Eichsfelder Opfer eines Trickbetrugs schildert seinen Fall

Eichsfeld  Der Senior will vor einer besonderen Masche warnen. Die Polizei rät Opfern, sich nicht zu schämen und Anzeige zu stellen. Denn die Verantwortung habe immer der Täter.

Bei Haustürgeschäften ist immer besondere Vorsicht geboten. „Man sollte sich von Ruhe leiten lassen und auf sein Bauchgefühl hören“, heißt es von der Polizei.

Bei Haustürgeschäften ist immer besondere Vorsicht geboten. „Man sollte sich von Ruhe leiten lassen und auf sein Bauchgefühl hören“, heißt es von der Polizei.

Foto: Eckhard Jüngel

Nein, seinen Namen möchte der ältere Herr aus dem Südeichsfeld nicht sagen. „Wer den Schaden hat, braucht nicht auch noch den Spott“, sagt er leise. Er ist nämlich ein klassisches Opfer von Trickbetrügern geworden. In seinem Dorf, sozusagen an der Haustür.

Es war am 10. Juli. Er sei gerade damit beschäftigt gewesen, seinen Zaun zu streichen, als plötzlich ein Pkw mit einem roten Kennzeichen neben ihm hielt, erzählt er. Der Fahrer habe ihn um eine Auskunft gebeten. „Er war vielleicht zwischen 30 und 40 Jahre alt und sprach mit holländischem Akzent“, erinnert sich der Eichsfelder. Der Mann habe wissen wollen, ob es im Ort oder in der Nähe ein Küchen-Studio gebe. Seine Firma habe in den letzten Tagen eine Küchenausstellung in Mühlhausen durchgeführt. Die Ausstellungsstücke sollten aus Kostengründen nicht wieder ausgeführt werden, sondern über Küchenstudios als Werbemaßnahme abgesetzt werden. „Neben den Küchenmöbeln betreffe das auch Küchengeräte wie Topfsets, Messersets und Bestecksets. Ich konnte ihm zu seiner Frage nicht sehr weiterhelfen.“

Plötzlich habe der Fremde ihm angeboten, ihm einige Stücke aus seinen Restbeständen im Kofferraum zu schenken. „Diese sollte ich an Kinder oder Enkel weiterverschenken mit der Maßgabe, für die Firma – er gab mir eine Visitenkarte – zu werben. Das würde ja auch den gewollten Zweck erfüllen.“ Die Visitenkarte und die Teile lauteten auf die Firma Swiss Royal in der Schweiz. Der Mann zeigte dem Eichsfelder und dessen Frau mehrere Einzelteile aus einem Topfset, Küchenmesser und einen Besteckkasten, die allesamt einen sehr guten Anblick boten und auch sehr elegant verpackt waren. „Dabei wurden Preise für die einzelnen Sets genannt, die teilweise jenseits der 1000 Euro lagen“, erzählt der Südeichsfelder. „Zu guter Letzt wollte er mir alle Sachen schenken.“ Das seien zwei zwölfteilige Topfsets gewesen, dazu zwei Sets Küchenmesser und ein zwölfteiliger Besteckkasten. „Lediglich ein gutes Messerset im Wert von 732 Euro sollte ich bezahlen. Das kam mir angemessen vor.“

Da es aber nicht so viel Bargeld im Haus gab, bot der Fremde ihm an, mit ihm zur nächsten Bank zu fahren. „Was ich leider auch tat.“ Dort stellte sich heraus, dass zu den 732 Euro auch die gültigen Mehrwertsteuer aufgeschlagen werden müsse. Insgesamt kam damit eine Summe von 870 Euro zusammen. Da ihm das nach der Abwicklung doch schließlich etwas merkwürdig vorkam, recherchierte der ältere Herr anschließend im Internet – und stieß auf den bösen Trick: Die Hausierer reisen neben Deutschland auch in anderen Ländern umher und versuchen Billigware aus Asien mit verschiedenen Tricks an den Mann zu bringen. „Ab heute gehöre auch ich zu den Betrogenen, die doch zu leichtgläubig auf solche Menschen hereingefallen sind. Ich halte eine Warnung über die Presse dringend für erforderlich“, sagt der betrogene ältere Herr. Er hat bei der Polizei Anzeige erstattet.

Der Kriminalhauptkommissar Hartmut Speiser ist bei der Polizei in Nordthüringen für die Prävention zuständig. Er klärt oft und gern über die neuesten Maschen von Betrügern auf, gibt Tipps, wie man sich vor Einbrechern und Diebstählen schützen kann, und mehr. „Es kann jedem passieren“, sagt er ohne einen Vorwurf in der Stimme. Gerade solche Haustürgeschäfte seien regelrecht prädestiniert, um arglose Menschen um ihr Geld zu erleichtern. „Die Verantwortung hat immer der Täter, niemals das Opfer“, betont Speiser. Er kennt den Fall aus dem Landkreis Eichsfeld bereits. „So etwas kommt nicht so oft vor“, sagt er. Beliebter sind die Telefon-Betrügereien wie der Enkeltrick. „Das sind bei weitem mehr Fälle.“ So ein Fall wie jetzt sei ihm schon lange nicht mehr untergekommen.

Speiser kann immer nur raten, misstrauisch zu sein. „Ein gesundes Misstrauen schützt“, sagt er. Er rät absolut ab, zu jemandem ins Auto zu steigen oder gar zur Bank zu fahren. Er macht dem geschädigten älteren Herrn keinen Vorwurf, sieht da eher ein psychologisches Vorgehen der Täter. „Sie nutzen das Schnäppchen-Verhalten aus, das in jedem von uns steckt. Der Täter will unbedingt sein Zeug loswerden und setzt dabei auf das natürliche Verhalten der Menschen. Das ist zielbewusste Interessensteuerung“, bringt es Speiser auf den Punkt. Er empfiehlt, sich bei solchen Angeboten immer von Ruhe leiten zu lassen und auch auf das Bauchgefühl zu hören, das ebenfalls in jedem Menschen stecke. „Wenn man unsicher ist, dann eine zweite Person hinzuziehen, sie um Rat fragen, zusammen überlegen.“

Er bittet darum, solche Fälle immer zur Anzeige zu bringen. „Schämen Sie sich nicht. Die Polizei wir Ihnen niemals einen Vorwurf machen. Wir arbeiten für die Bürger, sind für sie da“, betont er. Und auch, dass eine Anzeige bei der Polizei immer kostenlos ist. „Immer!“

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