In zermürbender Endlosschleife

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Philip Theuermann, Kaplan der katholischen Gemeinde St. Josef in Mühlhausen, zum Fasten.

Philip Theuermann, Kaplan der Katholischen Kirchengemeinde "St. Josef" Mühlhausen

Philip Theuermann, Kaplan der Katholischen Kirchengemeinde "St. Josef" Mühlhausen

Foto: THOMAS KOCH

Seit jeher stoßen wir uns an ihr – an einer Zeit, die als besonders unbequem gilt, die kratzt und beißt, weil sie uns dazu herausfordert, unsere üblichen Gewohnheiten zu hinterfragen und uns gänzlich neu auszurichten: die sogenannte Fastenzeit.

Doch in diesem Jahr erscheint sie noch qualvoller als ohnehin schon – und das aus gutem Grund: Denn streng genommen erleben wir momentan eine Fastenzeit in zermürbender Endlosschleife. Seit mehr als einem Jahr verzichten wir bereits auf sämtliche Dinge, die uns lieb, teuer und selbstverständlich waren.

Keiner kann sich dieser auferlegten Fastenzeit auch nur ansatzweise entziehen. Jede und jeder von uns muss sich ihr stellen. Deshalb braucht es andere Formen als die bisherigen, fast schon zur Routine gewordenen Fastenvorsätze, die oft nur eine geringe Halbwertszeit besitzen.

Sicher wird es wieder viele geben, die die kommenden Tage und Wochen nutzen wollen, um sich körperlich in Form zu bringen – ein sehr ehrenwertes und zu unterstützendes Vorhaben. Allerdings geht es der Fastenzeit nicht nur um Selbstoptimierung durch einen entsprechenden Verzicht. Sie ist ambitionierter.

Sich auf das Wesentliche zu besinnen, die Fundamente des Lebens wie der Gesellschaft zu prüfen – das stellt das primäre Ziel des Fastens dar, alles andere dient eher einem schmückenden Beiwerk.

Aktuell gelingt das fast wie von selbst: Wir spüren, wie erfrischend und stärkend die Gemeinschaft mit anderen ist. Wir erfahren, wie wohltuend Freiräume sein können, um uns ungezwungen auf unsere Interessen zu fokussieren.

Wir realisieren, dass diejenigen, die im Gesundheitswesen, der Alten- und Kinderbetreuung und im Handel arbeiten, Unverzichtbares leisten. Wir erkennen, wie relevant Politik, Journalismus und Kultur für ein gutes Miteinander sind.

Es lohnt sich, über diese und ähnliche Aspekte intensiver nachzudenken und sie aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu beleuchten. Ein solches Fasten wird seinem eigentlichen Anliegen mehr als gerecht: Es eröffnet Zukunft.