Gemeinde Anrode: Fusion bis 2022 mit Bürgerbeteiligung

Anrode.  Der alte und neue Bürgermeister der Gemeinde Anrode, Jonas Urbach, will die Gebietsreform nun vorantreiben

Vor dem Verwaltungsgebäude in Bickenriede: Jonas Urbach (rechts) ist nach seiner Wiederwahl ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Anrode. Marcel Hentrich hatte die Verwaltung kommissarisch geleitet.

Vor dem Verwaltungsgebäude in Bickenriede: Jonas Urbach (rechts) ist nach seiner Wiederwahl ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Anrode. Marcel Hentrich hatte die Verwaltung kommissarisch geleitet.

Foto: Alexander Volkmann

Der Christdemokrat Jonas Urbach ist der neue ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde Anrode. Neu für ihn ist die Leitung der Verwaltung nicht. Von 2015 bis 2019 war er hauptamtlicher Bürgermeister, dann wurde er in den Landtag gewählt.

Seit gut einer Woche ist er wieder zurück im Büro in der oberen Etage der Gemeindeverwaltung in Bickenriede – als Bürgermeister im Ehrenamt. Das Wahlergebnis spricht für sich. Urbach stand als einziger Kandidat auf dem Stimmzettel, holte 79,3 Prozent. Bei der Wahl vor fünf Jahren waren es noch 97,5 Prozent. Auch die Wahlbeteiligung sankt nun noch einmal deutlich auf 28,6 Prozent (2015: 43,9 Prozent).

Das beste Ergebnis bekam Urbach in seinem Heimatort Bickenriede. Dort ist er Ortsteilbürgermeister. Nicht einmal jeder zweite Wähler gab Urbach seine Stimme im Ortsteil Lengefeld – 48,6 Prozent erhielt er dort. Ortsteilbürgermeister Maik Schwabe (Freie Wähler) kam auf 30,6 Prozent ohne überhaupt angetreten zu sein.

Fusionspartner kristallisiert sich mit Dingelstädt und Mühlhausen heraus

Das Thema Gebietsreform könnte den Ausschlag für das Ergebnis im zweitgrößten Ortsteil gegeben haben, meint Urbach, die Befürchtung der Lengefelder, bei der anstehenden Fusion womöglich ins Eichsfeld verschlagen zu werden. Der Mühlhäuser Landgraben, die historische Grenze zum Eichsfeld, verläuft mitten durch die 1997 gebildete Gemeinde.

Wegen der Finanzlage ist Anrode seit längerem gezwungen, sich einen Fusionspartner zu suchen. Und der kristallisiert sich mit Dingelstädt und Mühlhausen heraus, in drei Varianten: Die Gemeinde als Ganzes geht zu einer der beiden Städte oder einzelne Ortsteile gehen unterschiedliche Wege.

Eineinhalb Jahre lang habe es einen Schwebezustand gegeben, in dem nicht verhandelt werden konnte, erklärt Urbach, weil es keine Aussage vom Land über Prämien und Entschuldung gab. Mittlerweile sei klar, dass es eine weitere Fusionsrunde geben soll. Für Herbst kündigt Urbach „weitere intensive Gespräche“ an. Auch die Bürger sollen zu ihrer Meinung befragt werden. In welcher Form ist noch nicht klar. Zusicherungen kann Urbach nicht machen, aber es müsse niemand befürchten, „still und heimlich irgendwo hin entführt“ zu werden.

Es gibt noch andere Baustellen

Am Ende wird es eine Entscheidung des Gemeinderates geben. Anfang 2021, so der jetzige Zeitplan, soll ein vertragsfestes Verhandlungsergebnis durch den Gemeinderat gebracht werden, um beim Land einen Antrag auf Fusion zu stellen. Im ersten Halbjahr 2022 könnte die dann umgesetzt sein.

Es gibt noch andere Baustellen: Im Herbst sollen die Löschwasserzisternen in Dörna gebaut werden. In Zella wird der Friedhof umgebaut, in Bickenriede das Baugebiet fertiggestellt. Gemeinsam mit mehreren Bauträgern wird die Sanierung der Straßen Keutel, Bickenrieder Straße und Birnweg in Lengefeld vorangetrieben.

Gemeinde hat 960.000 Euro Bedarfszuweisungen beantragt

Beim Land hat die Gemeinde 960.000 Euro Bedarfszuweisungen beantragt. Ende September wird der Bescheid erwartet. Sollte das Geld nicht in voller Höhe kommen, müsste eine Überbrückungshilfe beantragt werden. Die Mittel kämen dann auf jeden Fall, denn nicht einmal 1,5 Prozent der Ausgaben im Haushalt sind freiwillige Leistungen, der Rest Pflichtaufgaben.

3159 Einwohner hat die Gemeinde. Von November 2019 bis zur jetzigen Wahl war der erste Beigeordnete Marcel Hentrich (CDU) der kommissarische Bürgermeister. Der Gemeinderat hatte die Hauptsatzung geändert, sodass die Verwaltung nun im Ehrenamt geführt wird. Das hält Urbach grundsätzlich nicht für eine ideal Lösung. Unter den gegebenen Umständen sei es allerdings sinnvoll. Landtagsmandat und hauptamtliches Bürgermeisteramt sind nicht vereinbar. Ein neuer Hauptamtlicher hätte sich erst einarbeiten müssen und Gehalt bis zum Ende der Legislatur bekommen. Urbach will den Fusionsprozess zu Ende führen.

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