Jens Ritter führt die größte Schule des Landkreises

Mühlhausen.  Jens Ritter ist der neue Mann an der Spitze. Er kam kurz nach dem Studium und ist nun, rund 17 Jahre später, der Leiter der Einrichtung in Görmar.

Jens Ritter leitet seit Februar die größte Schule im Landkreis, die Beruflichen Schulen in Görmar. Dort lernen 2300 Schüler und Auszubildende.

Jens Ritter leitet seit Februar die größte Schule im Landkreis, die Beruflichen Schulen in Görmar. Dort lernen 2300 Schüler und Auszubildende.

Foto: Claudia Bachmann

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48 Jahre alt, Diplom-Handelslehrer für Wirtschaft, Verwaltung und Politik, Vater dreier Mädchen im Kindergartenalter – und Leiter der mit 2300 Schülern und Auszubildenden sowie 170 Lehrern größten Schule im Landkreis, der beruflichen Schulen Johann August Röbling.

Jens Ritter ist ein Eigengewächs der Schule – und kam dennoch über einen kleinen Umweg in den Schuldienst: Er wollte promovieren, wünschte sich aber zum Bearbeiten des Themas Praxisbezug und ging ins Referendariat. Über seine ersten Tage als Referendar an der Berufsschule in Witzenhausen im Werra-Meißner-Kreis sagt er: „Ich habe sofort gespürt, dass es das ist, was ich wollte: Ich wollte unterrichten.“

Im November 2003 kam er als Lehrer an die Berufsschule nach Görmar, die er nun seit Monatsbeginn leitet – als Nachfolger des in den Ruhestand verabschiedeten Peter Ewert.

„Berufsschulen ticken anders als allgemeinbildende Schulen. Der Plan für eine Berufsschullandschaft wirkt immer in die Wirtschaft einer Region“, sagt er und wünscht sich von der neuen Landesregierung, dass sie den ländlichen Raum im Blick behält. In den vergangenen Jahren habe er, was die Ansiedlung der Ausbildungsgänge angeht, „einen Zug in Richtung der A4“ ausgemacht.

Ausbildungsgänge sollen in der Region bleiben

Ritter sieht seine Schule in der Bildungsregion Nord gut verankert. Man arbeite zusammen, um die Ausbildungsgänge in der Region zu halten und „bloß nicht nach Erfurt“ abzugeben. „Auch wenn nicht jede Ausbildung mehr an jeder Berufsschule angeboten werden kann, so gibt es sie dennoch in Nordthüringen.“

Der Schulleiter erwartet von der neuen Schulnetzplanung, die ab 2022 greift, keine großen Einschnitte für seine Schule. „Ich gehe davon aus, dass wir für alle gut 40 Ausbildungsgänge personell und materiell gut aufgestellt sind, um die Qualität des Unterrichts aufrecht zu erhalten.“ Für drei Ausbildungsgänge ist die Schule in Görmar die einzige staatliche Bildungseinrichtung in Thüringen: für die Fachkraft im Fahrbetrieb, den umweltschutztechnischen Assistenten und den Notfallsanitäter.

Noch immer mache er einen Run aus auf Berufe wie Sozialassistent und Kfz-Fachleute, andere Berufe wie die des umweltschutz- oder pharmazeutisch-technischen Assistenten seien dagegen weniger nachgefragt. Den Grund dafür sieht Ritter im Unterricht an den Regelschulen. Denen fehlen Lehrer für Naturwissenschaften. „Die Schüler kommen so nicht intensiv genug in Kontakt mit solchen Fächern, die ein Interesse an einer solchen Ausbildung wecken können“, sagte der in Niederorschel Lebende.

Zusammenarbeit mit Schulen in der Umweltbildung

Deshalb auch habe man in diesem Schuljahr erstmals den Bereich Umweltbildung in die Zusammenarbeit mit den Regelschulen der Region aufgenommen. Sechs Regelschulen besuchen ein Schuljahr lang jede Woche für vier bis sechs Unterrichtsstunden die Berufsschule, lernen dabei ein halbes Dutzend Berufsbilder kennen. Der Erfolg der seit einigen Jahren laufenden Zusammenarbeit sei messbar: „Etwa 75 Prozent dieser Schüler kommen anschließend zu uns – ob fürs Abitur oder für eine Ausbildung.“ Unter diesen Schülern liege dann die Abbrecherquote deutlich unter dem Thüringer Durchschnitt.

Die Vielfalt der Ausbildungsgänge an der Schule gelte es zu erhalten, nach ständig neuen Ausbildungsgängen aber wolle man nicht gieren. „Allein die Größe einer Schule ist kein Garant für eine hohe Qualität.“

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