Hauch von Formel 1 über Kaisershagen und Windeberg

Kaisershagen  Vor 40 Jahren macht der MC Mühlhausen die Region zum Anziehungspunkt des Automobilsports

Auf die Erinnerungsmedaille des MC Mühlhausen von 1979 (links) ist Karl-Heinz Cramer besonders stolz. Wer erinnert sich an den Jungen (rechts oben), der vor 40 Jahren an der Rennstrecke stand, während die Buggy-Renner durch die hügelige Landschaft brausten (rechts unten).Fotos (3): Reiner Schmalzl

Auf die Erinnerungsmedaille des MC Mühlhausen von 1979 (links) ist Karl-Heinz Cramer besonders stolz. Wer erinnert sich an den Jungen (rechts oben), der vor 40 Jahren an der Rennstrecke stand, während die Buggy-Renner durch die hügelige Landschaft brausten (rechts unten).Fotos (3): Reiner Schmalzl

Foto: Reiner Schmalzl

Kilometerweit war das Dröhnen der Motoren zu hören, als zwischen Kaisershagen und Windeberg kleine Rennautos ihre Runden drehten. Spätestens mit dem zweiten Auto-Cross am 15. und 16. September 1979 hatte sich die Rennstrecke nördlich von Mühlhausen unter den Fans der Geländeflitzer im sogenannten Buggy-Format herumgesprochen.

Weil derartige Autorennen in der DDR-Provinz damals völlig neu gewesen waren, magnetisierten sie vor allem natürlich das einheimische Publikum. Gestartet wurde in den Motorklassen bis 600 sowie 1300 Kubik.

So wehte zwischen 1978 und 1983 während der jeweils im September ausgetragenen Rennen ein Hauch von Formel 1 über Kaisershagen und Windeberg, auch wenn kein Fahrer aus der Region Mühlhausen unter den Teilnehmern war.

Bei den Rennen handelte es sich gleichzeitig um DDR-Meisterschaftläufe. Diese hätten den Motorsport-Club (MC) Mühlhausen im Allgemeine Deutsche Motorsport Verband vor seine damals größten Herausforderungen gestellt, erinnert sich der Karl-Heinz Cramer. Und er wundert sich heute noch, wie man die motorsportlichen Großveranstaltungen unter den damaligen Bedingungen der Mangelwirtschaft überhaupt bewältigt hat. Plötzlich seit dort ein Mekka des Autosports entstanden.

„Das hört sich heute alles einfach an“, blickt das 87-jährige Urgestein des MC Mühlhausen zurück. Allein die Versorgung mit Getränken sei damals ein enormer Kraftakt gewesen.

Großes Kopfzerbrechen bereitete im Vorfeld die Unterbringung der über 100 Fahrer. Einmal hätten sich die Verantwortlichen des Kreises unerwartet großzügig gezeigt und plötzlich das gesamte Hotel „Stadt Mühlhausen“ als Fahrerlager zur Verfügung stellen lassen. Besonders unterstützt worden seien die Veranstalter und Automobilsportler laut Cramer beispielsweise auch vom VEB Mikroelektronik, von der Gemeinde Kaisershagen oder der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft Eigenrode.

Warum sich die Auto-Cross-Rennen in Kaisershagen allerdings nicht weiter etablieren konnten und bereits nach sechs Veranstaltungen Schluss war, ist unklar. Einer der Gründe könnte der zunehmende und teils schwierig zu bewältigende Besucherandrang gewesen sein, mutmaßt Karl-Heinz Cramer heute. Denn bis zu 6000 Zuschauer drängten sich mitunter an der Rennstrecke.

Auch ein etwa fünfjähriger Junge befand sich damals unter den mehr oder weniger begeisterten Besuchern und präsentierte sich dem Fotografen mit zugehaltenen Ohren. Vielleicht erkennt sich der unbekannte Fan wieder. Dann würde ihm unsere Zeitung das Originalfoto von vor 40 Jahren übergeben.

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