet. Allerdings sei es aus wirtschaftlicher Sicht nicht möglich, eine zweite Praxis in Diedorf zu eröffnen. Auch Hausbesuche im Südeichsfeld könnten nicht angeboten werden. Durch die erfolgreiche Bewerbung Medizinerinnen aus Mühlhausen sei es immerhin möglich gewesen, den Arztsitz im hiesigen Planungsbereich zu erhalten.