Im Unstrut-Hainich-Kreis steigt Infiziertenzahl fast im Stundentakt

Landkreis.  Immer mehr positive Testergebnisse meldet das Gesundheitsamt im Unstrut-Hainich-Kreis. Derweil sind fast 400 Menschen in häuslicher Quarantäne.

Weil bis zum Wochenende weitere Testergebnisse erwartet werden, könne es bald zu einer Überschreitung der Sieben-Tages-Inzidenz von 50 kommen, fürchtet man. Symbolbild

Weil bis zum Wochenende weitere Testergebnisse erwartet werden, könne es bald zu einer Überschreitung der Sieben-Tages-Inzidenz von 50 kommen, fürchtet man. Symbolbild

Foto: Marco Kneise / Marco Kneise / Thüringer Allgemeine

Fast stündlich stieg auch am Mittwoch die Zahl der Corona-Infizierten im Unstrut-Hainich-Kreis. 55 waren es um 16.30 Uhr. Der Kreis rutschte damit auf eine Inzidenz von 44 – so viele Neuinfektionen gab es umgerechnet auf 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Bei 50 sind weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu erwarten. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

28 Fälle könnten mittlerweile der Kirmes in Höngeda zugeordnet werden, sagte Theresa Menge vom Gesundheitsamt des Kreises. Im Ort selbst gibt es, Stand gestern Nachmittag, sieben Betroffene mit nachgewiesener Infektion. Bei der Feier waren offenbar Teilnehmer von außerhalb. Sie verteilen sich über andere Orte im Landkreis.

In Mühlhausen mit Ortsteilen waren es gestern 20 Infizierte, in Bad Langensalza sechs, in der Verwaltungsgemeinschaft Bad Tennstedt und im Bereich Menteroda drei, in Nottertal-Heilinger Höhen zwei, in der Vogtei vier und in Unstrut-Hainich 14. Großengottern ist mit 9 Fällen besonders betroffen. Es gebe hier auch eine Querverbindung nach Höngeda, aber keine gesicherte Erkenntnis.

Das Gesundheitsamt verfolge die Ausbreitung nicht kriminalistisch, sondern versuche, Infektionsketten zu ermitteln um die Ausbreitung zu stoppen, sagte Landrat Harald Zanker (SPD). Es gebe etliche Fälle, deren Ursprung kaum auszumachen ist. „Urlaubsrückkehrer, die nicht in reinem Risikogebiet waren“, nannte Theresa Menge ein Beispiel.

Offiziell vierter Todesfall im Zusammenhang mit Corona im Kreis

Zur Eindämmung der Pandemie befanden sich gestern zusätzlich zu 54 Infizierten 329 Menschen in vorsorglicher häuslicher Quarantäne, ebenfalls ein Höchstwert seit Ausbruch der Pandemie. Weil bis zum Wochenende weitere Testergebnisse erwartet werden, könne es bald zu einer Überschreitung der Sieben-Tages-Inzidenz von 50 kommen, fürchtet man beim Kreis. Dann könnten weitere Einschränkungen nötig werden.

Seit gestern ist auch die Zahl derer, die im Zusammenhang mit Corona im Unstrut-Hainich-Kreis starben, von drei auf vier gestiegen. So steht es schon länger in Statistiken von Bund und Land. Aber erst jetzt habe man mit dem Totenschein endgültig die Bestätigung für den vierten Todesfall erhalten und damit die Kreis-Statistik korrigiert, sagte Zanker.

Die steht auf den Internetseiten des Landratsamts und wird jetzt täglich zweimal aktualisiert. Ein Problem sei, dass die Telefonanlage des Landratsamts nach wie vor komplett ausgefallen sei. Wer Kontakt zum Gesundheitsamt wolle, könne aber dessen E-Mail-Adresse nutzen: gesundheitsamt@lrauh.thueringen.de

Erneut kündigte der Landrat an, die Kontrollen wieder auszuweiten. So werde am Wochenende wieder zusätzlich zu den Ordnungsämtern die Polizei überwachen, ob sich die Menschen an die Vorschriften halten. Es dürfen nur noch bestimmte öffentliche Veranstaltungen stattfinden – etwa keine Volks- und Dorffeste mehr -, Privatfeiern sind drinnen auf 15 und draußen auf 50 Teilnehmer beschränkt. Dazu gelten die bekannten Abstands- und Hygieneregeln. Leider müsse man immer wieder feststellen, dass trotz Verboten gefeiert würde, die Hygieneregeln zu locker oder gar nicht eingehalten würden und sogar vorsätzlich gegen die Vorschriften verstoßen würde, sagte Zanker.

„Wir wollen keine Hysterie verbreiten“, betonte er, auch wenn mit dem Ferienende die nächste mögliche Infektionswelle bevorstehen könnte. Vielmehr appelliere er erneut an Vernunft, Rücksichtnahme, Eigenverantwortung und daran, die Regeln akurat einzuhalten.

Ziel aller müsse sein, Verschärfungen zu vermeiden, um Schulen, Kindergärten, aber auch Betriebe weiter offen halten zu können. Die nötige Vernunft würden viele zeigen, auch wenn manches schmerze. So wisse er von Absagen vieler Familienfeiern. In manchen Orten wurden auch schon Veranstaltungen für die nächsten Wochen vorsorglich abgesagt.

Bürgermeister Güte in Höngeda: „Warum wird unser Dorf als Corona-Hotspot an den Pranger gestellt?“