Firmen in Mühlhausen stellen um auf Produktion von Mundschutz

Mühlhausen.  Tobias Spröte, Strickwaren Peterseim und Dekotex wollen Schutzmasken in die Region bringen. Diese Woche soll die Produktion beginnen.

Die Firma Strickwaren Peterseim stellt einen Teil der Produktion auf die Herstellung von Mundschutz um. Geschäftsführer Andre Niemann erwartet, dass täglich mehr als 1000 Stück produziert werden können. 

Die Firma Strickwaren Peterseim stellt einen Teil der Produktion auf die Herstellung von Mundschutz um. Geschäftsführer Andre Niemann erwartet, dass täglich mehr als 1000 Stück produziert werden können. 

Foto: Claudia Bachmann

Textilunternehmen, in deren Räumen Nähmaschinen stehen, stellen in diesen Tagen ihre Produktion um auf die Herstellung von Mundschutz. Doch auch Tobias Spröte ist dabei, der sich in den vergangenen Jahren eher einen Namen mit dem „Möve Bike“ und einem alternativen Radantrieb gemacht hat. Er sei, so sagte er am Samstag, gerade in enger Kooperation mit Ärzten, Landrat und Banken dabei, die erste Bestellung von 50.000 Stück dringend benötigten Atemschutzmasken nach FFP2-Standard für den Kreis sicherzustellen.“ Derzeit sitze man an den Verträgen und der Akkreditierung der Zahlung. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

Um die Produktion von Mundschutz – von Spuckschutz – geht es bei zwei Textilunternehmen. André Niemann, Mit-Geschäftsführer der Firma Strickwaren Peterseim in Mühlhausen, will ab Mitte der Woche seine Produktion auf diesen Bereich ausdehnen. Montag und Dienstag sollen Produktionsabläufe präzisiert werden; danach soll es losgehen. Mit acht, vielleicht zehn Näherinnen.

Das Material für die Masken kommt aus Westfalen

Zwischen 1000 und 1200 Stück werde man jeden Tag produzieren. „Es ist ein Gebot der Stunde, dass sich jeder einbringt – ob nun mit Produkten oder mit konsequentem Zuhausebleiben.“

Seit er am späten Freitagnachmittag auf das Angebot hinwies, hätten sich bereits einige Kunden bei ihm gemeldet. Er will an seiner Produktionsstätte regionale Pflegedienste, Altenheime, Ärzte mit den bei 95 Grad waschbaren Masken versorgen, „um vielleicht ansatzweise den Bedarf zu decken“. Das notwendige Material ist seit dem Wochenende auf dem Weg in die Erfurter Straße, kommt aus Westfalen. Die Masken sollen aus Flies bestehen, derzeit überlege man noch, eine antibakterielle Oberfläche einzunähen.

Für Niemann ist es, wie er sagt, durchaus ein „Schuss ins Blaue“. Der aber soll auch verhindern, dass Kurzarbeit im Unternehmen um sich greift. Rund 50 Mitarbeiter beschäftigt Strickwaren Peterseim, für einen Teil kann die Produktionserweiterung Sicherheit bedeuten.

Unsicherheit der Kunden ist zu spüren

Peterseim fertigt hochwertige Strickprodukte im Kundenauftrag und für eigene Kollektion. Ende des Monats sollte auf einer Hausmesse die Kollektion für Herbst und Winter vorgestellt werden – die ist abgesagt. „Sie wäre wichtig für uns gewesen, um die neue Mode auf den Markt zu bringen“, sagt Niemann.

Er registriert derzeit keine Stornierungswelle der Kunden, eher eine Verschiebung der Aufträge. Dennoch sei die Unsicherheit der Kunden zu spüren, denn die kommen in vielen Fällen aus dem derzeit geschlossenen Einzelhandel.

Die Firma Dekotex aus Mühlhausen, deren Aufgaben Nähen, Dekorieren, das Anbringen von Sonnenschutz und Legen von Fußboden ist, nutzt freie Kapazitäten ebenso zur Produktion von Schutzmasken. Dekotex-Chefin Katy Liebscher verzeichnete übers Wochenende viele Anfragen. „Wir können zu dritt daran arbeiten, eine Person schneidet zu und zwei nähen“, sagt Liebscher.

Sie erwartet, auf diese Weise etwa 200 bis 250 – nicht zertifizierte – Stück pro Tag zu produzieren, „je nachdem, wie schnell Material nachgeliefert wird“. Verwendet werde Baumwolle mit kochfester Einlage.

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