Hotel-Chef nach Norovirus-Ausbruch: „Wir haben getan, was getan werden konnte“

Bad Langensalza.  Hotel-Betreiber und Gesundheitsamt verwahren sich gegen Vorwürfe, die nach dem Noroviren-Ausbruch laut werden. Auch Therme spürt Ärger der Gäste.

Geschäftsführer Stefan Kiefer, der das Vier-Sterne-Hotel im Juni 2017 in Bad Langensalza eröffnet hat.

Geschäftsführer Stefan Kiefer, der das Vier-Sterne-Hotel im Juni 2017 in Bad Langensalza eröffnet hat.

Foto: Daniel Volkmann

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Nach dem Ausbruch von Brechdurchfall im Bad Langensalza erheben einige Gäste Vorwürfe gegen den Betreiber des „Santé Royale“ und das Gesundheitsamt des Unstrut-Hainich-Kreises. Diese jedoch verwahren sich gegen die Kritik.

Der hoch ansteckende Norovirus grassierte zu Jahresende in dem Wellnesshotel in Bad Langensalza. 50 Gäste hatten über Magen-Darm-Beschwerden geklagt. Drei Betroffene wurden ins Krankenhaus eingeliefert, zwei davon nahmen die Ärzte stationär auf. Daraufhin wurde das Vier-Sterne-Haus geschlossen, das Gebäude drei Tage lang fachgerecht desinfiziert.

Nach dem Bericht in unserer Zeitung wandten sich mehrere Gäste an uns, die nun Fehler bei Hotel und Gesundheitsamt sehen. Bernd Jünemann aus dem brandenburgischen Velten wirft beiden Stellen sogar Versagen vor. Er und seine Frau Ursula hatten für zehn Tage in dem Hotel eingecheckt, am Neujahrstag wurden sie vom Virus infiziert. Nach Ansicht von Bernd Jünemann hätte man das Hotel schon viel früher evakuieren müssen.

Auch habe sich die ganze Zeit niemand von der Geschäftsführung blicken lassen, kritisiert er. Vor allem aber fühlt er sich ungerecht behandelt bei der Abreise, die wie „ein Rausschmiss“ war. Er und seine Frau waren sehr geschwächt nach dem Brechdurchfall und durften wegen der Schließung nicht länger bleiben. Sie übernachteten dann eine Nacht in einer Pension, welche die Rezeptionsmitarbeiter für das Paar buchte.

„Wir haben getan, was getan werden konnte“, sagt Kiefer. Ärzte und Amt seien jederzeit präsent gewesen. Auch er sei zu jeder Sekunde informiert gewesen, daher sei es nicht nötig gewesen, dass er selbst nach Bad Langensalza komme. Zumal seine Mitarbeiter alles vorbildlich gemeistert hätten.

Auch betont Kiefer nochmals, dass die Schließung aus eigenen Stücken erfolgte – und aus Sicherheitsgründen. „Wo hätten wir die Menschen denn hinschicken sollen?“, fragt er. Das Hotel war mit 200 Gästen komplett ausgebucht.

Die Kritik von sich weist auch das Gesundheitsamt. „Andere Maßnahmen, die eine Weiterverbreitung hätten deutlich stärker verhindern können, waren nicht indiziert“, erklärt Fachdienstleiter Sören Lamm. Zudem haben die Hygienemaßnahmen im Hotel den Vorgaben des Robert-Koch-Institutes entsprochen.

Denn Jünemann kritisiert unter anderem, dass es in den Zimmern keine Desinfektionsmittel gab. Laut Gesundheitsamt wäre das über den Standard bei einem Norovirus-Ausbruch hinausgegangen.

Den Ärger der Gäste bekommt auch die Friederiken-Therme zu spüren, die am Vormittag des 30. Dezember wegen des Virus-Ausbruchs im angrenzenden Hotel geschlossen wurde. Einige Besucher bezeichnen es als Abzocke, dass sie Geld zahlen sollten, nachdem sie das Bad verlassen mussten.

Wie die Therme-Geschäftsführer Annett Standhardt auf Nachfrage erklärt, habe keiner der Besucher den vollen Preis zahlen müssen. „Das war höhere Gewalt, dafür konnte niemand etwas“, sagt sie und ärgert sich über die schlimmen Beleidigungen, die ihre Mitarbeiter an dem Tag über sich ergehen lassen mussten.

Für Bernd Jünemann ist die Sache noch nicht vorbei, wie er sagt. Er will sein Geld zurückerstattet haben. Wie Hotelier Kiefer informiert, will er dabei auch großzügig sein. Aber ungerechtfertigte Schadensforderungen übergibt er seinem Anwalt.

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