Dünger sorgt für Ärger: Kammerforstern stinkt es

Susan Voigt
| Lesedauer: 4 Minuten
Yvonne Kley und Gerhard Amthor wohnen direkt neben dem Feld, auf dem sich die Gülle wochenlang staut.

Yvonne Kley und Gerhard Amthor wohnen direkt neben dem Feld, auf dem sich die Gülle wochenlang staut.

Foto: Susan Voigt

Kammerforst.  Zwei Mal im Jahr fahren Traktoren auf die Felder und Wiesen um Kammerforst. Das Landwirtschaftsamt will die Angelegenheit erneut überprüfen.

Die kleine Gemeinde Kammerforst liegt idyllisch am Hainich und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Naturliebhaber. Die Wiesen und Felder rund um das Dorf werden hingegen von Landwirtschaftsbetrieben genutzt, um dort organischen Dünger zu verteilen. Und das stinkt einigen Kammerforstern gewaltig.

Zwei Mal im Jahr und vornehmlich nachts kommen Traktoren und verteilen laut Anwohnern den Inhalt ihrer Anhänger auf der Wiese entlang der Eichsfelder Straße, direkt unterhalb des Nationalparks. Zuletzt passierte das Anfang April, und die Auswirkungen sind noch bis heute zu sehen und zu riechen.

Das wollen sich die Anwohner nicht mehr gefallen lassen. „So schlimm wie dieses Mal sah es noch nie aus“, sagt Yvonne Kley, die seit 18 Jahren direkt neben der Wiese wohnt. Gepachtet ist das Feld von der Tupag AG, die in der Vogtei eine Biogasanlage betreibt, deren Überreste in regelmäßigen Abständen auf Wiesen und Feldern in der Umgebung abgeladen werden.

„Tagelang können wir und unsere Nachbarn die Fenster nicht öffnen, wenn unsere Wiese dran ist“, sagt Yvonne Kley. „Die Traktoren fahren jedes Mal so viel Gülle aus, dass das Feld über Wochen schwimmt“, erzählt sie.

Wege zum Hainich durch Traktoren beschädigt

Und nicht nur die Anwohner hätten damit zu kämpfen. Entlang der Eichsfelder Straße wurden in den vergangenen Wochen Gasleitungen verlegt – für die Arbeiten mussten Schächte ausgehoben werden. Die standen über Tage voll mit stinkender Flüssigkeit, nachdem die Traktoren da waren, sagt Kley. Und auch die Straßen, die Richtung Hainich führen, sind durch die schweren Gefährte stark in Mitleidenschaft gezogen und bis heute nicht wieder instand gesetzt worden.

Neben dem unschönen Anblick, dem Geruch und den kaputten Wegrändern sorgen sich die Anwohner auch um die Natur. „Die Bodenstruktur und der Lebensraum vieler Insekten und Tierarten werden nachhaltig zerstört“, sagt Gerhard Amthor, der ebenfalls in der Eichsfelder Straße wohnt. Seit die Tupag die Wiese vor etwa fünf Jahren gepachtet hat und regelmäßig mit ihren Traktoren anrollt, habe er keine einzige Feldlerche mehr gesehen. „Die gab es hier früher häufig“, sagt Amthor.

Anwohner Günter Vogler ließ vor etwa drei Jahren zudem sein Brunnenwasser überprüfen. „Immer wenn ich Wasser für den Garten hole, stinkt das nach Jauche“, erzählt er. Die Untersuchung ergab, dass das Wasser mikrobiologisch belastet ist. Das Labor fand Kolibakterien und Enterokokken – eindeutige Hinweise auf Fäkalien.

Das Wohngebiet liegt im Trinkwasserschutzgebiet der Kategorie 3. Wer dort baut, bekommt hohe Auflagen. Dass die Tupag gegen die Richtlinien der Schutzzone verstößt, da sind sich die Anwohner sicher.

Keine Gülle, sondern pflanzliche Gärreste

Das aber könne sich das Unternehmen gar nicht leisten, sagt der Vorstandsvorsitzende Johannes-Werner Lange. Dass dort alles mit rechten Dingen zugeht, habe sowohl das Landwirtschaftsamt als auch der Trinkwasserzweckverband Vogtei bestätigt. Der Streit mit den Kammerforstern komme jedes Jahr aufs Neue auf.

Bei dem ausgebrachten Material handele es sich nicht um Gülle, sondern um pflanzliche Gärreste aus der Biogasanlage – und die werde nicht mit Exkrementen gefüttert. „Der Dünger hat nur noch einen sehr geringen Anteil an Methan und kann nicht stinken.“

Auch könne es immer mal passieren, dass sich das Material an der ein oder anderen Stelle sammelt. „Das geschieht, wenn beim Umladen Reste im Schlauch bleiben“, erklärt der Vorstandsvorsitzende.

Grundsätzlich sei das Ausbringen von organischem Dünger in der Trinkwasserschutzzone 3 erlaubt, heißt es von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises. Allerdings gelten dort besondere Regelungen, die von den Landwirten eingehalten werden müssen.

Das Grundwasser werde regelmäßig vom Trinkwasserzweckverband überprüft und sei in Ordnung. Der Zustand der Wiese – vor allem an den Umladestellen – lasse allerdings den Schluss zu, dass das Material nicht fachgerecht verteilt werde, heißt es auf Nachfrage vom Verband. Welche Auswirkungen das langfristig auf die Natur hat, könne man derzeit noch nicht abschätzen. Das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft will den Sachverhalt nun erneut prüfen.