Heiligenstädter Experiment gegen Becher-Berge

Heiligenstadt  Beim bevorstehenden 29. Fest der Heiligenstädter Möhrenkönige ist die Mithilfe aller Gäste gefragt, damit die Stadt nicht vermüllt wird. Es gibt auch zahlreiche Aktionen samt Gewinnspiel mit guten Chancen.

KG-Rohre als Abfallbebälter für leere Getränkebecher. Mit dieser unkonventionellen Idee wollen die  Organisatoren des Heiligenstädter Möhrenkönigsfestes   den Plastikmüll  einsammeln. Marcus Rambach als Chef der IG findet die Idee toll.

KG-Rohre als Abfallbebälter für leere Getränkebecher. Mit dieser unkonventionellen Idee wollen die  Organisatoren des Heiligenstädter Möhrenkönigsfestes   den Plastikmüll  einsammeln. Marcus Rambach als Chef der IG findet die Idee toll.

Foto: Eckhard Jüngel

Was hat ein handelsübliches KG-Rohr mit einem Plastikbecher zu tun? Und warum beschäftigt sich ausgerechnet die Interessengemeinschaft (IG) Heiligenstadt mit beiden Dingen? Marcus Rambach, Vorsitzender der IG, schmunzelt. Er hält das druckfrische Programm zum bevorstehenden 29. Fest der Möhrenkönige hoch. In den vergangenen Jahren, so weiß er, haben die Mitarbeiter des Bauhofes Sonderschichten schieben müssen, um auf der Festmeile immer wieder während der drei Tage die Müllberge in Schach zu halten – vor allem nachts. „Auf Einwegbecher können wir aus hygienischen Gründen leider nicht verzichten“, bedauert Rambach. Die Logistik wäre nicht zu stemmen: Einmal müsste an den zahlreichen Bierständen, die von Vereinen betrieben werden, viel Kleingeld vorgehalten werden, Helfer müssten mit Bollerwagen die an einem Stand überzähligen Gläser wieder zu den anderen fahren, auch bräuchte jeder Getränkestand noch einen eigenen Wasseranschluss zum Spülen der Gläser. „Nicht machbar“, sagt Rambach.

Jetzt sollen KG-Rohre helfen. Die orangen Röhren sollen als Experiment nun an jedem Bierwagen befestigt werden. In sie passen genau die Einwegbecher. Ist er leer, dann einfach Boden voran hinein ins Rohr. „Klappt das gut, dann stapeln sich die benutzten Becher im Rohr nach und nach ineinander und können leicht am Stück entsorgt werden“, erklärt Rambach das Prinzip. Das aber funktioniere auch nur, wenn die Gäste des Stadtfestes ordentlich mitmachen und wirklich nur die Becher hineinstopfen. „Ist eine Bananenschale dazwischen oder ein Pizzarest, dann sieht es schlecht aus“, weiß er.

Trotzdem will die IG das Prinzip am kommenden Wochenende ausprobieren und baut auf die Vernunft der Gäste. „Jeder Becher, der nicht auf der Straße liegt, hilft enorm, den Bauhof zu entlasten und die Entsorgung zu erleichtern.“ Und Rambach denkt noch weiter: Die IG wolle sich nach dem diesjährigen Fest mit Einwegbechern aus recycelbaren oder nachwachsenden Stoffen beschäftigen, um Plastik und Kunststoff nach und nach von der Festmeile in der Innenstadt zu verbannen.

Heimatshoppen und ganz viel Ehrenamt

Die IG hat noch mehr Erfreuliches zu verkünden. Die Aktion Heimatshoppen wird zum dritten Mal stattfinden. Wieder mit einem großen Gewinnspiel auf Facebook. „Bislang sind über 1400 Euro an Gutscheinen von den Händlern zusammengekommen“, gibt Falk Sternadel vom IG-Vorstand einen Zwischenstand. „Das ergibt mehrere Taschen“, freut er sich. Das Prinzip sei ganz einfach. Es werden Gewinntaschen mit Gutscheinen im Wert von je 250 Euro gepackt. „Sozusagen ein Überraschungspaket.“ Wer mit in den Lostopf will, braucht einfach nur auf der Facebookseite der IG dem Heimatshoppen-Bild ein „Gefällt mir“ verpassen – und schon ist er dabei. „Wenn 1000 Leute mitmachen, dann liegt die Quote schon unter 1 zu 250“, meint Sternadel. Eben je nachdem, wie viele Taschen es werden. „Auf jeden Fall ist die Chance größer als beim Lotto.“ Die Verlosung wird am Sonntag gegen 17 Uhr – in der Pause der Trau-Dich-Show – auf der Bühne am Marktplatz stattfinden. Nur da muss man sein.

Die Aktion, die unter anderem von der Industrie- und Handelskammer mit unterstützt wird, findet in der Kreisstadt zum dritten Mal in Symbiose mit dem Stadtfest statt. Und das sei eine sehr schöne, sagt Sternadel. Denn so können die Leute gleich sehen, dass man in der Region gut einkaufen kann und Service geboten wird. Schließlich haben die Geschäfte auch am Sonntag von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Die Händler wiederum unterstützen das Ehrenamt, fügt Marcus Rambach hinzu. Das Stadtfest wird nämlich ehrenamtlich organisiert. Ohne Handel und Ehrenamt könne keine Stadt leben.

Im Übrigen haben sich schon sieben Bewerber für die Trau-Dich-Show angemeldet. Die Bandbreite, verrät Initiator Harald Richel, reicht von den Kastelruther Spatzen bis zu Roger Whittaker. „Es wird wieder lustig“, verspricht Richel. Auch die Jury sei gespannt.

Ehrenamtlich geht es beim Stadtfest an allen Ecken und Enden zu. Zum Beispiel beim traditionellen Uganda-Flohmarkt im Gemeindesaal von St. Aegidien direkt neben dem Marktplatz. „Der Erlös kommt wie in jedem Jahr zu 100 Prozent Projekten in Uganda zugute“, sagt Manuela Simon, Sprecherin des Ugandakreises. „Nachdem vor zwei Jahren schon ein Internat für die kleinen Mädchen der Grundschule in Lwamaggwa eingeweiht wurde, wollen wir nun auch den Bau eines Jungeninternats unterstützen.“ Oft müssten die Kinder kilometerweit zur Schule und von dort wieder nach Hause laufen. Ob der Ugandakreis dieses Projekt zusammen mit dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit wird umsetzen können, sei noch offen. „Selbst wenn das gelingt, gibt es einen erheblichen Eigenanteil für den Ugandakreis, der durch Spenden aufgebracht werden muss.“ Darum hoffen die Ehrenamtler nicht nur auf Spenden für den Flohmarkt, sondern auch auf jede Menge Käufer. Zusätzlich werde es noch einen Stand des Ugandakreises in der Wilhelmstraße geben, wo alle Kinder und Erwachsenen eingeladen sind, symbolisch an dem Internat mitzubauen. Unter dem Motto „Wir bauen weiter!“ soll mit der Hilfe vieler wieder ein kleines Häuschen entstehen. Das „Baumaterial“ war eine Spende der Eichsfelder Firma Eitech aus Pfaffschwende, die die Steinchen herstellt. Der Flohmarkt findet Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr statt.

Die IG aber hat natürlich auch ein Herz für die Kinder der eigenen Stadt. Auf dem Parkplatz in der oberen Wilhelmstraße wird bereits am Schaustellerpark gebaut, der am Freitag schon die Türen öffnet. Und die städtischen Kindergärten haben am Freitag von 10 bis 14 Uhr freien Eintritt.

Möhrenwettbewerb zwei Stunden früher als sonst

Kinder dürfen sich zudem auf eine Aktion der Awo freuen. Die wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Die hiesige Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle lädt am Freitag von 16 bis 18 Uhr im Rahmen des Stadtfestes ihrerseits zum Feiern ein. Groß und Klein seien herzlich willkommen zum Ponyreiten auf der Grünfläche der Lindenallee. Während die Kinder gegen eine kleine Spende auf den Ponys reiten dürfen, können sich die Erwachsenen über die Arbeit und die Tätigkeitsfelder informieren. Der Erlös wird gespendet.

Da die Heiligenstädter ja bekanntlich den Spitznamen „Möhrenkönige“ tragen, darf eine Sache bei keinem Stadtfest fehlen: der Wettbewerb um die längste Möhre. Zur Vermessung ist sogar ein eigenes Gerät angeschafft worden. „Der Ort bleibt“, sagt Marcus Rambach. „Die Bühne in der Fußgängerzone.“ Allerdings hat sich dieses Jahr die Uhrzeit verschoben. Der Möhrenwettbewerb findet schon um 14.30 Uhr dort statt. Marcus Rambach bittet alle, die sich dem Kampf um das längste im Garten geerntete Gemüse stellen möchten, sich schon um 14 Uhr am Sonntag dort einzufinden. Das Stadtfest- Programm liegt inzwischen aus.

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