Ursache für den Tod des Jungstorches in Mülverstedt ist gefunden

Susan Voigt
| Lesedauer: 3 Minuten
Während einer der insgesamt drei Störche in Mülverstedt bereits tot im Nest lag, konnten diese zwei Jungvögel Anfang Juni noch beringt werden. Ein zweiter ist nur zwei Wochen später auch gestorben.

Während einer der insgesamt drei Störche in Mülverstedt bereits tot im Nest lag, konnten diese zwei Jungvögel Anfang Juni noch beringt werden. Ein zweiter ist nur zwei Wochen später auch gestorben.

Foto: Claudia Bachmann

Mülverstedt.  Die Ursache für den Tod eines Storchs in Mülverstedt ist geklärt. Die wird auch für andere Vogelarten immer mehr zur Gefahr.

Die Ursache für den Tod des Jungstorches in Mülverstedt ist gefunden. Eine Untersuchung des Thüringer Landesamtes für Verbraucherschutz (TLV) in Bad Langensalza hat ergeben, dass der Bauch des Tieres mit Gummibändern und Folienresten gefüllt war. „Das hat den Magen kaputt gemacht“, erklärt Ornithologin Juliane Balmer. Sie hat den toten Storch bei einer Beringungsaktion Anfang Juni auf dem Horst in Mülverstedt gefunden.

Warum das Jungtier sterben musste, war da allerdings noch nicht erkennbar. Es sei weder abgemagert gewesen, noch habe es Anzeichen für eine Krankheit gezeigt. Deshalb habe sich Balmer dazu entschieden, den Vogel untersuchen zu lassen – auch, weil nur wenige Tage zuvor auch in Gotha tote Störche auf einem Horst entdeckt wurden.

„Die Fälle häufen sich auch in anderen Regionen“, sagt die Ornithologin. Nur zwei Wochen nach dem ersten starb auch der zweite Mülverstedter Jungstorch. Auch hier geht Balmer davon aus, dass der Magen mit Müll gefüllt gewesen ist.

Altvögel nehmen Müll auf Feldern auf

Die Gummibänder und Plastikreste könnten über die Altvögel ins Nest gekommen sein. „Weil es hier nur wenig feuchte Gebiete gibt, weichen die Störche auf Felder aus, um dort nach Nahrung zu suchen. Dabei nehmen sie leider auch Müll auf und präsentieren es ihren Jungtieren als Futter. Die wiederum fressen alles, was ihnen vor die Nase kommt“, erklärt Balmer.

Woher der viele Müll auf den Feldern komme, darüber könne sie nur spekulieren. Problematisch sei zum Beispiel die Verwendung von Plastik in der Landwirtschaft. Werden Spargelfolien, Bündelgummis, Erntebindegarn und anderes Plastik genutzt, bleibe hinterher immer etwas auf den Feldern zurück, so Balmer.

Damit haben inzwischen alle Störche zu kämpfen. Im vergangenen Jahr kümmerte sich Juliane Balmer zum Beispiel um einen Jungstorch aus Herbsleben, der erst apathisch im Ort herumlief und dann tagelang Gummibänder erbrach.

Eines der Tiere musste von Plastikfolie befreit werden

Bei der diesjährigen Beringungsaktion der Jungstörche in Thamsbrück musste Balmer eines der Tiere von Plastikfolie befreien – die hatte sich um die Beine des Vogels gewickelt. „So hätte der Storch niemals ausfliegen können. Er wäre letztendlich auch gestorben“, sagt die Ornithologin.

Plastikmüll werde auch für andere, größere Vogelarten immer mehr zum Problem. Raben- und Greifvögel bauen zum Beispiel ihre Nester mit Folie aus. Oft könne dann Regenwasser nicht mehr richtig ablaufen. Die Folge: Die Jungvögel müssen in einer Pfütze sitzen, unterkühlen und sterben.

Von heute auf morgen lasse sich dieses Problem nicht lösen. „Ein bewussterer Umgang mit Müll und artenfreundlichere Landwirtschaft würde schon vieles besser machen“, sagt Juliane Balmer.

Im Falle von Mülverstedt hat es zumindest der dritte Jungstorch geschafft. Warum er nicht wie seine Geschwister an zu viel Müll im Magen verendet ist, kann Balmer nicht sagen. Vor einigen Wochen aber stand er wohlauf mit drei Altvögeln auf einer Wiese bei Großengottern.