Ermittlungen nach Tod im Maßregelvollzug Mühlhausen

Nach dem Tod eines 28-Jährigen im Maßregelvollzug des Ökumenischen Hainich-Klinikums in Mühlhausen ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft. Der junge Mann war Ende Februar aufgefunden worden.

Laut Aussage des Anwalts David Schneider-Addae-Mensah hatte der junge Mann schwer unter den Wirkungen von Medikamenten gelitten und sich immer wieder dagegen zur Wehr gesetzt. Foto: Jörg Koch

Laut Aussage des Anwalts David Schneider-Addae-Mensah hatte der junge Mann schwer unter den Wirkungen von Medikamenten gelitten und sich immer wieder dagegen zur Wehr gesetzt. Foto: Jörg Koch

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Mühlhausen. Die Staatsanwaltschaft ging zunächst vom Freitod des jungen Mannes aus, der aus Bad Salzungen stammte. Nun haben dennoch Ermittlungen begonnen, man stehe aber noch ganz am Anfang, sagte Ulf Walther, stellvertretender Oberstaatsanwalt der Mühlhäuser Staatsanwaltschaft, gegenüber unserer Zeitung.

Der 28-jährige gelernte Forstwirt hatte am 1. April 2005 mit einem Unfall in Südthüringen für Aufsehen gesorgt. Er hatte einen LKW gestohlen und sich eine dramatische Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert. Als diese eine Straßensperre mit einem Laster errichten wollte, kam dessen Fahrer ums Leben.

Der Menschenrechtsanwalt David Schneider-Addae-Mensah aus Straßburg klagt nun im Auftrag der Mutter. Die Umstände des Todes ihres Sohnes seien aufzuklären, sagt er. Schon im Januar habe es den Todesfall einen 21-Jährigen im Maßregelvollzug des Mühlhäuser Klinikums gegeben. Dieses Verfahren liege nun bei der Thüringer Generalstaatsanwaltschaft. Beide Männer seien jahrelang unter Druck gesetzt, isoliert, körperlich schwer misshandelt und zwangsgespritzt worden, sagt der Anwalt. Er habe unter den schweren Wirkungen der Medikamente gelitten und sich dagegen immer wieder gewehrt. Im Gegenzug habe man ihn gefesselt und gewürgt und monatelang in Isolation gesperrt. Unter anderem sei dem 28-Jährigen, als er sich gegen die schweren Medikamente wehrte, die Schulter gebrochen worden. Monatelang wurde er nicht operiert, erst einige Wochen vor seinem Tod. Der Anwalt hat Zweifel, ob sich der gerade erst Operierte so überhaupt selbst strangulieren konnte.

Der Anwalt spricht von Mord, Körperverletzung, Nötigung, Freiheitsberaubung, unterlassener Hilfeleistung. Er hat Anzeige gegen zwei Ärzte des Klinikums, mehrere Pfleger und zwei Richter erstattet. Zudem sei die Amokfahrt des jungen Mannes auf den Einfluss der starken Medikamente zurückzuführen gewesen. Er habe immer wieder versucht, sich diesen zu entziehen, habe dann aber auch unter schweren Entzugserscheinungen gelitten.

Vom Ökumenischen Hainich-Klinikum in Mühlhausen heißt es, man könne in dieser Sache nichts sagen. Der ärztliche Direktor ist derzeit nicht erreichbar. Von einer Anzeige wisse er nichts, sagte am Mittwoch der Chefarzt des Bereiches Forensik, Norbert Boyan, gegenüber unserer Zeitung. Er verweist aufs Sozialministerium. Dieses verweist auf das laufende Verfahren und verspricht nur, sich zu kümmern, falls sich Unregelmäßigkeiten herausstellten.

Nach unserer Zeitung vorliegenden Informationen soll es jedoch schon vor Monaten eine Stellungnahme des Klinikums gegeben haben. Dieses hatte der Mutter alle Kontakte zu ihrem Sohn untersagt. Sie behindere die Behandlung, hieß es, und sie sei eigentlich selbst behandlungsbedürftig.

Dem widerspricht Anwalt Schneider-Addae-Mensah. Die Mutter sei nur eine einfache Frau. Zudem sei dies kein Einzelfall. "Wer einmal in die Fänge deutscher Psychiatrien gelangt ist, wird konsequent zu Grunde gerichtet. Er wird meist so lange mit Psychopharmaka vollgepumpt, bis er verrückt oder gebrochen ist." Er sieht ein starkes Interesse der Mediziner und Pharmazeuten an Therapieplätzen und Medikamenten, die ihnen ein einträgliches Einkommen sicherten. Folge sei "grausamer Mord aus Habgier". Inzwischen soll auch die Krankenkasse des 28-Jährigen klagen, die bezweifelt, ob sie die Kosten für die Medikamente tragen muss.

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